Die ersten Berührungen mit der E-Mobility reichen zurück in den Herbst des Jahres 2016, aber die ersten „Erfahrungen“ habe ich 2017 gemacht. Somit kann ich auf ein erstes Jahr vielfältiger Eindrücke zurückblicken. Ich erfuhr viel im Gespräch mit Fahrern von E-Fahrzeugen – leider besitze ich selbst noch keines. Dennoch konnte ich einige Vehikel fahren.

Bis in den letzten Winkel

Im Sommerurlaub 2017 an der Nordsee war ich das dritte Mal auf Amrum und das erste Mal auf Langeneß. Diese Inseln erkundet man am besten nicht mit dem Auto oder Bus – auf Langeneß gibt es ohnehin keinen -, sondern zu Fuß oder mit einem Fahrrad. Die erhöhte Leihgebühr war uns ein E-Bike wert, da wir wirklich alles von den Inseln sehen wollten. Besonders auf Amrum war die Zeit aufgrund der Ticketbindung an eine bestimmte Fähre begrenzt. In völliger Entspanntheit erkundeten wir mit 25 km/h jeden Winkel der Inseln. Egal ob über Asphalt, Waldwege oder Sand. Mit dem E-Bike war fast kein Weg unwägbar. So fanden sich viele menschenleere Stellen auf den Inseln an denen die Natur noch in Ordnung war.

Nur fliegen ist schöner

Ebenfalls im Sommer 2017 ergab sich die Gelegenheit gleich mehrere E-Motorräder der Marke Zero zu testen. Dabei konnte ich unterschiedliche Modelle fahren. Die Zeit auf diesen Maschinen war viel zu kurz und bereits nach etwa einer Stunde wieder vorbei. Aber es wird definitiv nicht das letzte Mal gewesen sein. Besonders die Enduro-Version hat es mir aufgrund meiner Größe angetan, obwohl diese die geringste Reichweite hat. Doch darauf sitze ich schlicht gemütlich. Das Fahrgefühl ist auf allen drei unbeschwert und ungewohnt gewesen. Kein rattern, kein lauter Motor, obwohl die Maschinen bis zu 200 kg wogen fuhren sie – im Vergleich zu einem herkömmlichen Motorrad – mit einer extremen Leichtigkeit, fast so als wäre ich geschwebt. Ich kam ins träumen (aber nicht zu sehr) und fuhr deutlich entspannter als auf meiner Honda mit Verbrennermotor. Der ganze Testbericht befindet sich hier.

Klein aber oho

Ich hörte einige Vorträge rund um verschiedenste Themenbereiche. Doch einer blieb mir besonders im Gedächtnis. Das war der Vortrag des CFO der Firma e.go in Aachen. Die vielen neuen Herangehensweisen an den Aufbau der Firma und die Produktion der Fahrzeuge beeindruckten mich sehr und inspirierten zu neuen Ideen. Besonders das herunterbrechen des Fahrzeugs auf das Notwendige und dennoch der hohe Anspruch an Qualität und Funktionalität haben sich in meinem Gedächtnis festgesetzt. Die Herangehensweise an die Planung der Produktion statt des Produktes macht absolut Sinn und spiegelt sich in einem innovativen Produkt zu einem günstigen Preis wider. Sogar die Beschaffenheit der äußeren Hülle ist eine Neuheit und sorgt für deutlich reduzierte Kosten, auch bei Reparaturen. Die Wünsche der Kunden stehen im Fokus und sind gern gesehen und gehört. Wenn möglich wird das Fahrzeug entsprechend angepasst. Über das Start-up berichtete ich ebenfalls auf diesem Blog.

Was war noch los?

Der Sion von Sono Motors wurde der Öffentlichkeit präsentiert und ging auf Tournee um Testfahrten zu ermöglichen und die Leute zu informieren. Ich bin auf den Kundenkreis dieses Fahrzeugs gespannt. Immerhin dürfte nicht jeder ein Freund von Solarzellen auf einem Auto sein, doch das Konzept ist gut durchdacht und hat bereits viele Liebhaber.

Auf der IAA wurden wieder viele Konzeptfahrzeuge der üblichen Verdächtigen präsentiert. Elektrische Vehikel sah man dort eher wenige. Hersteller, die sich auf elektrische Fahrzeuge spezialisieren oder nun auf deren Entwicklung konzentrieren nutzen andere Kanäle um diese Fahrzeuge zu verbreiten. Soziale Medien und Blogs sind hierbei die Instrumente. Die IAA rechnet sich schlicht nicht.

Einen realen Streetscooter sah ich zum ersten Mal in München. Dieses Fahrzeug dürfte eigentlich auch außerhalb der eingeschworenen Gemeinschaft von E-Fahrern bekannt sein. Doch als ich es fotografierte wurde ich von drei Männern witzelnd angesprochen, ob ich für die Konkurrenz von DHL spioniere. Dann erklärte ich meine Faszination für Elektroautos und sah an den Gesichtern, dass sie es nicht als solches erkannt hatten und vollkommen überrascht waren, dass so etwas bereits fährt. Das zeigt leider, wie sehr die E-Mobilität derzeit noch von Menschen beachtet wird, die sich dafür interessieren. Vor etwa zwei Wochen sah ich dann zum ersten Mal auch einen Streetscooter in meiner Wahlheimat Augsburg und freute mich noch mehr über den Anblick.

Die Welt der Batterien für Elektrofahrzeuge ist und bleibt eine spannende Angelegenheit. Es gibt extrem viele Forschungsansätze für immer mehr Leistung bei immer geringerem Gewicht. Doch noch kommen wir scheinbar nicht um das Lithium herum. Insbesondere die Serienreife ist meist ein Problem. Was im Labor funktioniert ist für die reale Welt noch lange nicht geeignet. Gleichzeitig fördert die Forschung am Recycling immer neue Möglichkeiten zu Tage. Um hier durchzublicken muss man sich tief in die Materie einlesen und viele Studien und wissenschaftliche Berichte vergleichen, möchte man eine Prognose abgeben, was 2018 kommen könnte.

Das Start-up „bike-energy“ produziert und installiert Ladesäulen speziell für E-Bikes. Auch E-Kfz können daran laden. Als ich davon erfuhr musste ich sofort einen Artikel für diesen Blog schreiben, denn ich dachte mir: Endlich kümmert sich jemand um den Ausbau der Infrastruktur für E-Bikes. Der Markt für diese Fahrräder wächst unaufhörlich, dort sie sollten auch eine gewisse Ladeinfrastruktur erhalten, damit sie nicht am eigenen Erfolg scheitern.

Gutes Neues?

Die E-Mobilität wird sich verbreiten und die Art unserer Mobilität wird sich deutlich wandeln. 2018 werden wir den deutlichen Beginn der Umstellung der Denkweisen der Menschen über Mobilität erleben. Denn die Strategien und Angebote gehen zunehmend weg vom eigenen Auto. Sharing-Dienste etablieren sich zusehends für alle Arten von Fahrzeugen. Die Städte sind vollgestopft mit Autos, der ländliche Raum ebenfalls. Doch in beiden Gebieten können Sharing-Modelle viel bewegen. Ich freue mich auch jedes Mal, wenn ich ein (E-)Lastenrad sehe – und es werden immer mehr. Dieser Blog berichtete in mehreren Artikeln über unterschiedliche Angebote, die permanent wachsen.

Das Jahr 2018 wird sich für mich noch intensiver um die Elektromobilität mit allen Facetten drehen. Ich bin gerade dabei, meine berufliche Laufbahn weiter in diese Richtung zu lenken. Daher sollten weitere Erfahrungsberichte und Tests unterschiedlichster Vehikel folgen. Auch technologisch und administrativ möchte ich hier weitergehen und der E-Mobility selbst zum Durchbruch verhelfen. Soweit mein gewünschter Ausblick in die Zukunft, hoffentlich wird’s was!

Happy New Year!

 

Bild: youthministry.com

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