Lilium – Fliegen für alle

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Lilium: Fliegen für alle
Lilium-Jets und Ladestation (Quelle: Lilium)

Ein Haus am See, irgendwo im Nirgendwo, weit ab von jedem Großstadt-Getümmel. Und trotzdem morgens in 15 Minuten bei der Arbeit sein anstatt zwei Stunden Autofahren. Andere Berufspendler wünschen sich bestimmt auch, einfach über die rush hour hinweg fliegen zu können, statt darin festzustecken. Das Münchner Startup Lilium ist auf dem besten Weg, das zu erreichen. 

Lilium und der Traum vom Fliegen 

Es ist schwer anzunehmen, dass Otto Lilienthal bei der Namensgebung des Startups nicht Pate gestanden hat. Ende des 19. Jahrhunderts hat der Mecklenburger erste erfolgreiche Gleitflüge unternommen. Er gilt als Luftfahrtpionier und erster erfolgreicher Flieger überhaupt. Jetzt, über 100 Jahre später, schicken sich die nächsten an, Flug-Pioniere zu werden: Liliums Gründer, Daniel Wiegand, Sebastian Born, Patrick Nathen und Matthias Meiner, entwickeln seit 2015 einen Jet, der mit VTOL Technik (Vertical Take Off and Landing) ausgestattet ist und für den Personennahverkehr tauglich sein soll. Nun sind Senkrechtstarter an sich nicht unbedingt neu. Das Ziel der Lilium-Jets ist aber, nur senkrecht zur starten, sondern auch längere Transit-Flüge angenehm und schnell zu meistern. Und dabei noch emissionsfrei und geräuscharm unterwegs zu sein. 

So funktioniert der Lilium-Jet

Die Jets fliegen nämlich elektrisch betrieben und verhelfen der E-Mobilität damit sozusagen zu Höhenflügen. Die Flügel bestehen aus zwölf Flaps, in die jeweils drei elektrische Flugzeug-Motoren eingebaut sind und die wie normale Turbinen-Motoren funktionieren. Nur eben mit E. Die Flügel an sich sind drehbar. Nach dem Start drehen sie sich in die Horizontale und der Jet fliegt vorwärts. Und das mit bis zu 300km/h, sagt Lilium. Genauso weit soll auch die Reichweite sein. Um das zu erreichen, muss man natürlich Gewicht sparen: Das ganze Fluggerät besteht deshalb aus Karbonfasern. Stabilisation und Richtung werden übrigens auch über die beweglichen Motoren gesteuert. Ein stabilisierendes Heck sei daher laut Lilium nicht nötig.

Die Idee: Fliegen On Demand 

Die Idee hinter dem ganzen Aufwand ist, eine Art Lufttaxi einzuführen und Fliegen für jedermann zugänglich und bezahlbar zu machen. Das Geschäftsmodell sieht vor, dass sich jeder via App einen Lilium-Jet rufen kann. Vielleicht sollte man es daher auch eher Shuttle-Service nennen, denn die Jets werden natürlich nicht überall landen dürfen – auch wenn sie es könnten. Es soll sogenannte landing pads geben, von denen der Passagier abgeholt wird. Gezahlt wird pro Flug, ein Euro pro Kilometer laut Broschüre. Sicherheit spielt auch eine große Rolle. Lilium hat ein redundantes Sicherheitssystem: Selbst wenn mal ein paar Motoren ausfallen, soll der Jet trotzdem noch senkrecht landen können. 

Gibt’s das schon?! 

Auf dem Digital Gipfel in Nürnberg war solch ein kleiner Jet einer der Publikumsmagnete. Jeder, der an der Veranstaltung teilnahm, musste mindestens einmal dort vorbeigehen und ihn sich ein bisschen näher anschauen. Sogar Kanzlerin Angela Merkel ließ sich das nicht nehmen. Das ausgestellte Flugobjekt ist allerdings nur ein zertifizierter Prototyp. Der eigentliche Jet soll später fünf Personen transportieren können – vier plus Pilot. Denn auch wenn er wohl schon mit künstlicher Intelligenz autonom fliegen könnte, mit Pilot und realer Intelligenz fühlen sich doch erstmal alle sicherer. Wie sich das anfühlt, werden wir alle aber erst ab 2025 herausfinden. Dann sollen die ersten Flüge buchbar sein.

Prototyp eines Lilium-Jets auf dem Digital-Gipfel 2018 in Nürnberg (Quelle: Sabrina Pfeifer)

Coole Sache für Pendler? 

Pendeln einfacher und angenehmer machen, mit dem Lilium-Jet. Damit wirbt das Startup unter anderem. Irgendwo außerhalb wohnen und trotzdem nur 15 Minuten zur Arbeit brauchen. Ein Traum. Damit sollen die Innenstädte entlastet werden und Wohnraum in der Stadt wieder günstiger gemacht werden. Trotzdem stellt es sich zunächst als eine Art „Lufttaxi“-Unternehmen dar. Aber wer fährt heute mit dem Taxi zur Arbeit? Nicht falsch verstehen: Um privat von A nach B zu kommen, halte ich das Modell von Lilium für machbar. Außerdem bin ich bin der Meinung, dass so etwas in der Art Abhilfe schaffen kann. Unsere Straßen kollabieren förmlich im Berufsverkehr. Und zugegeben: Es ist schon ziemlich cool, zur Arbeit zu fliegen.

Ich gebe nur zu bedenken: Um einen Unterschied auf den Straßen zu bemerken müssten sehr viele Lilium-Jets zum Einsatz kommen und Landestationen müssten ebenfalls sehr viele installiert werden. Vielleicht wäre dann für Pendler aber eine Art Sharing praktischer?

Hinzukommt: Wenn die Akzeptanz da ist, werden sehr viele Menschen damit fliegen wollen. Da wäre es doch sinnvoll, schon jetzt über ein mögliches Flugsystem für Städte nachzudenken – oder es zumindest im Hinterkopf zu behalten. Auch wenn das irgendwie nach StarTrek klingt. Aber der Luftraum über München, Stuttgart oder Hamburg usw. sollte ja nicht zum verkehrsrechtsfreien Raum mutieren. Nicht, dass nachher wieder alle überrascht sind, wie viel doch schon am Himmel los ist und sämtliche Vorschriften den Entwicklungen wieder hinterherhecheln.

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