Wir berichteten Ende Dezember 2016 als einer der Ersten über die Verhandlungen zwischen DriveNow und Car2Go. Unser Beitrag gehörte damals zu den meist-gelesenen Posts auf unserem Blog. Jetzt scheint es Bewegung in den Fusionsbemühungen zu geben, wie mehrere Medien übereinstimmend berichten.

Die FAZ bringt exklusive Hintergrundinformationen über den anstehenden Deal der beiden großen europäischen Car-Sharing Anbieter. „Schon im Februar wollen die beiden Autohersteller die Fusion der Carsharing-Gesellschaften bekanntgeben“. Beide Unternehmen lehnen derzeit noch jeglichen Kommentar ab.

Die beiden Marken DriveNow und Car2Go sollen erhalten bleiben

Interessant ist, dass beide Sharing Größen ihre Marken zu behalten beabsichtigen. BMW und Sixt, die beide derzeit hälftig an DriveNow beteiligt sind, verhandeln intern über die neue Aufstellung. Es wird berichtet, dass Sixt seinen Anteil herunterschraubt. Bei einer gemeinsamen Bewertung von 1 Milliarde Euro fällt das den Pullacher Autovermietern nicht sonderlich schwer, zumal DriveNow bislang nicht unbedingt mit Gewinnen glänzte. Car2Go wieder als hauseigene Daimler Marke existiert ja bereits seit 2010 und soll für die Stuttgarter als Sharing Anbieter bestehen bleiben.

Weshalb dann der Zusammenschluss? Die Plattform für den Betrieb der Sharing Fahrzeuge war für beide Anbieter recht kostspielig. Hier lassen sich gemeinsam deutliche Kostenvorteile erzielen. IT Entwicklung, App-Betrieb, Backend, Bezahlsysteme und Sicherheitsfeatures: das alles läßt sich heutzutage bequem aus einer Hand lösen. Lediglich das Front-end, also die Marke und deren Image sowie die Vertriebsbemühungen werden zukünftig getrennt betrieben.

Wettbewerb durch UBER und andere Sharing Angebote

Der wahre Wettbewerber, das weiss man in München und Stuttgart seit längerem, kommt nicht aus Bayern oder Baden-Württemberg. Da ist zunächst einmal das amerikanische UBER. Der neue Chef, Dara Khosrowshahi, poliert gerade kräftig das angeschlagene Uber-Image auf. Sein Auftritt auf der Münchener DLD von Hubert Burda Media zeigte die neue Angriffslust, Düsseldorf soll ganz gezielt im Visier des Ride-Sharing Dienstes aus den USA sein. Andere Sharing Konzepte kommen aus dem Ausland, aber auch die eRoller Sharings von Coup oder emmy nehmen den Fahrzeugen von DriveNow und Car2Go zumindest bei besserem Wetter viele junge Kunden weg,

Von daher ist es ein smarter Move von DriveNow und Car2Go – Kunden zusammenfassen und sich den kostspieligen Neueinstieg in den Metropolen dieser Welt aufzuteilen. Car2Go hat per Ende 2017 ca. 3 Millionen registrierte Kunden, davon allein 870.000 in Deutschland. DriveNow steigerte seine Kundenzahl in 2017 um 25 Prozent auf eine Million, davon 720.000 deutschen Kunden. Die Fahrzeugflotten mit BMW, Mini und Smart Autos sind gut kompatibel. Beide Sharing Anbieter setzen verstärkt auf Elektroautos in ihren Flotten. Teils sind die Flotten von DriveNow und Car2Go rein elektrisch, wie etwa bei Car2Go mit ausschließlich Smart eAutos in Amsterdam oder den BMW i3 Fahrzeugen von DriveNow in Kopenhagen.

Und somit wird aus den einst als Experimentierfeld gestarteten Sharing Plattformen von DriveNow und Car2Go quasi über Nacht ein seriöses Geschäftsmodell. Was rein als Test u.a. für den Einsatz von Elektroautos gestartet war ist nun ein Sharing Angebot, welches Kunden in vielen Metropolen als echtes Angebot zum örtlichen Taxiservice oder ÖPNV nutzen. Mich als Autor inklusive.

Bildrechte: DriveNow, BMW i3 in Hamburg

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