Vor wenigen Tagen hatte ich das Vergnügen, Matthias Groher zu einem kurzen Interview zu treffen. Matthias Groher ist Wissenschaftlicher Beirat des Bundesverband eMobilität (BEM). Er arbeitet als Berater und Dozent in verschiedenen Projekten rund um Smart-Cities und Erneuerbare Energien. Den Schwerpunkt seiner Arbeit für den BEM bildet die Vernetzung der vielen Partner im Rahmen der unterschiedlichsten Branchen. Als Solcher unterstützt der Bundesverband eMobilität beispielsweise den sogenannten LEW-Club in Augsburg. Jener findet zehn Mal im Jahr statt und ist für jedermann offen, der sich rund um das Thema Elektromobilität informieren möchte.

„Mein Leben besser machen“

Gefragt, weshalb er sich denn landauf und -ab intensiv um das Vernetzen rund um die Elektromobilität einsetze, kommt wie aus der Pistole geschossen diese Antwort. ‚Mein Leben besser machen‘. Matthias Groher ist beruflich schon früh mit den Themen der Digitalisierung beschäftigt gewesen. Seit 2005 arbeitet er im Telekommunikationsbereich. Fragen wie ’nutzen und nicht besitzen‘, den ‚Aufbau von Services‘ und ähnliches begleiten seinen Werdegang. Jetzt ist er beim Bundesverband eMobilität als Mitglied und Wissenschaftlicher Beirat Dreh und Angelpunkt für Vernetzung der Mitglieder und solcher, die es werden wollen.

Welche Kernthemen sehen Sie für das Jahr 2018 auf der Agenda in Sachen eMobilität?

„Für mich ist klar, dass in 2018 die Rakete nicht bereits in der 2. Stufe starten wird, sondern dass wir uns bei Themen rund um die eMobilität Schritt für Schritt bewegen müssen. Der Markt ist zwar reif, aber er wird sich nicht explosionsartig ändern. Wir haben viel Arbeit vor uns.“

Matthias Groher ist Realist: für ihn ist das Erleben von Fortschritten durch eMobilität kein Selbstläufer. Er zieht Parallelen zu den Entwicklungen beim Mobilfunk. Die pre-paid Boxen von Debitel um die Jahrtausendwende seien ein echter Durchbruch für die Mobilkommunikation gewesen, sehr vergleichbar den heutigen Zuständen bei Ladestationen oder Energiespeichern.

Meine Frage: Warum hinken wir in Deutschland mit der Innovation in eMobilität Produkte und Services so hinterher? Groher stellt hier glasklar fest: in Deutschland wird vielfach Behinderung bei diesen Entwicklungen betrieben. Gezielte Missinformation sei an der Tagesordnung. Aber klar sei auch, dass „die Dinge weitergehen werden – coole Elektroautos, eRäder, eRoller, der Spaßfaktor – all das kommt. Diese Produktpalette wird sehr schnell weiter wachsen und hier werden Newcomer oder Startups aus Deutschland ebenso vertreten sein, wie die großen, bekannten Mobilitätsanbieter.

Tiefgreifende Veränderungen

Allerdings sieht er den Mobilitätsmarkt vor tiefgreifenden Veränderungen. Community Lösungen für das eigene, lokale Umfeld oder auch die veränderte Nutzung der Produkte und Services durch die jüngeren Generationen stellen höchste Anforderungen an die Anbieter. Von daher sei die Tätigkeit des Bundesverband eMobilität auch so wertvoll. Es gilt die Erkenntnisse über Elektromobilität miteinander zu teilen und somit allen Interessierten zu helfen.

Einen wesentlichen Nachfragesprung erwartet sich Groher im Jahr 2018 für die eMobilität bei den gewerblichen Nutzern. Und das passiert nicht ganz freiwillig. Spätestens seit dem Gerichtsurteil aus München aus dem Januar 2018, in welchem die Richterin die Stadtoberen mahnt ’sie haben den Ernst der Lage noch nicht erkannt’, müsse nun doch jedem klar sein, dass Fahrverbote vor der Tür stehen. Und die schlagen, so Matthias Groher nun mal „als erstes beim Gewerbe durch. Sowohl beim urbanen Personal- als auch Produktverkehr. Viele Unternehmen, die werden sich vom Dieseltransporter trennen.“ Die Frage sei doch erlaubt: „brauche ich die Riesenkiste eigentlich noch, oder habe ich mit dem Streetscooter und oder einigen Cargobikes für die letzte Meile nicht die bessere Lösung für die Innenstädte?“

Es war eine sehr unterhaltsame Stunde und ich bedanke mich bei Matthias Groher vom Bundesverband eMobilität für seine Zeit und das sehr informative Gespräch.

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