„Wenn alle gleichzeitig um 20.00 Uhr ihr Auto mit Strom volltanken, knallt es im Netz“, sagte Energieexperte Thomas Fritz von Oliver Wyman dem „Handelsblatt“. Das Aufkommen von Elektrofahrzeugen wird voraussichtlich die Nachfrage nach Elektrizität erhöhen, aber Elektroautos bieten auch einige Vorteile bei der richtigen Nutzung. Eine neue Studie verspricht ein Einsparungspotenzial in Milliardenhöhe durch die Steuerung der Stromlast.

Lawrence Berkeley National Laboratory

“In dieser Studie prognostizieren wir die erheblichen Netzherausforderungen, die sich aus der zunehmenden Nutzung erneuerbarer Energien ergeben, insbesondere die zunehmende Übergeneration bei Tag, die steigenden abendlichen Spitzen und die zunehmenden Auf- und Abfahrten.“ (Studie)

Die Studie zeigt auf, dass Fahrzeuge die die Ladezeit zum optimalen Zeitpunkt steuern können,  den perfekten Gegenpol zu erneuerbaren Energien bilden. Die Fähigkeit zur Integration erneuerbarer Energien kann bis zu 1,0 GW stationärem Speicher liefern. Man muss dabei das Laden zu Spitzenbedarfszeit vermeiden und die Last stabilisieren. (Studie)

BMW & Tesla – intelligentes Lade-Management

BMW hat mit mehreren Pilotprogrammen ein Konzept erarbeitet. Eigentümer erhalten Geld, wenn sie ihrem Versorgungsunternehmen erlauben, zu kontrollieren wann der BMW i3 aufgeladen wird. Innerhalb einer vorherbestimmter Zeit wird der i3  aufgeladen. So funktioniert intelligentes Lade-Management.

Eine App in den Niederlanden, soll mit dem gleichen Konzept für Tesla-Fahrzeuge funktionieren. Die Flotte ist derzeit zu klein, um große Auswirkungen zu haben, aber man glaubt, dass diese Programme in größerem Umfang viel Geld wert sein könnten. Basierend auf dem neuen Lawrence Berkeley National Laboratory könnte man in Kalifornien bis 2025 mehr als 50 GW an steuerbarer Last erreichen.

Bis zu 1,75 Milliarden stationäre Speicherinvestitionen

Die Studie versuchte, diese gewonnen Kapazität zu schätzen und behauptet, dass sie “1,45- $ 1,75 Milliarden stationäre Speicherinvestitionen” wert sei.

Die Berechnungen ergeben sich, indem man die Leistungslast steuert, die technisch mit der aktuellen Technologie erreicht werden kann, indem man Ladestationen und Elektrofahrzeuge mit dem Netz des Netzes verbindet, wie sie es mit dem BMW-Programm in Kalifornien und den Tesla-Fahrzeugen in den Niederlanden gemacht haben. (Studie)

Weiteres Szenario

Man hat sich auch Szenarien angeschaut, in denen die Elektroautos nicht nur geladen werden können, sondern auch einen Teil ihrer Energie ins Netz zurückschicken können.

Die Nutzung der Technologie auf Kaliforniens wachsender Elektrofahrzeugflotte würde “dem Äquivalent von 12,8 bis 15,4 Milliarden US-Dollar für stationäre Speicherinvestitionen” entsprechen.

Fazit

Ein spannendes Ergebnis, welches die Elektromobilität den erneuerbaren Energien noch näher bringt.

„Das durchschnittliche Auto in Deutschland fährt laut Kraftfahrtbundesamt 14.000 Kilometer im Jahr, das sind knapp 40 Kilometer beziehungsweise eine Stunde Fahrzeit am Tag“, sagte BEM Präsident Sigl. „Im Schnitt steht ein Auto also 23 Stunden am Tag, das lässt viel Zeit zum Nachladen.“ (dpa) Bei der derzeitigen Situation mit nicht kooperierenden Anbietern und verschiedenen Bezahlsystemen scheint ein intelligentes Lademanagement schwierig. Eine Erhebung der Nationalen Plattform für Elektromobilität zeigt ein weiteres Problem der Ladeinfrastruktur in Deutschland. Momentan sind 85 Prozent der Lade Einrichtungen in privater Hand. Hier ein intelligentes Lademanagement einzuführen könnte schwierig werden. Jedoch sind die Potenziale und die Einsparungsmöglichkeiten enorm.  Ich hoffe, dass die Politik und Energiewirtschaft deshalb an einem Strang ziehen werden, um solche Potenziale zu nutzen.