Im vierten Teil unserer Neujahrsserie mit Wünschen für das Mobilitätsjahr 2019 habe ich mit Dr. Susanne Goehl gesprochen. Sie ist verantwortliche Teamleiterin Business Development der Messe München. Somit hat sie sowohl vor Ort in der Messe einen hervorragenden Einblick in die Mobilitätsanforderungen von morgen. Gleichzeitig erlebt sie in der bayerischen Landeshauptstadt München die Herausforderungen an Mobilität quasi hautnah mit. Frau Dr. Goehl, herzlichen Dank für Ihre Teilnahme und Bühne frei.

Mobilität in Berlin im Jahr 2052

Auf die Frage, wohin er sein Essen geliefert haben wollte, gab er in sein Handy „bitte an mein Handy liefern“ ein, da er unterwegs war. Eine viertel Stunde später flog eine kleine Drohne mit der Essenslieferung durch das offene Fenster seines Büros und landete auf dem Schreibtisch. Diese Szene stammt aus dem kürzlich auf Netflix veröffentlichten deutsch-britischen Science-Fiction Mystery-Thriller „Mute“. Der Film spielt im Berlin von 2052.

Der Film fasziniert allerdings weniger durch eine herausragende Story oder die schauspielerische Leistung, sondern durch das Bild, das er von einem Berlin der 2050-er Jahre zum Thema Mobilität zeichnet. So sieht man in dem Film neben Delivery Services über Drohnen auch Flugtaxis und selbst fahrende Autos – selbstverständlich alles „seamless“ mit umfassender Konnektivität. Dennoch: So „Science-Fiction“ mutet es beim Zuschauen gar nicht mehr an. Denn obwohl der Film erst in mehr als 30 Jahren spielen soll, sind einige der Technologien heute schon als Prototypen vorhanden und erlebbar. Insbesondere die Handhabung neuer Services wird bereits heute genau so von Endkonsumenten schon erwartet. Das wirft die Frage auf, ob diese Art von Mobilität tatsächlich erst in 30 Jahren verfügbar sein wird.

Aber der Film hat mich auch zum Nachdenken darüber angeregt, wie wir wohl – insbesondere in Städten – in über 30 Jahren leben werden und leben wollen. Was bedeutet heute für uns Mobilität und was wird es in den nächsten Jahren bedeuten? Und ganz konkret: Wie wird die Mobilität im kommenden Jahr 2019 aussehen?

Wofür steht Mobilität?

Von Haus aus Juristin wollte ich also zunächst verstehen, was heute unter den Begriff „Mobilität“ fällt. Mobilität bedeutet Beweglichkeit – von Menschen, Gütern und Daten. Alles ist mobil oder soll mobil sein. Google findet 1,2 Milliarden Treffer für das Wort „mobil“, für Mobilität immerhin noch fast 36 Millionen. Die Wissenschaft bezeichnet die räumliche Mobilität als die Beweglichkeit von Menschen, Waren/Dienstleistungen oder Daten in einem bestimmten Raum.

Zur Mobilität gehören aber auch die Möglichkeiten zu Teilhabe an Bewegung und die Bereitschaft zur Bewegung. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist Mobilität ein inflationär gebrauchter Begriff. Mobilität wird aber insbesondere mit höherer Lebensqualität verknüpft. Mobilität zu sichern ist eine zentrale Voraussetzung für eine attraktive und zukunftsfähige Wirtschaft und das Leben der Menschen. Mobilität ermöglicht die Bewegung von Menschen und Gütern in einer immer enger vernetzten Wirtschafts- und Arbeitswelt. Mobilität ist aber mehr als Verkehr. Mobilität ist eine Voraussetzung, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Wer nicht mobil sein kann, hat schlechteren Zugang zum wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben. Sie umfasst verschiedenste Technologien, Lebensbereiche und Industrien. Unsere Mobilität – die Art, wie sich Dinge und Menschen fortbewegen, wird sich kurz- bis mittelfristig komplett verändern.

Kaum ein Thema vereint eine so große Anzahl neuer Technologien

Betrachtet man unsere Messen, so gibt es kaum ein Thema, das so übergreifend über verschiedene Branchen hinweg präsent ist; kaum ein Thema, das als gemeinsame Schnittmenge eine so große Anzahl neuer Technologien vereint. Allein unsere Transport Logistik kommendes Jahr – die weltweite Leitmesse zum Thema Logistik, Mobilität, IT und Supply Chain Management – spielt vom 4.-7- Juni 2019 in München eine Vielzahl von Themen rund um Mobilität, u. a. Last Mile & On-demand Delivery, Seamless Logistics (in der Transportkette), Multichannel Logistics, Blockchain, Marketplaces, autonomes Fahren, Elektromobilität, Hyperloop Technologien, Künstliche Intelligenz, Big Data, Drohnen, eCopter, 3D Druck in der Mobilität uvm. Aber auch Messen wie eine electronica 2018 beschäftigt sich, nicht nur im Rahmen der Automotive Conference, mit Mobility-themen. Laser mit Sensorik und Lasertechnologien insbesondere für Autonomous Driving, eine automatica im Bereich Robotik und Automatisierung ebenfalls mit der Mobilität der Zukunft und nicht zuletzt mit einem der wichtigsten Themen: Cyber Security auf unserer Command Control, dem neuen, europäischen Summit zum Thema Cyber Security in München (3.-4. März 2020).

Das Potential in München und Bayern ist riesig

Bei dem Besuch dieser Messen wird einem klar, welche Top Technologien in Zukunft Mobilitätsthemen vorantreiben werden, was bereits heute schon möglich und sicherlich kein „Science Fiction“ ist und was in Zukunft im Bereich Mobility alles möglich sein wird. Und welches Potential in München und Bayern liegt, wird klar, wenn man die Vielzahl bedeutender Großunternehmen vor Ort wie BMW, Airbus, Siemens, Infineon, Osram uvm. und auch Initiativen wie den DE Mobility Hub, das UnternehmerTUM und eine Reihe von Startups im Bereich Mobilität (u.a. Freifahrt, Celonis, Glasschair, MAIOT, RideBee, Ridetronic, blink, konux, ParkHero, ParkHere, communify, eluminocity uvm.) betrachtet.

Bereits heute gibt es in München ein breites Mobilitätsangebot, vom öffentlichen Straßenverkehr, dem weiteren Ausbau des S-Bahnnetzes hinweg über private Anbieter wie DriveNow, Car2Go, CleverShuttle, DB Bike, mytaxi, etc., der Ausbau der Fahrradwege und der Auf- und Ausbau der eMobilität durch ein flächendeckende Verbreitung von eLadeinfrastruktur (in der Stadt und bis raus zur Messe) – all das macht das „unterwegs“ sein, das Arbeiten und Leben in München bereits so einer der lebenswertesten Städte dieser Welt.

Meine Mobilitätswünsche für 2019

Aber dennoch – und hier kommen meine Wünsche für 2019 – ist das Potential doch bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Die Möglichkeiten, die wir hier in München und Bayern hätten, liegen weit über denen anderer Städte. Trotzdem sind wir im Bereich Mobilität für diese Verhältnisse (zu) weit hinten an. Im Top 100 Ranking schafft es keine deutsche Stadt unter die Top 10[1]: selbst kleine Städte wie Lissabon verfügen bereits über ein dichtes Netz moderner eMobilität z.B. durch Anbieter wie GIRA etc. mit eScootern, eRollern etc. Das Ranking der Top-Städte führen Singapur, Stockholm, Amsterdam, Kopenhagen und Hongkong an.

In München hat es das eScooter Sharing Angebot emmy erst 2018 geschafft sich zu etablieren. Die Ladeinfrastruktur zieht allmählich nach. Mein Jahresend-Highlight war unsere eigene Ladesäule am Goetheplatz, die im Dezember 2018 fertig gestellt wurde. Aber insgesamt mangelt es an effizienter Umsetzung wichtiger Infrastrukturprojekte, die auch beim Endkonsumenten und auch außerhalb der Ballungsgebiete und Innenstädte ankommt.

Mein Wunsch für 2019 wäre daher, dass sich die großen Unternehmen noch stärker mit Tech-Startups vernetzen, um hier Zukunftsprojekte gemeinsam umzusetzen, im Sinne nachhaltigen Verbesserung insbesondere urbaner Mobilität, die die Lebensqualität der Bewohner langfristig sichert und verbessert. Ein herausragendes Beispiel dafür ist sicherlich der Passagier-Flugverkehr über neue Anbieter wie Lilium und Volocopter, die eine ganz neue Art urbaner Mobilität (Urban Air Mobility) anbieten.

Hier könnte Bayern und insbesondere München zum Vorreiter werden, wenn alle beteiligten Parteien, die öffentlichen Stellen, große Unternehmen und Infrastrukturpartner mit den Startups und jungen Unternehmen Hand-in-Hand arbeiten und man tatsächlich 2019 schon erste Pads umsetzen kann, die die Landeinfrastruktur ermöglichen.

So oder so wird 2019 ein spannendes Jahr: viele neue Technologien und gebündelte Expertise, Know-How und Finanz- und Umsetzungsstärke werden helfen, moderne Dienstleistungen erstmalig umzusetzen. Themen wie Robotik, KI, eMobilität, Wasserstoff etc. werden zu einer immensen Mobilität und Konnektivität beitragen und das Mobilitätserlebnis des Einzelnen – nicht nur in der Stadt – erheblich verbessern. #letsmakeithappen #bavarianmobility

[1] Arthur D. Little/Zukunftsinstitut, Zukunft der Mobilität 2020

Einen weiteren Beitrag mit Mobilitätswünschen für 2019 von Dr. Florian Petit, einem der Gründer von Blickfeld aus München, finden Sie hier.