Bereits der zweite FUSO eCanter wurde in dieser Woche von Daimler an die Logistiker von DB Schenker übergeben. Nach der Übergabe des ersten elektrischen FUSO Lastwagen im Dezember in Berlin, setzen die Logistikexperten von Schenker den eLKW nun in Frankfurt im Stückgut Verkehr ein. Dort sind die ersten Erfahrungen der Fahrer mit dem FUSO eCanter durchweg positiv.

In Asien ist der elektrische FUSO Lkw der Platzhirsch

Die Daimler Nutzfahrzeugmarke FUSO stammt ursprünglich aus einem Joint Venture mit Mitsubishi. Zwar hält Daimler mit mehr als 80% in diesem Joint Venture in Asien die Mehrheit, doch als Marke ist FUSO in vielen asiatischen Märkten der Standard. Interessantes Detail hierbei: die Bedienung der letzten Meile in asiatischen Städten stellt ganz andere Komplexitäten an die OEMs, wie die sogenannte ‘last mile delivery’ in Europa.

In Japan ist beispielsweise das Verteilerkonzept anders strukturiert: im Vergleich zu Deutschland sind die Städte viel größer. Daher dominieren als Fahrzeugkonzepte die 3,5t Lkw, zusätzlich sind auch 7,5t Fahrzeuge im Einsatz. Die Straßen sind enger und die Lieferanten benötigen wendigere Fahrzeuge. Größter Vorteil vor Ort ist, dass in Asien bereits seit Jahren Nachts in die Städte mit Elektrofahrzeugen bis zu den Endkunden geliefert wird.

Der FUSO eCanter im Stückgut Systemverkehr am DB Schenker Standort in Frankfurt

Zurück nach Deutschland, denn hier wird ab sofort in Frankfurt und Umgebung wie Offenbach, Aschaffenburg und Darmstadt elektrisch angeliefert. Die typische Entfernung zwischen den DB Schenker Standorten beträgt 50 Kilometer.

Wieviele Sendungen wickelt der Standort Frankfurt für Schenker ab?

Täglich werden 1.500 Sendungen bei Schenker in Frankfurt für die Auslieferung vor Ort abgewickelt. In diesem sogenannten Stückgut Bereich beträgt die durchschnittliche Lieferung zwischen 300 und 400 kg. Zusätzlich kommen weitere 220 Aufträge für die Weiterleitung von Lieferungen in die weiter entfernteren Standorte wie etwa Hamburg oder München. Bislang waren lokal Dieselfahrzeuge im Einsatz, die zum großen Teil den Sub-unternehmern gehören. Darunter sind Euro 4/5/6 Lkw, die nun vor allem von drohenden Fahrverboten betroffen sind. DB Schenker selbst hält lediglich einen Eigenbestand an ca. 10 Prozent der Fahrzeuge.

Wie gelingt zukünftig Nachhaltigkeit in der urbanen Logistik?

Die Frage ist, wie es Schenker (und natürlich auch den anderen Logistik Unternehmen) gelingt, ökologisch in die Innenstädte und die Peripherie zu liefern? In Frankfurt sind das Waren aller Art, also zum Beispiel Konsumgüter, aber auch Fahrräder oder Papier, die an Endverbraucher (Privatkunden) und den Einzelhandel geliefert werden.

Dieser B2C Bereich macht in Frankfurt immerhin 100-150 der Gesamtanzahl an Lieferungen aus. Und dieser B2C Bereich stellt die größten Probleme dar, weil eben die Innenstädte und verkehrs-beruhigten Zonen so schwer zu beliefern sind.

Andere Länder, andere Aufgaben für die Spediteure

Für Schenker stellen sich in anderen Ländern ganz andere Aufgaben. So ist die Struktur der zu liefernden Waren beispielsweise in Bergen & Oslo in Norwegen oder auch in Frankreich mit wesentlich niedrigerer Gewichtsmengen ganz anders. Selbst in Berlin stellt sich aufgrund der Größe eher das Problem, dass Ware in die Stadt hineingeliefert werden muss, als dass die Güter wieder heraus müssen. Schließlich wollen die gut 3,5 Millionen Menschen mit Waren versorgt werden.

Hinzu kommen die unterschiedlichen Ansätze zum zukünftigen Umgang mit Diesel-Lkw. In Frankfurt diskutiert man zum Beispiel über eine Maut, wie sie derzeit bereits in London existiert. In Paris wird 2024 schon kein Dieselfahrzeug mehr in die Metropolregion fahren dürfen. Ab 2030 werden alle Benzin- und Dieselfahrzeuge ausgesperrt und der Verkehr auf E-Fahrzeuge, öffentlichen Nahverkehr und Fahrräder umgestellt. Und so steigt der Druck auf Unternehmen wie Schenker quasi täglich.

DB Schenker und die Daimler Tochter FUSO testen gemeinsam

Um in Europa die unterschiedlichen Einsatz-Szenarien mit elektrischen Nutzfahrzeugen zu testen, haben die Daimler Tochter FUSO und DB Schenker die Zusammenarbeit mit insgesamt fünf elektrischen FUSO eCanter vereinbart. Bereits im Dezember wurde in Berlin ein erstes Fahrzeug übergeben. Jetzt folgte in Frankfurt der zweite eCanter, in Kürze startet in Stuttgart ein weiteres dieser elektrischen Nutzfahrzeuge. Letztlich werden im März zwei weitere FUSO eCanter in Paris an die dortige DB Schenker übergeben.

100 elektrische Nutzfahrzeuge FUSO eCanter bis Jahresende im Test

Dazu Harald Schmid, Leiter Sales & Marketing FUSO Europa: “Ich bin besonders stolz darauf, dass wir diesen Test mit realen Fahrzeugen in Echtzeit durchführen.” Denn neben dem Fahrzeug selbst werden Ladeinfrastruktur, Streckeneinteilung, Schulung der Mitarbeiter sowie Werkstattnetz und Service gemeinsam verprobt. Da hilft es, dass der FUSO eCanter inzwischen mit 56 Fahrzeugen im Testbetrieb in Europa unterwegs ist. Mehr als 300.000 Testkilometer haben diese elektrischen Fahrzeuge bereits hinter sich. Kein anderer Hersteller kann in diesem Segment auf diese reichhaltige Erfahrung zurückgreifen. Bis zum Jahresende sollen dann europaweit 100 elektrische FUSO eCanter mit Testkunden im Einsatz sein.

Paris ist ein wichtiger Testmarkt für Daimler und Schenker

Gerade in Frankreich erhofft man sich wertvolle Erkenntnisse für den so ganz anders tickenden dortigen Markt. Während die beiden Fahrzeuge in Paris identisch sein werden, so wird der Aufbau anders sein. Im Schnitt umfassen die dortigen Lieferungen lediglich 70 Kilogramm, d.h. Schenker operiert dort eher wie ein Paketdienst, vergleichbar also zu DHL oder DPD. Zusätzlich ist der französische dem deutschen Markt voraus. Das liegt einerseits an den angekündigten und beschlossenen Fahrverboten wie in Paris, andererseits ist die Unterstützung der Politik beim Umstieg auf elektrische Fahrzeuge größer, als in unserem Land. Allein schon deshalb ist die Sichtbarkeit der beiden FUSO eCanter in Paris ein wichtiges Signal sowohl für Schenker als auch für Daimler.

Die Fahrzeugdaten zum FUSO eCanter Elektro-Lkw für die letzte Meile

Der FUSO eCanter verfügt über 6 Batterien, die in der Daimler Batteriefabrik in Kamenz gefertigt werden. Der elektrische Antriebsstrang umfasst sechs Hochvolt-Lithium-Ionen-Batterien mit je 420 Volt und 13,8 Kilowattstunden. 390 Newtonmeter Dauerleistung lassen den 175 PS-starken 7,49-Tonner fast wie einen Pkw beschleunigen und auf meiner Testfahrt die Augen des Fahrers aufleuchten. Die Höchstgeschwindigkeit des FUSO eCanters ist auf 80 km/h limitiert.

Mit seinen insgesamt effektiv zur Verfügung stehenden 66kW erzielt der FUSO eCanter eine Reichweite von 100 km. Und für die stehen die FUSO Kollegen auch gerade, 100 km Reichweite im Sommer oder Winter für die Belieferung der Innenstädte, und das trotz der rund 600 Kilogramm schweren Batterien.

Neben diesem Hochvoltsystem gibt es zwei weitere 12V Batterien, die einerseits die großen Batterien steuern und andererseits die Hebebühne bedienen. Das Fahrzeug bei Schenker in Frankfurt ist mit einem sogenannten Standardkoffer aufgebaut, der begrenzt durch den Rahmen des Fahrzeuges lediglich für 11 Europaletten ausgerüstet ist. Der FUSO eCanter lässt sich mittels einer CCS Typ 2 Schnittstelle laden, das Fahrzeug kann AC mit 7,2 kW und DC mit bis zu 50 kW geladen werden.

Derzeit lädt Schenker während dieser Testphase mit AC über Nacht und nutzt eine Zwischenladung beim Stop des Fahrzeuges auf dem Hof im Laufe des Tages. Das ist sicherlich sub-optimal, zumal bei Fahrten nach Offenbach oder Darmstadt nicht viele Auslieferungen zusätzlich zur Anfahrtstrecke getätigt werden können.

Wie ist das Feedback der Fahrer bei DB Schenker zum Testeinsatz des FUSO eCanter?

Insgesamt nannte mir Fahrer Stefan Dieme des Testfahrzeuges drei Gründe, die ihn zu einem echten Elektrofan gemacht haben. Ihn begeistert zunächst, dass das Fahrzeug sehr wendig ist. Das bringt gerade in den engen Straßen und Gassen enorme Vorteile. Das leise Fahren und die spannenden Beschleunigungswerte sind weitere Highlights. Zwar ist das Führerhaus in dem FUSO eCanter kleiner, aber die Fahrer schätzen das vibrations-arme Fahren mit dem Elektrofahrzeug.

Als Nachteil wird der bislang zu kleine Standardkoffer für lediglich 11 Paletten gesehen. Eher gewöhnungsbedürftig ist für den Fahrer das nicht vorhandene Fahrgeräusch des elektrischen Lkw vor allem in Fussgängerzonen. Hier muss besonders auf Fussgänger geachtet werden, die den FUSO eCanter einfach nicht hören.

Mein Fazit nach einem Besuch bei Schenker in Frankfurt

Diese Tests von Nutzfahrzeughersteller und Logistiker in der harten Realität des Lieferalltags sind unheimlich wichtig. Letztlich geht es gerade im Nutzfahrzeugsegment darum, wie die Beteiligten zu einer Wirtschaftlichkeit der elektrischen Nutzfahrzeuge kommen? Allen potentiellen Bedrohungen durch Dieselfahrverbote zum Trotz gilt es die elektrischen Lkw für die letzte Meile im Ganzen nachhaltig einzuführen. Elektromobilität muss Sinn ergeben.

Hersteller und Kunden müssen zusammen lernen, wie ein umfassendes Ökosystem mit Ladestationen, Routenplanung, Incentivierung der Fahrer und Fördermaßnahmen (für die Wirtschaftlichkeit) aufgebaut werden. Die eMobilität wird somit ein Innovationstreiber im Hause Daimler. Und so ganz nebenbei wird die Marke FUSO innerhalb des Daimler Konzerns auch in Europa ein Begriff. Immerhin steuert die asiatische Marke heute ein Drittel des Absatzes aller Daimler Lkw bei.