In der letzten Woche hat die Bundesregierung gemeinsam mit Spitzenvertretern der Automobilindustrie Maßnahmen zur Förderung der Elektromobilität beschlossen. Die lassen sich in zwei Bereiche einteilen. Die Zuschüsse für den Kauf von Elektroautos und Hybridfahrzeugen und die massive Förderung der Ladepunkte. Wir haben die Kaufprämien auf einer gesonderten Seite für Sie zusammengestellt. Ich möchte in diesem Post die derzeitige Ladesituation beleuchten und über das sogenannte Henne-Ei Problem berichten.

Von ursprünglich einer Million auf zehn Millionen Elektroautos

Wer visionär denkt, der arbeitet gerne mit großen und somit einprägsamen Zahlen. Im Jahr 2010 gab die Bundesregierung das Ziel aus, dass bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren sollten. Dieses Ziel wurde bislang krachend verfehlt. Ende 2018 waren ca. 83.000 E-Fahrzeuge in Deutschland zugelassen, dazu kamen in den ersten zehn Monaten des Jahres 2019 weitere knapp 53.000 reine E-Autos. Im gleichen Zeitraum wurden ca. 190.000 Hybridfahrzeuge zugelassen. Insgesamt haben Elektroautos derzeit einen Marktanteil von unter 2,5 Prozent bei den Neuzulassungen in Deutschland, zusammen mit den Hybridfahrzeugen liegt der Marktanteil bei acht Prozent.

Nach den jüngsten Erweiterungen der Fördermittel sollen nun nach dem Willen der Bundesregierung bis zum Jahr 2030 zehn Millionen Elektroautos in unserem Land unterwegs sein, hinzu kommen weitere rund 500.000 Elektro-Nutzfahrzeuge.

Die Förderung von elektrischen Ladestationen - jetzt mal richtig ...
Bildrechte: Michael Brecht – gewerbliche Elektromobilität fördern – hier der elektrische Mercedes-Benz eVito

Eine Millionen Ladepunkte für Deutschland

Doch wie bekomme ich den deutschen Autobesitzer überzeugt, auf ein Elektroauto umzusteigen und gleichzeitig auf bestimmte Gewohnheiten zu verzichten? Eine in diversen Medien verbreitete Reichweitenangst und kolportierte Schwierigkeiten beim Laden der Elektrofahrzeuge sind einer massenhaften Verbreitung der E-Mobilität nicht wirklich zuträglich. Wir befinden uns tatsächlich in einem klassischen Henne-Ei Dilemma: ohne Reichweiten und Ladestationen krankt die Nachfrage nach E-Autos. Ohne Elektrofahrzeuge wiederum rechnen sich die Ladestationen nicht.

Staatlicher Impuls ist nötig für die Marktdurchdringung von Elektroautos

Die Lösung dafür kann nur durch einen staatlichen Impuls kommen und der ist nun beschlossene Sache. Zu den heute 21.000 öffentlich zugänglichen Ladepunkten im Lande sollen in den nächsten beiden Jahren 50.000 weitere solche Ladestationen hinzukommen. Zusätzlich sollen Autoindustrie und Handel 15.000 weitere Ladepunkte auf privatem Gelände für die öffentliche Versorgung bauen. Das lässt sich der Bund drei Milliarden Euro kosten. Wir kämen somit landesweit auf großzügig gerundete 100.000 öffentliche Ladepunkte. Und es geht weiter.

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) präsentiert in seinem Masterplan – das Laden solle “immer für alle und überall möglich” sein, um “die letzten Bedenken” zu Elektroautos zu zerstreuen. Bis zum Jahr 2030 sollen weitere 900.000 Ladepunkte gebaut werden, um dann mit einer Million Ladestationen endgültig eine flächendeckende Versorgung für die dann geplanten zehn Millionen E-Autos und die halbe Million gewerblicher Elektro-Nutzfahrzeuge aufweisen zu können.

Die Förderung von elektrischen Ladestationen - jetzt mal richtig ...
Bildrechte: Michael Brecht – Ladesäulen auf privatem Grund

Hierfür sollen, sofern nötig, Änderungen im Eigentums- und Mietrecht umgesetzt werden. Hier geht es vor allem um einen zukünftigen Rechtsanspruch für Wohneigentümer und Mieter zum Beispiel in einer Tiefgarage eine eigene Ladestation zu errichten. Die Neuregelungen dafür sind allerdings nach derzeitigem Kenntnisstand erst ab Ende 2020 zu erwarten.

Mein Fazit zu der geplanten Förderung der Ladeinfrastruktur

Über eine Subventionierung bestimmter Bereiche lässt sich immer streiten, gerade wenn es sich dabei um eine bislang so erfolgreiche Industrie wie die Automobilindustrie handelt. Wir incentivieren mit Kaufanreizen den Absatz von Elektroautos zu einer Zeit, nachdem sich gerade die deutschen Fahrzeughersteller nicht gerade mit Innovationen in Sachen E-Mobilität auszeichneten.

Klar ist jedoch, dass wir zur Einhaltung der Klimaziele 2030 dringenden Nachholbedarf in Sachen umweltfreundlicher Mobilität haben. Elektroautos tragen hierzu ihren Teil bei, denn bereits die heutigen Modelle sind dank ihrer Energieeffizienz und unter Einsatz von regenerativ erzeugtem Strom den Verbrennerfahrzeugen bereits ab einer Laufleistung von 50.000 Kilometern überlegen. Dabei sind die weiteren Innovationsprünge in Sachen Batterieentwicklung, die wir gerade dank exzellenter Forschung und Entwicklung in unserem Land erwarten dürfen, noch nicht einmal eingerechnet.

Wer jetzt mit einem vernünftigen Fahrzeugmix an Verbrenner- und Elektroautos in den kommenden Jahrzehnten plant, der kommt um einen Ausbau der Ladeinfrastruktur nicht herum. Und genau dort setzt die Bundesregierung sinnvollerweise an. Es ist an der Zeit, dass wir die Elektroautos nicht als notwendiges Übel, sondern als Chance für eine umweltfreundliche Mobilität erkennen. Auch die deutschen Fahrzeughersteller haben das bereits getan und liefern ab dem kommenden Jahr elektrische Fahrzeuge in allen Preisklassen. Die Zeit der E-Mobilität auf deutschen Straßen ist gekommen und das ist aus meiner Sicht gut so.