Es ist nicht ganz alltäglich, wenn Flugobjekte bereits vor der offiziellen Einführung einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden. Das ist auch der Grund, weshalb ich heute noch einmal über die CityAirbus Präsentation in Ingolstadt in dieser Woche berichten möchte. Ich habe selbst in dieser Woche die Möglichkeit gehabt, mit einem der Projektverantwortlichen auf der CoSMos Veranstaltung von Bayern Innovativ zu sprechen und weitere spannende Einzelheiten vom Ingolstädter Oberbürgermeister Dr. Christian Lösel zu erfahren.

Der CityAirbus in Ingolstadt fliegt (noch) nicht – er ist ein Prototyp

Hier ist der Hintergrundbericht zum Flugtaxi CityAirbus aus Ingolstadt. Denn in vielen Gesprächen zum Thema Flugtaxis kommt die Frage hoch: brauchen wir so etwas? Echt jetzt?

Um es vorweg zu nehmen: der diese Woche in Ingolstadt präsentierte CityAirbus ist noch nicht flugfähig. Es handelt sich bei der gezeigten Version um einen Prototypen, der derzeit noch nicht senkrecht in die Luft steigen kann, so wie es ab 2023 geplant ist. Wir hatten in einem Bericht vor wenigen Tagen von der offiziellen Präsentation berichtet .

Diese offizielle Präsentation auf dem Marktplatz war für Airbus Neuland und ein Riesenerfolg

Für Dr. Andreas Thellmann, Program Manager Urban Mobility Airbus war diese Präsentation und das danach folgende Medienecho etwas Neues. Denn an der offiziellen Präsentation am Montagvormittag um 11 Uhr in Ingolstadt nahmen ca. 3.000 Bürgerinnen und Bürger teil. Den ganzen Nachmittag über konnte die Bevölkerung sich auf dem dortigen Rathausplatz über den CityAirbus zu informieren. Ein Flugtaxi Prototyp, auf dem Marktplatz vor versammelter Bürgerschar – das gab’s noch nie.

Wie kam es zu dieser Entwicklung der Urban Air Mobility Lufttaxis?

Die weltweite Entwicklung der Urban Air Mobility (UAM) Bewegung begann vor ca. vier Jahren.  Durch die Möglichkeit der Nutzung elektrischer Antriebe ist die Bewegung entstanden und die Szene kennt vor allem ein Ziel. Die Flugtaxis sollen in ganz wenigen Jahren kein Luxusgut, sondern ein Transportmittel für Jedermann werden.

Wer entwickelt derzeit an diesen Flugtaxis?

Über 140 Mobility Startups arbeiten weltweit an diesem Thema und neueste Schätzungen besagen, dass inzwischen mehr als 1 Milliarde US Dollar in deren Finanzierung geflossen ist. Hierbei ist jedoch nur der Teil der Startups gemeint, der das Luftfahrzeug selbst entwickelt. Viele weitere Mobility Gründer arbeiten an den weiteren Wertschöpfungsketten rund um die Lufttaxis.

Welches Problem wollen die Anbieter von Lufttaxis mit ihren innovativen Lösungen angehen?

Lufttaxi Innovatoren betrachten vor allem die Verkehrsprobleme in den sogenannten Megacities. Das sind Städte mit mehr als 10 Millionen Einwohnern. Heute gibt es davon weltweit 30 Stück. Diese Megastädte leiden unter extremsten Staus, insgesamt sind in Ihnen mehr als 300 Millionen Einwohner betroffen.

Doch es kommt noch schlimmer. Für das Jahr 2030 erwarten Experten weltweit 41 Megacities mit mehr als 500 Millionen Einwohnern. Wer bereits heute von der Innenstadt einer Megacity wie Sao Paulo mit dem Taxi zum Flughafen unterwegs ist, der steht bis zu vier Stunden im Stau. Im Schnitt. Ganz gleich an welchem Tag. Unglaublich!

Es besteht hoher Bedarf der Veränderung für Mobilität in den Megacities

Kein Wunder also, dass die Flugtaxi Anbieter gerade in diesen riesigen Städten einen hohen Bedarf zur Veränderung erkannt haben. Das bisherige Fokussieren auf das zweidimensionale System mit Autos auf dem Weg in und aus den Städten muss hier zumindest einmal ergänzt werden. „Wir wollen einen Zusatzbeitrag bieten als multimodales System. Die Autotaxis machen bislang einen Anteil von 1-2% des Stadtverkehrs aus“. Diesen Taxiverkehr in die Luft, also die dritte Dimension, zu verlegen, das ist das Ziel der Startups wie Volocopter aber auch der traditionellen Anbieter wie Airbus & Co.

Am Beispiel von Sao Paulo zeigt sich, wie der Einsatz von Lufttaxis erfolgreich funktionieren kann

Ein Vergleich beim Transport von der Innenstadt zum Flughafen in der brasilianischen Megacity Sao Paulo macht es schnell deutlich. An einem guten Tag benötigt das Autotaxi zwei Stunden für diese Strecke, der durchschnittliche Wert liegt eher bei vier Stunden. Mit den bislang eingesetzten Hubschraubern lässt sich die Strecke in 10 Minuten zurücklegen. Das ist der Grund, weshalb kaum eine andere Stadt der Welt eine so hohe Dichte an Helikoptern aufweist wie Sao Paulo. 700 registrierte Helikopter und 350 Helikopter-Landestellen gibt es dort.

Mit Ridepooling wird die Flugreise erschwinglich

Die Kosten für einen Transport per Hubschrauber liegen derzeit auf Stundenbasis bei 3.000 Euro. Damit ist diese Transportvariante preislich für die meisten von uns unerschwinglich. Airbus schätzt, dass der Flugdienst mit einem CityAirbus dank des smarten Ridepooling Ansatzes auf 150 US Dollar für einen vergleichbaren Flug zu senken ist.

Wie sehen die Preise für die Flugtaxis in Deutschland aus?

Hier noch der Vergleich zu München. Hier kostet eine Fahrt mit dem Taxi vom Marienplatz bis zum Münchner Flughafen derzeit ca. 85-90 Euro. Auf dieser Strecke setzen die Flugtaxi Anbieter einen Preis für einen Flug mit dem Lufttaxi von ca. 150 Euro an. Wir reden kostenseitig also nicht von einem 10 oder gar mehrfachen eines Preises eines Autotaxis.

Und plötzlich entsteht ein neues Mobilitätsangebot, welches für diejenigen, die es besonders eilig haben, höchst attraktiv sein kann. Hierbei sei nicht nur an den Transport von Menschen, die ihren Flug erreichen wollen, gedacht. Eilige Arzneimittel, Blutkonserven, also Dinge die schnellstmöglich von A nach B transportiert werden müssen, können dank der Lufttaxis zukünftig von der Straße in die Luft.

Welche Anzahl an Lufttaxis ist zukünftig zu erwarten?

Derzeit hat Airbus weltweit ungefähr 10.000 Helikopter im Einsatz. Aufgrund der neuen Einsatzmöglichkeiten und aufgrund der deutlich niedrigeren Anschaffungs- und Betriebskosten rechnet Dr. Andreas Thellmann mit mindestens der 3-4 fachen Anzahl an Urban Air Mobility Fahrzeugen nach wenigen Jahren. Das führt dann wiederum dazu, dass die Preise für die Lufttaxis aufgrund der niedrigeren Produktionsstückkosten verringert werden können.

Wo werden die Flugtaxis der deutschen Hersteller zukünftig gebaut?

Der CityAirbus wird im bayerisch-schwäbischen Donauwörth entwickelt. Man arbeitet gleichzeitig mit Premium AEROTEC in Augsburg und mit Siemens in München zusammen. Das vorhandene Know-how in Bayern planen die Hersteller auch weiterhin hier vor Ort für die Produktion einzusetzen, so meint Dr. Andreas Thellmann von Airbus.

Was kommt zuerst: die selbstfahrenden Autos oder die autonomen Lufttaxis?

Die Antwort darauf weiss bislang niemand. Allerdings lassen sich erste Ansätze anhand der bisherigen regulatorischen Themen finden. Viel spricht dafür, dass die autonomen Transporte eher in der Luft stattfinden, denn dort ist tatsächlich alles geregelt, zumal es in der Luft weniger unerwartete Ereignisse gibt, wie etwa im Stadtverkehr.

Lesen Sie hier nochmals unseren Bericht zum Förderprogramm des Bundes und dem erfolgreichen Präsentieren des CityAirbus Prototyps in Ingolstadt.

https://emobilitaetblog.de/drohnen-flugtaxis-pilotregionen/