Im Frühjahr hatte Daimler zum Start des Genfer Autosalons den sogenannten elektrischen Concept Van mit dem Kürzel EQV vorgestellt, wir hatten hier auf dem eMobilität der Blog darüber ja ausführlich berichtet. Am heutigen Dienstag erfolgte nunmehr die Präsentation der offiziellen Version des EQV. Ab sofort bestellbar und ab Anfang 2020 dann verfügbar ist der EQV das zweite Mitglied der vollelektrischen Flotte bei Mercedes-Benz nach dem elektrischen SUV EQC.

Daimler nutzt dieses Kürzel für seine elektrische Flotte: dabei steht EQ für Electric Intelligence und der dritte Buchstabe ‘V’ signalisiert den Fahrzeugtyp, hier den Van. Ich war bei der Weltpremiere des neuen Mercedes-Benz EQV in Sindelfingen dabei und fasse hier meine wesentlichen neuen Erkenntnisse zusammen.

Der neue Mercedes-Benz Van Chef Marcus Breitschwerdt präsentiert den elektrischen EQV in Sindelfingen

Marcus Breitschwerdt ist seit April dieses Jahres der Van-Chef bei Daimler. Seit 30 Jahren im Hause, verantwortete er zuvor u.a. das Geschäft von Mercedes-Benz in Canada und der UK. Seine neue Tätigkeit bei Mercedes-Benz Vans sieht er als die größte Herausforderung bisher. Das liegt nicht nur an dem Umbruch in der Mobility Szene, sondern auch an den externen Faktoren, die ein Schaffen beim Daimler derzeit so anspruchsvoll machen.

Die Anforderungen des urbanen Transports für Mercedes-Benz sind äußerst anspruchsvoll

Die heutigen Herausforderungen des urbanen Transports sind nach seinen Worten richtig komplex. “Der Siegeszug des Online Shopping stellt uns alle vor neue Herausforderungen, die Services für Transport- und Logistiklösungen anbieten,” so Breitschwerdt bei der Weltpremiere. So sind bereits in Deutschland zwölf Million Auslieferungen jeden Tag zu bewältigen. Elektrische Fahrzeuge müssen integraler Bestandteil dieser Lösungen sein. Der Mercedes-Benz eVito wurde beispielsweise im letzten Jahr gelauncht, der eSprinter folgt noch im Jahr 2019.

Im Personentransport gibt es ebenso große Umbrüche, denn die Menschen wollen einfacheren Transport und umweltfreundliche Mobilität – nicht nur in den Städten. Dabei hat die Dieselthematik im Van Bereich eine besondere Intensität wegen des vergleichsweise hohen Anteils an Diesel-betriebenen Fahrzeugen in diesem Fahrzeugsegment.

Die Fahrzeugtypen im Van Bereich bei Mercedes-Benz

Der EQV wird als Serienfahrzeug in den normalen Produktionsablauf des Werks im nordspanischen Vitoria, wo auch die V-Klasse und der Mercedes-Benz Vito produziert werden, integriert. Das ermöglicht eine flexible und synergetische Produktion in direkter Korrelation mit der Kundennachfrage.

Mit welchen Zielgruppen rechnet Mercedes-Benz für seinen EQV?

Überhaupt hat die Van Klasse ihr Image eines Logistikfahrzeuges oder Transporters für ältere Zielgruppen abgelegt. Die V-Klasse beispielsweise hat eine der jüngsten Käufergruppen bei Mercedes-Benz. In Asien besteht eine extrem hohe Nachfrage nach den Vans als Shuttle Fahrzeug. Die X-Klasse ist nach wie vor gemäß Breitschwerdt “ein integraler Bestandteil der Flotte,” auch wenn es derzeit viele Gerüchte um deren Fortsetzung gibt. Und letztlich gibt es den Mercedes-Benz Citan als kleineres Lieferfahrzeug für die Stadt, in Kooperation mit Renault Nissan, gebaut.

Klar, dass damit für den EQV vor allem die jüngeren, aktiven Zielgruppen, oder auch der Shuttle-Verkehr in Frage kommen. Der EQV ist perfekt für die Ridesharing Plattformen geeignet, mit ViaVan ist Daimler ja bereits in einem Joint Venture in Europa erfolgreich unterwegs. Breitschwerdt erklärt in kleiner Runde, dass der EQV auch für die Zielkunden interessant ist, denen das “Prinzip SUV missfällt”. Wichtig auch, dass dieser Klientel die ca. 400 km Reichweite nicht so wichtig sind, wie die Schnellladefähigkeit des Fahrzeuges. Hier wird übrigens laut Breitschwerdt erwartet, dass der eVito demnächst auch mit einer solchen Schnellladefähigkeit ausgestattet sein wird, der eSprinter hat jene ja schon an Bord.

Welche technischen Neuerungen gibt es im Mercedes-Benz EQV?

Größter sichtbarer Aufreger vorweg: der Ladeanschluss des Mercedes-Benz EQV sitzt neuerdings im Stoßfänger, direkt an der Vorderachse der elektrische Antriebsstrang (eATS) des Mercedes-Benz EQV. Er verfügt über eine Spitzenleistung von 150 kW. Die Energie für den Elektroantrieb kommt aus einer Lithium-Ionen-Batterie im Unterboden des Fahrzeugs. Ihre tiefe und zentrale Anordnung ist positiv für das Fahrverhalten des EQV. Die Höchstgeschwindigkeit des EQV beträgt bis zu 160 km/h.

Ein Blick von Vorne in den Mercedes-Benz EQV – rechts die Ladeklappe mit Charger

Zu den technischen Highlights gehören eine Reichweite von 405 Kilometern nach NEFZ (derzeit noch vorläufige Angaben, zumal WLCP Tests noch nicht möglich sind) und das schnelle Nachladen der Hochvolt-Batterie von 10 auf 80 Prozent in weniger als einer Stunde. Darüber hinaus bietet der Mercedes-Benz EQV wie gewohnt einen hohen Komfort im Innenraum und große Flexibilität. Zusätzlich können die Kunden zwischen zwei verschiedenen Radständen wählen.

Die Reichweite und deren digitale Unterstützung

Der Mercedes-Benz EQV verfügt serienmäßig über einen wassergekühlten On-Board-Lader (OBL) mit einer Leistung von 11 kW und ist damit für das Wechselstromladen (AC) zu Hause und an öffentlichen Ladestationen vorbereitet. Die Batterie mit einer nutzbaren Kapazität von 90 kWh ermöglicht eine Reichweite von 405 Kilometern nach vorläufigen Angaben. Damit die technische Reichweite maximal ausgenutzt wird, lädt der Mercedes-Benz EQV seine Batterien auch beim Fahren. Im Schub- oder Bremsbetrieb wird die mechanische Drehbewegung in elektrische Energie gewandelt und zum Laden der Hochvolt-Batterie verwendet (Rekuperation).

In Verbindung mit der EQ optimierten Navigation sorgt die Aktive Reichweiten-Überwachung dafür, dass der Fahrer ans Ziel kommt, auch wenn er mal einen Ladestopp verpasst. Unterstützt wird er dabei zusätzlich im E+ Fahrprogramm, das  die Fahrzeugparameter auf maximale Reichweite ausrichtet.

Welt-Premiere des Mercedes-Benz EQV elektrischen Vans – Benjamin Kaehler gab uns die Insights.

Technische Daten zum Mercedes-Benz EQV 

CO2-Emission 0 g/km
Stromverbrauch kombiniert 27,0 kWh/100km (vorläufige Angaben)1
Reichweite 405 km (vorläufige Angaben)1
Ladezeit an Wallbox oder an öffentl. Ladestation (AC Laden, 11 kW) <10 h
Ladezeit an Schnellladestation (DC Laden, 110 kW) 10-80 % SOC in <45 Min.
Antrieb Vorderradantrieb
Leistung 150 kW (204 PS )
Max. Drehmoment 362 Nm
Höchstgeschwindigkeit 160 km/h
Batterie Lithium-Ionen
Energieinhalt Batterie (installiert) 100 kWh
Energiegehalt Batterie
(nutzbar)
90 kWh
Längen 5140 mm, 5370 mm
Radstände 3200 mm, 3430 mm
Gepäckraum (je nach Ausstattung) 1030 Liter
zGG 3500 kg

 

Weltpremiere EQV in Sindelfingen

Der Berlkönig in Berlin wird 2020 elektrisch und setzt auch auf den Mercedes-Benz EQV

Wie wichtig die elektrische Version des Mercedes-Benz Vans ist, zeigt der Anspruch des Berliner Ridepooling Spezialisten Berlkönig, der gemeinsam mit der BVG betrieben wird. Der Berlkönig verfolgt den Anspruch, ab dem Jahr 2020 vollkommen elektrisch unterwegs zu sein. Da ist es essentiell, dass der in Berlin mehrheitlich eingesetzte Van aus dem Hause Daimler mit einer elektrischen Variante verfügbar ist.

Mercedes-Benz Vans – der elektrische EQV als zweites Mitglied der EQ Familie von Daimler

Unser Fazit zur Weltpremiere des Mercedes-Benz EQV

Mercedes-Benz gelingt mit dieser Weltpremiere des zweiten elektrischen Fahrzeuges in der EQ Familie ein seriöser Wurf. Die Größe und Schwere der Vans lassen die Akkus für den elektrischen Betrieb gut einbauen, im Fahrzeugboden ist das äußerst förderlich für Fahrkomfort und -eigenschaft. Die Nutzlast des Fahrzeuges wurde von 3,2t für den Verbrenner auf 3,5t ausgeweitet. Somit kann der Gewichtszuwachs durch die Akkus mit ihren 600-700 kg beinahe komplett durch den Wegfall von Motor und anderer Teile wie Auspuffanlage kompensiert werden.

Aufgrund der Vielseitigkeit der Vans wird es jetzt darauf ankommen, die Stückzahlen der EQVs schnell hochzufahren. Als Limousine ist der EQV sowohl im privaten als auch im gewerblichen Einsatz sofort einsetzbar. Die Reichweite von ca. 400 km kombiniert mit der Ladekapazität machen die Mercedes-Benz EQ Fahrzeuge zu einem alltagstauglichen Elektroauto ganz gleich ob Shuttlefahrzeug für den gewerblichen Unternehmer, oder als EQV für die Familie oder den Abenteurer mit Surfboard oder Kite-Ausrüstung. Wir sind gespannt auf die ersten Erfahrungen beim Fahren der EQVs.