Viel wird in diesen Tagen vom Aufbau der Ladesäulen Infrastruktur geschrieben. Einige der Kritiker der eMobilität befürchten ja, dass wir nicht genügend Ladesäulen für das Wachstum der Anzahl an Elektroautos haben. Gerne wird hierbei das Horrorszenario aufgebaut, dass die Stromversorgung in Deutschland zusammenbrechen würde, wenn alle Elektroautos gleichzeitig an die Ladestationen angedockt würden.

Der Makroblick – wieviele Ladesäulen mit Ladepunkten gibt es in Deutschland derzeit?

Im Ladesäulenregister des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sind derzeit rund 20.650 öffentliche und teilöffentliche Ladepunkte verzeichnet. Damit könnten weit über 400.000 E-Autos regelmäßig laden. Das wären übrigens doppelt so viele Elektroautos, wie derzeit in Deutschland gemeldet sind.

Der Blick im Detail – am Beispiel von Bayerisch-Schwaben im Westen von Bayern

Interessant ist hierbei jedoch ein Blick auf die einzelnen Städte und Regionen.

Hamburg verfügt schon seit längerem über sehr viele Ladesäulen (948 und damit Platz 1 in der neuesten Erhebung), gefolgt von München 945 und Berlin mit 933 Ladesäulen. Bundesweit liegt in Hamburg mit beinahe 1.900 Einwohnern pro Ladestelle das Verhältnis bundesweit am besten, auch wenn das Wachstum an neuen Ladesäulen in der Hansestadt in den letzten Monaten nachließ. In vielen Kleinstädten sieht es jedoch mit der Verfügbarkeit von Ladesäulen ganz anders aus. Ich möchte daher heute einen Blick auf eine ganze Region werfen – genauer gesagt auf Bayerisch-Schwaben, dem westlichen Teil Bayerns. Es gilt für mich herauszufinden, wie außerhalb der großen Städte in Deutschland Ladeinfrastruktur gebaut wird.

Wie sieht die Versorgung mit Ladesäulen in Bayerisch-Schwaben aus?

In dieser Region rund um die Fugger- und Brechtstadt Augsburg leben ungefähr 1,9 Millionen Menschen. Da kommen dank UNESCO Weltkulturerbe in den nächsten Jahren bestimmt einige Tausend Touristen mehr hinzu. Wie sieht es also hier mit der Versorgung durch Ladesäulen aus? Denn gerade aus den angrenzenden Ländern Österreich und Schweiz werden viele Touristen für den Besuch des Augsburger Wassersystems im Rahmen des UNESCO Kulturerbes erwartet. In diesen Nachbarländern wird heute schon mehr als hierzulande elektrisch gefahren.

Die Lademöglichkeiten wurden in Bayerisch-Schwaben in den letzten Monaten stark ausgebaut

Die Lademöglichkeiten wurden in den letzten Jahren deutlich ausgebaut: Mittlerweile betreiben die Lechwerke (LEW) in Bayerisch-Schwaben und angrenzenden Gebieten 146 Ladestationen. Da an den Stationen in der Regel jeweils zwei E-Autos parallel geladen werden können, entspricht das rund 300 Ladepunkten. Darunter sind auch 42 Gleichstrom- Schnellladepunkte für die schnelle Ladung. Über das „Bundesprogramms Ladeinfrastruktur“ des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) haben die Lechwerke innerhalb der letzten zwölf Monate in der gesamten Region insgesamt rund 60 neue Ladestationen (= 120 Ladepunkte) errichtet, darunter 18 Gleichstrom (DC)-Schnellladesäulen.

Hinzu kommen noch 26 Ladesäulen des städtischen Anbieters Stadtwerke Augsburg, von denen 26 Schnellladesäulen sind. Sie werden für die Besucher in der drittgrößten bayerischen Stadt besonders interessant sein.

Die Entwicklung der Ladesäulen in Bayerisch-Schwaben
Elektroauto BMW i3 vor dem Perlachturm in der Augsburger Altstadt

Kein Grund also zur Beunruhigung bei der Ladesituation in Bayerisch-Schwaben

In Summe sind das also rund 350 Ladepunkte, da wird es interessant, wieviele Elektroautos heute in der Region gemeldet sind. Eine Analyse der Lechwerke zeigt, dass ca. 3.000 Elektrofahrzeuge derzeit in Bayerisch-Schwaben zugelassen sind. Die Zulassungszahlen beruhen auf einer LEW Abfrage bei den Landkreisen und kreisfreien Städten aus dem Juni 2019. Neben den vielen privaten Ladestationen zu Hause steht diesen 3.000 ständig vertretenen Elektroautos eine Kapazität von 350 Ladepunkten zur Verfügung. Wohl gemerkt, ohne die privaten Ladepunkte in der heimischen Garage.

Das Verhältnis 1:9 (Ladepunkte zu Elektroautos) ist beruhigend, auch wenn man berücksichtigt, dass vor allem die Schnelllader von Touristen und Durchreisenden genutzt werden. So nahmen die Ladevorgänge in den letzten Jahren in der Region deutlich zu: Während die Lechwerke an ihren Ladepunkten im gesamten Jahr 2016 noch rund 17.600 Ladevorgänge verzeichneten, sind es in diesem Jahr bislang bereits 39.500.

Unser Fazit zur Ladesituation in der Region rund um Augsburg

Anders als in den stark frequentierten Gebieten der größten deutschen Städte, wie etwa am Prenzlauer Berg in Berlin, lässt uns die Versorgung an Ladestationen in Bayerisch-Schwaben beruhigt schlafen. Bei einem Ladevorgang alle 2-3 Tage dürfte nach wie vor für viele Monate kein Stau an den Ladesäulen zu vermuten sein. Die zunehmende Reichweite der Elektrofahrzeuge spielt uns hierbei zusätzlich in die Karten.

Einzig die Verfügbarkeit von privaten Ladestationen in der heimatlichen Garage oder Car-port ist aus meiner Sicht ein Problem. In zu vielen Situationen wird dem gewillten Eigner eines E-Autos die Genehmigung einer privaten Ladestation verwehrt. Nur in Zusammenarbeit mit der Immobilienwirtschaft und mit vereinfachten Regeln für Mieter und Wohnungseigentümer zugleich, werden wir massiv in die Ladestationen zu Hause investieren können. Leider macht gerade Augsburg derzeit hierbei auch keine Ausnahme.