Roaming in der Elektromobilität

Roaming in der Elektromobilität
Bildrechte: Michael Brecht – Ladestation an der A95 – dank Roaming verfügbar

Der Begriff ‚Roaming’ stammt ursprünglich aus dem GSM-Mobilfunk und heißt übersetzt ungefähr ‚freier Zugang‘. Die E-Mobility Branche hat ihn für sich adaptiert, nur dass hier weniger die Verfügbarkeit des Mobilfunknetzes, als vielmehr das mögliche Laden der Akkus im genutzten Elektroauto bei fremden Anbietern gemeint ist. Der Fahrer eines Elektroautos erhält dank Roaming den Zugriff auf die Ladeinfrastruktur unterschiedlicher Betreiber.

Welche Leistungen beinhaltet Roaming im Sinne der Elektromobilität?

Die Anbieter von Ladeleistungen helfen dem Fahrer eines Elektroautos beim Auffinden der gewünschten Ladestation mit Hilfe von spezifischen Geodaten. Diese Informationsdaten werden seitens der Anbieter auf einer Webseite, im Fahrzeug selbst oder auf einer App im Mobiltelefon bereitgestellt. Viele der E-Autos haben aufgrund von Displays in ihrem Cockpit Informationen zur erreichbaren Ladeinfrastruktur verfügbar. Die Daten umfassen meist mindestens einen der unten aufgeführten Punkte:

  • Standort der Ladestation(en)
  • Anzahl der verfügbaren Ladepunkte
  • Die Verfügbarkeit der Ladepunkte selbst -> sind diese Ladepunkte frei verfügbar, belegt, oder etwa defekt
  • Preise für den Ladevorgang (siehe auch unser gesonderter Beitrag zum Thema: Eichrecht)
  • Technische Informationen zu den Ladepunkten, z.B. Schnelllladepunkte etc.
  • Zusätzliche Informationen wie etwa lokale Gegebenheiten wie Zugang zu Öffentlichen Toiletten, Versorgung mit Getränken etc.

Beispiel für einen Fall von Ladeinfrastruktur, der nicht per Roaming funktioniert

Man kann diesen Roaming Begriff auch anhand der Nutzung durch elektrische Zweiräder erklären. Einzelne Hersteller von E-Rollern haben die Akkus ihrer Fahrzeuge so aufgebaut, dass sie lediglich von ‘hauseigener’ Ladeinfrastruktur aufgeladen werden können. Ein Beispiel hierfür stellen die taiwanesischen Gogoro E-Mopeds dar, die vom E-Scooter Sharing Anbieter TIER für den Ausbau einer multi-modalen Flotte von der Bosch Tochter Coup erworben wurden. Sie lassen sich lediglich mit einer Gogoro Roller spezifischen Infrastruktur aufladen, Roaming wäre hier demnach nicht möglich.

Roaming gegen die Reichweitenangst

Für Elektroautos ist das Laden nach wie vor eine der größten Herausforderungen beim Durchbruch zu einem flächendeckenden Einsatz. Dabei ist die Sorge nach einer genügend großen Anzahl an Ladepunkten unbegründet. In Deutschland existieren mehr als 40.000 Ladepunkte, die jeweils an ein Roaming-Netzwerk angebunden sind.

Nachfolgend haben wir die größten und wichtigsten Anbieter in Deutschland aufgeführt. Einige darunter sind sehr große und flächendeckende Anbieter. Andere haben ihre Ladepunkte vereinzelt platziert, weisen dabei aber viele Kunden und somit ein großes Gewicht beim Roaming auf.

  • Allego GmbH – gleichmäßig über Deutschland verteilt
  • BMW – verfügbar in ein paar größeren Städten, vor allem über die BMW Vertriebsstätten
  • Charge-ON GmbH – Bayern, Norddeutschland, Mitte und Osten
  • chargeIT mobility GmbH – Bayern, Mitte von Deutschland, vereinzelt Osten
  • Digital Energy Solutions GmbH & Co. KG – Flächendeckend außer im Osten
  • E-Wald – Osten Bayerns, vereinzelt Baden-Württemberg & Mitteldeutschland – viel Roaming
  • EnBW – Baden-Württemberg, eher wenig im Westen und Bayern, vereinzelt im Osten
  • ENSO Energie Sachsen Ost AG – wie der Name schon sagt
  • EWE AG – Norddeutschland
  • GP-Joule Connect GmbH – Norddeutschland, ganze vereinzelt Osten & Nordbayern
  • Innogy eMobility Solutions GmbH – Westen, Bayern, Osten, dazwischen vereinzelt
  • IONITY – vereinzelt an Autobahnen, aber sehr wichtig für Langstrecken, da nur DC-Lader – viel Roaming
  • Bosch mit Charge my EV
  • The New Motion Deutschland GmbH – Flächendeckend, nur westlich/nord-westlich von Berlin etwas weniger
  • Thüringer Energie AG – Flächendeckend in Thüringen
  • Virta Ltd – etwas mehr im mittleren Westen, sonst vereinzelt
  • Volkswagen mit Charge & Fuel

Hinzu kommen viele kleine Stadtwerke, Gemeinden oder Unternehmen mit sehr wenigen Ladestationen. Viele dieser kleineren Anbieter schließen sich mit Anderen in Netzwerken zusammen. Somit ermöglicht man den jeweiligen Kunden einen einfachen Zugang zum gesamten jeweiligen Netzwerk an Ladepunkten.

Ist Roaming für die Nutzung der Ladestationen anderer Partner flächendeckend vorhanden?

Das Roaming ist in Deutschland flächendeckend vorhanden, abgesehen vielleicht zum heutigen Zeitpunkt von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Mit mehr als 40.000 Ladepunkten, die im Roaming erreichbar sind, gilt die Abdeckung in Deutschland als gut.

Der Nachteil der vielen einzelnen Roaming Angebote in Deutschland

Als Elektroautofahrer ist man in Deutschland derzeit (noch) mit einem Wust an unterschiedlichsten Abrechnungssystemen, Stromtarifen und Zugangssystemen zu den einzelnen Roaming Anbietern konfrontiert. Die unterschiedlichen Roamingnetze und die Preise, die noch homogenisiert werden müssen, stellen also nach wie vor eine Herausforderung dar. Man braucht eben immer noch viele RFID-Karten oder Apps und jeder Anbieter kann derzeit noch seine eigenen Preise machen. Aktuell existieren in Deutschland über 300 unterschiedliche Ladekarten. Dabei ist es notwendig, sich bei dem Betreiber der jeweiligen Ladesäule zu registrieren.