Elektromobilität braucht Infrastruktur

Elektromobilität ist der Schlüssel klimafreundlicher Mobilität und wird auch in Zukunft immer wichtiger und unumgänglicher werden. Bis zu deren tatsächlichem Durchbruch gibt es jedoch noch einige Hürden, besonders im Bereich der Infrastruktur. Der Bund sowie große Automobilhersteller investieren bereits viel in die Ladeinfrastruktur und wollen dies in den kommenden Jahren noch verstärken.

Entwicklung der Infrastruktur in Deutschland in den vergangenen Jahren

Bis Ende des Jahres 2017 war geplant in Deutschland rund 400 Autobahn-Raststätten mit Schnellladesäulen und Parkplätzen für E-Fahrzeuge auszustatten. Tatsächlich waren es jedoch nur 300 Ladesäulen für die schnelle Ladung der Elektroautos. Zeitliche Verzögerungen haben sich aufgrund des großen Umfangs der Maßnahmen und der behördlichen Genehmigungen ergeben.

Ende des Jahres 2018 waren es dann laut Bundesregierung und Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft ca. 16.100 öffentlich zugängliche Ladepunkte. Somit kommen auf einen Ladepunkt durchschnittlich zehn E-Autos. In dieser Aufstellung enthalten sind Ladesäulen von Parkhaus- und Parkplatzbetreibern, bei den Energieunternehmen wie EON, den Lechwerken, innogy oder ENBW, bei Supermärkten und bei Hotels. In der Zahl sind private Lademöglichkeiten nicht mitgezählt worden, denn sie sind ja nicht öffentlich zugänglich.

Welche Art von Ladestationen existiert am häufigsten unter den Ladesäulen in Deutschland?

Beim Großteil der Ladepunkte handelt es sich dabei um Normalladepunkte, an denen Strom mit einer Leistung von maximal 22 Kilowatt übertragen werden kann. An Schnellladepunkten ist dagegen eine deutlich höhere Ladeleistung möglich und der Akku kann in kürzester Zeit aufgeladen werden. Aktuell weist Bayern die meisten Stromzapfstellen auf, gefolgt von Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Im Saarland dagegen gibt es kaum Ladepunkte.

Welche Hindernisse gibt es bei dem Ausbau an Ladesäulen?

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur ist entscheidend für die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen. Die Reichweite von E-Autos ist noch gering, auch wenn die Hersteller von Elektrofahrzeugen inzwischen bessere Reichweiten garantieren. Die Ladezeiten für die Elektroautos sind daher noch sehr lang. Es stellt daher ein großes Problem dar, wenn die Infrastruktur nicht ausreichend ausgebaut ist. So ist es beispielsweise in ländlicheren Gebieten oft schwierig, zugängliche, öffentliche Ladestationen überhaupt zu finden.

Auch der Ladevorgang der Batterien benötigt aktuell noch sehr viel Zeit, verglichen mit der Tankzeit von Verbrennungsmotoren. Selbst Schnellladetechniken benötigen rund eine halbe Stunde, was in manchen Situationen zu lange ist. Daher sollten sich die Ladestationen an Stellen befinden, an denen Autos sowieso länger stehen, um keine Zeit beim Laden zu verschwenden. Ladeanschlüsse in der eigenen Garage, in Parkhäusern oder auf Parkplätzen vor Einkaufszentren oder in der Stadt wären ideal, um den Ladevorgang in den Nutzungsalltag eines Elektroautos zu integrieren. Daher werden künftig auch deutlich mehr Ladestationen für Elektroautos nötig sein, als aktuell Zapfsäulen an Tankstellen vorhanden sind.

Die Anschaffung eines Elektroautos hängt also größtenteils von der Infrastruktur ab. Solange sich die Verbraucher nicht sicher sein können, dass sie ihr Elektroauto immer laden können, wenn es nötig ist, wird die Akzeptanz von Elektroautos nur langsam ansteigen.

Norwegen ist Vorreiter in Sachen Elektromobilität und Infrastruktur

In weiteren Ländern wie Norwegen ist die Ladeinfrastruktur bereits besser ausgebaut, jedoch besteht auch hier noch viel Potenzial nach oben. Ab 2025 sollen dort keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden, was eine entsprechende Infrastruktur erfordert. Oslo hat heute bereits die zehnfache Menge an Ladesäulen wie München.

Um Deutschland zum Spitzenreiter in der Elektromobilität zu machen, sollen hierzulande nun bis 2020 mindestens 100.000 Ladepunkte für Elektrofahrzeuge zusätzlich verfügbar gemacht werden. Davon sollen mindestens 30% Schnellladesäulen sein. Zudem sollen diejenigen belohnt werden, die private Ladepunkte am eigenen Haus anbringen.

Elektromobilität - Infrastruktur

Auch die Autobauer tragen einen wesentlichen Teil zum Ausbau der Infrastruktur bei

Mit der Gründung des Gemeinschaftsunternehmens IONITY unterstützen auch die Automobilkonzerne BMW, Daimler, Ford und Volkswagen, den Ausbau der Ladeinfrastruktur in Europa. Das Joint Venture will bis 2020 ein flächendeckendes High-Power-Charging-Netzwerk verfügbar machen. Es sollen rund 400 Schnellladestationen entstehen, um so Elektromobilität auch auf Langstrecken zu gewährleisten und schnelle, komfortable und digital bezahlbare Ladevorgänge zu ermöglichen. Die Nutzung der Schnellladestationen ist dabei marken- und leistungsunabhängig möglich. „Die Gründung von Ionity ist ein wichtiger Meilenstein, der zeigt, dass die Automobilhersteller ihre Kräfte dazu bündeln“, so Ionity-Chef Michael Hajesch.

Elektromobilität - Infrastruktur

Keine Etablierung auf dem Markt ohne Ladeinfrastruktur

Die Infrastruktur ist demnach entscheidend für die Marktentwicklung der Elektromobilität in Deutschland und Europa. Ohne eine gut ausgebaute Ladeinfrastruktur können Elektroautos kein Massenprodukt werden, da die Akzeptanz bei den Verbrauchern zu gering ist und die Autobauer dadurch auch mit der Entwicklung der Stromer zögern. Eine ausgebaute Infrastruktur würde zu einer höheren Akzeptanz und dies wiederum zu einem Anstieg der Stückzahlen führen. Nur so könnte sich die Elektromobilität langfristig im Markt etablieren. Daher ist es wichtig in die Infrastruktur zu investieren, bevor es zu spät ist. Sonst riskiert man, potentielle Elektroauto-Kunden aufgrund von Reichweitenangst gar nicht erst für die Elektromobilität gewinnen zu können.