Vergangene Woche war ich erstmals auf dem e-Monday in der Hirschau in München zugegen. Den Münchnern als Biergarten inmitten des Englischen Gartens für den Sommer bekannt, findet hier 10x im Jahr ein Netzwerktreffen von Elektromobilitäts-Begeisterten statt. Veranstalter ist eMove360, ein Verlag der neben diesen Events eine Messe rund um Elektromobilität in München betreibt. Gemeinsam mit 60 Teilnehmern konnte ich zwei Vorträge zu ganz unterschiedlichen Mobilitätsthemen hören. Es ging um Wasserstoff Carsharing und Autonomes Fahren.

Im Vortrag von Manfred Reisner von der Beratungsgesellschaft AVQ ging es um Sicherheitsthemen im Rahmen von automatisiertem Fahren. Als Beratungsgesellschaft mit dem Schwerpunkt Funktionale Sicherheit und System Sicherheit komplexer technischer Systeme gab Herr Reisner Einblicke in die Ziele autonom operierender Fahrzeuge. Das erklärte Ziel dieser autonom operierenden und vor allem sicheren Fahrzeuge ist, „dass sie entweder auf Straßen den Verkehr und die Nerven des Nutzers oder auf Schienen und abgesicherten Fahrbereichen den Betreiber finanziell entlasten“ sollen.

Voll automatisiert geht nur vollelektrisch

Voll automatisiert geht das nach seiner Auffassung allerdings nur elektrisch, vollelektrisch aus erneuerbaren Energien. Wie lange wir entfernt seien vom autonomem Fahren war eine Frage aus dem Plenum: nun die PKW Premiumhersteller seien ganz und garnicht begeistert von den Möglichkeiten des autonomem Fahrens. Allerdings gäbe es Bereiche, in denen dieses schon erfolgreich eingesetzt sei. Im Agrarbereich wären die Effizienzvorteile dramatisch, auch Transporter seien schneller und sicherer unterwegs. Und bei weniger Kaufbegeisterung der jüngeren Zielgruppen für ein eigenes Fahrzeug sei die Grundlage für einen Business Case für einen eigenen Wagen ohnehin nicht mehr richtig gegeben, d.h. dass autonome Shuttles unsere Straßen verstärkt befahren werden.

Linde mit seinem Wasserstoff Carsharing Anbieter BeeZero

Der zweite Vortrag wurde vom MarketingChef von BeeZero gehalten. Eine 100% Tochter der Linde AG aus München und ein Carsharing Anbieter mit einer besonderen Note: Hydrogen- Wasserstoff Carsharing. Vollmundig bezeichnet sich BeeZero als „das größte und freundlichste Wasserstoff-Carsharing der Welt!“

Warum macht die Linde AG dieses Carsharing Experiment? Im Hause der Münchner sieht man das Wasserstoff Molekül als potentiellen „Game Changer“, denn bereits heute hätten mit Wasserstoff betriebene Fahrzeuge eine Reichweite von 500 Kilometer+. Zusätzlicher Vorteil für diese Fahrzeuge: in drei Minuten sei der Tank wieder gefüllt. Wasserstoff hat mehr Energie als alle anderen Kraftstoffe, ist gut für die Umwelt und sein Potenzial für eine Zero-Emission Mobilität ist riesig. Großer Nachteil jedoch: die Tankstellen für Wasserstoff sind unglaublich teuer und daher in unserem Land sehr rar gesät.

Linde will den hintersten Teil der Wertschöpfungskette durch Wasserstoff Carsharing schließen und betreibt mit den inzwischen 50 Fahrzeugen in München Öffentlichkeitsarbeit für diese Antriebsform. Das Motto: nutze für weite Überlandfahrten den Wasserstoff, innerhalb der Stadt die Elektroantriebe.

Das Sharing Modell in München ist zonenbasiert, d.h. die Fahrzeuge sind nicht als free-floater untergebracht sondern in den Zonen der Stadt. In der Zone in der geliehen wird muss das Fahrzeug auch wieder zurückgebracht werden. Das ist immerhin besser, als das Standort-bezogene Sharing Konzept in einzelnen Städten. Hier muss der Mietwagen an den Ausgangsstandort wieder zurückgebracht werden.

Das Marketing für Wasserstoff läßt sich Linde einiges kosten. Allein eines dieser Wasserstoff betriebenen Fahrzeuge kostet stramme 65000 Euro. Als Alternative für die Langstrecke ist ein solcher Antrieb bestimmt sinnvoll. Allein die Anlaufkosten lassen jedoch den Zweifel aufkommen, ob wir es hier mit einer nachhaltigen Antriebsalternative zu tun bekommen werden.

Kurze Ergänzung vom 10. März 2018 durch den Autor: wie der Branchendienst Heise berichtet, wird das Brennstoffzellen Sharing von BeeZero zum 1. Juli dieses Jahres eingestellt. Es konnte scheinbar keine nachhaltige Profitabilität mit dieser Art von Carsharing erzielt werden.

1 KOMMENTAR

  1. Wasserstoff ist absolut unwirtschaftlich in der Herstellung und hat noch einen schlechteren Wirkungsgrad als alle anderen. die firmen wissen dies, mb mit dem f- zell, und Toyota hat den viel zu teuren miray nur um vorübergehend ein paar ganz verückte kunden zu halten.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here