Der Denza 400 für den chinesischen Markt
Der Denza 400 für den chinesischen Markt (Bild: Daimler)

Li Shufu ist ein chinesischer Milliardär der die Automobilmarke Geely gründete, er ist Vorsitzender des Verwaltungsrates der Volvo Cars und größter Einzelaktionär der Daimler AG mit knapp 10% Aktienanteilen. 2018 hat Li über die  Investmentgesellschaft „Tenaclou3 Prospect“  9,69 Prozent der Aktien der Daimler AG erworben und strebt nun eine Allianz im autonomen Fahren und in der Elektromobilität an.

Die Hintergründe

Der Einstieg des Geely Chefs hat Daimler kalt erwischt. Das Li Shufu plötzlich 9,69 Prozent der Aktien erworben hatte, war den Schwaben so nicht bewusst. „Das ist weitaus mehr, als wir erwartet hatten“, hieß es in Konzernkreisen. (Handelsblatt) Man hatte eine Beteiligung von bis zu 6 Prozent erwartet.  Aus Finanzkreisen hört man, dass sich Li zunächst über eine kombinierte Position aus Aktien und Derivaten bis zu 5 % des Konzerns sicherte. Dies ist nicht meldepflichtig, da nur reine Aktien- oder Optionsgeschäften eine Meldepflicht ab 3% beinhalten. Mithilfe der Investmentbanker von Morgan Stanley und der Bank of America hat Shufu dann seine 5 prozentigen Anteile auf die besagten 9.69 % angehoben.

Joint Venture für Elektroautos

Geely hatte Daimler bereits angeboten ein Joint Venture für Elektroautos aufzubauen, welches die Stuttgarter offenbar ablehnten. Ursprünglich wollte man für den Deal rund 5 % der Daimler Aktien erwerben. Jetzt ist es anders gekommen und man hat anstatt eines Joint Ventures und 5 % der Aktien, knapp 10 % der Aktien an die Chinesen gegeben und diese Beteiligung ist wahrscheinlich mit einem Posten im Aufsichtsrat verbunden. Das war definitiv nicht so geplant.

Statik ändert sich

„Daimler ist ein herausragendes Unternehmen mit erstklassigem Management“, erklärt Li Shufu. „Die Wettbewerber, die uns im 21. Jahrhundert technologisch herausfordern, kommen nicht aus der Automobilindustrie.“ Um diesen „Eindringlingen von außen“ zu begegnen, braucht es Freunde und Partner. „Es ist Zeit für ein neues Denken. Mein Engagement bei Daimler reflektiert diese Vision.“

Die Reaktion aus Stuttgart klingt etwas anders: Shufu sei  ein „chinesischer Unternehmer mit besonderer Kompetenz und Zukunftsorientierung, mit dem man den industriellen Wandel konstruktiv diskutieren kann“.

Ansprüche von Li Shufu

Li Shufu wird wahrscheinlich nicht die Rolle eines reinen Dividendenempfängers einnehmen. Mit Volvo hat der Milliardär sein Können in der europäischen Automobilindustrie gezeigt. Für 1,8 Milliarden erwarb man 2010 den heruntergewirtschafteten schwedischen Hersteller, seitdem geht es steil bergauf. Geely agierte hier sehr geschickt, CEO Hakan Samuelsson behielt alle unternehmerischen Freiheiten, jedoch baute man im Hintergrund ein effektiveres Vertriebsnetz auf und unterstützte die Produktion. Weiterhin hat man den Fokus auf die eMobilität deutlich in den Vordergrund gerückt. Bei Volvo will man mittelfristig auf alle Verbrennungsmotoren verzichten.

Aufsichtsratposten

Sollte Li Shufu auf einen Sitz im Daimler-Aufsichtsrat bekommen, könnte es zu einem Interessenkonflikt führen. Die Chinesen halten 15 % an Volvo Trucks und auch Volvo ist ein direkter Konkurrent der Schwaben. „Diese Überlegungen können wir nicht mit einem Vertreter eines Wettbewerbers teilen.“ (Handelsblatt)

Elektromobilität

Volvo geht bereits konsequent den Schritt Richtung elektrische Fortbewegung. Laut Industriekreisen hat Li dort seinen Fokus gelegt. Er will mit Daimler in den Bereichen Elektromobilität und autonomes Fahren kooperieren. Polestar, die frühere Volvo-Tuningtochter, wird momentan zu einer reinen Elektromarke umgebaut. Man investierte  640 Millionen Euro in den Auf- und Ausbau der Marke Polestar und konnte bereits den Plug-in-Hybrid-Coupé Polestar 1 präsentieren. (Pressemitteilung)

Geely plant 20 Elektro- und Hybridmodelle bis 2020

Geely plant den Angriff auf Marken wie Tesla und auch Daimler. Bis 2020 will man 20 neue Elektro- und Hybridmodelle anbieten und so auch den möglichen Strafen durch die Elektroquote in China entgehen. Die E-Modelle Emgrand EV 450 und Emgrand GSe 400 kommen schon in den kommenden Monaten des Jahres 2018 auf den Markt.

Fazit

Der chinesische Milliardär könnte die Autowelt der Schwaben aus den geregelten Bahnen werfen. Mit 10 % Aktienanteil kann man die Geschicke des Unternehmens deutlicher lenken, als von vielen Managern von Daimler erwünscht. Für eMobilitätsbegeisterte ein Grund zur Freude. Li Shufu legt den Fokus, auch bei Daimler, in die Richtung  der elektrischen Fortbewegung. Was halten Sie von der Taktik des Geely Gründers? Kann man ungestraft in ein deutsches Traditionsunternehmen einfallen und die Richtung maßgeblich beeinflussen? Oder wird Daimler dem neuen Investor alle möglichen Steine in den Weg legen?

Nachtrag

Kann man ungestraft in ein deutsches Traditionsunternehmen einfallen und die Richtung maßgeblich beeinflussen? Diese Frage scheint noch nicht final geklärt, denn auch die Finanzaufsicht Bafin ist bei einer plötzlichen 10% Beteiligung alarmiert.

„Wie in anderen vergleichbaren Fällen sehen wir uns natürlich an, ob die Stimmrechtsveränderungen bei Daimler rechtzeitig gemeldet wurden“, sagte eine Bafin-Sprecherin am Montag.

Arbeitsplätze sind laut Daimler jedoch nicht gefährdet: „Der neue Investor unterstützt unsere Strategie und das Management voll und ganz. Es sind keine Jobs gefährdet“, sagte Personalvorstand Wilfried Porth der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.  Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) äußerte sich gegenüber der „Stuttgarter Zeitung“ kritisch: „Wir müssen das besonders aufmerksam betrachten“, denn nach ihrer Ansicht ist es problematisch, wenn Geely mit einem Sitz im Aufsichtsrat direkte Einblicke erhält und Daimler damit einen Konkurrenten im wichtigsten Gremium habe.

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