Elektromotorräder: Zukunftsträchtige Zweiräder unter Strom

Kein typisches Motorengeräusch, keine knallenden Fehlzündungen: Nicht nur Elektroautos, auch elektrisch angetriebene Motorräder sind in Zukunft nicht mehr von unseren Straßen wegzudenken! Zwar ist die Akku-Technik auch im Motorrad-Bereich noch nicht vollständig ausgereift, doch elektrische Mobilität auf zwei Rädern ist dank innovativer Technik und Emissionsfreiheit äußerst zukunftsträchtig. Wir informieren über die Vorteile von Elektro-Motorrädern. Zudem zeigen wir, welche Modelle Sie aktuell auf dem Markt finden und wie die Prognosen für die sportlich-dynamische Fortbewegung auf zwei Rädern aussehen.

Von den Anfängen des Elektromotorrads zu modernen Maschinen mit Akku-Antrieb

Elektromotorräder sind Zweiräder, die von einem Elektromotor angetrieben werden. Die Anfänge des elektrischen Motorrads reichen zurück bis ins ausgehende 19. Jahrhundert, als in den USA Bolton (1895) und Libbey (1897) die ersten Patente für E-Fahrräder anmeldeten. Zeitgleich wurden auch in Europa erste elektrisch angetriebene Zweiräder entwickelt – in erster Linie für den Bahnradsport. Kurz vor der Jahrhundertwende waren in Deutschland sowohl Elektrotandems als auch Elektrodreisitzer keine Seltenheit. Jedoch verdrängte die Weiterentwicklung der Benzinmotoren das weniger leistungsstarke E-Zweirad zunehmend.

  • In Lyon wurde im Jahre 1928 die Electrocyclette vorgestellt, deren Reichweite mit rund 30 km alle Vorgängermodelle übertraf.
  • In den 1940er-Jahren etablierte der belgische Hersteller Socovel den Socovel Scooter mit Elektroantrieb. Die Reichweite des bis zu 30 km/h schnellen E-Rollers, den drei 6-Volt-Batterien antrieben, betrug bereits etwa 50 km/h. In den Folgedekaden wurden immer wieder elektrische Zweiräder als Prototypen entwickelt, die bis dato allerdings nicht in Serie gingen.
  • Vor dem Hintergrund der ersten Ölkrise brachte der französische Hersteller Motobécane 1972 mit der Mobylette ein weiteres E-Roller-Modell auf den Markt. Anders als die im darauffolgenden Jahr produzierte Solo Electra kam die Mobylette jedoch nicht über den Prototyp-Status hinaus.

E-Motorräder auf dem Vormarsch: Mobilität im Zeichen der Umweltfreundlichkeit

Elektromotorräder mit Straßenzulassung werden in Europa erst seit rund zehn Jahren erfolgreich in Serie produziert, etwa von Herstellern wie Zero Motorcycles oder eRockit. Während E-Fahrräder und elektrisch angetriebene Roller insbesondere in China bereits im großen Stil gebaut werden, stellt die im Vergleich zum Verbrennungsmotor noch immer leistungsschwächere Lithium-Ionen-Batterie das größte Problem bei der Konstruktion von E-Motorrädern dar.

Das Verhältnis zwischen erzeugter Energie und Volumen beziehungsweise Gewicht der Batterie kann noch nicht mit der Leistung eines benzinbetriebenen Motors mithalten. Auch die verhältnismäßig langen Ladezeiten von bis zu acht Stunden sowie eine begrenzte Reichweite zwischen 40 und 150 km pro Ladung stellen wichtige aktuelle Forschungsfragen dar. Die Verkaufs- und Zulassungszahlen fallen für Elektromotorräder mit einer Höchstgeschwindigkeit von mehr als 45 km/h in Deutschland noch immer eher bescheiden aus. Dank der sich ständig weiterentwickelnden Technologie wird das Thema E-Mobilität aber auch für Zweirad-Fahrer immer interessanter.

Gute Prognosen für die Entwicklung des Elektro-Zweirad-Markts in Deutschland

Eine aktuelle Technavio-Studie schätzt die Entwicklung des Markts für Elektro-Motorräder äußerst positiv ein. So soll die jährliche Wachstumsrate für Hochleistungs-Elektromotorräder im Zeitraum 2017 bis 2021 bei rund 42 Prozent liegen und E-Motorräder damit zum festen Bestandteil des globalen Motorrad-Marktes machen. Grundlage der Untersuchung bildeten die Verkaufsprognosen der führenden Elektro-Motorrad-Hersteller im Premium-Segment: Zero Motorcycles, Energica Motor Company, Lightning Motorcycle und Sarolea. Weitere bekannte Anbieter auf dem Markt sind:

  • Alta Motors
  • Bell Custom Cycles (BCC)
  • KTM
  • Lito
  • Polaris Industries
  • Saietta Group
  • Emflux
  • Johammer e-mobility
  • Tork Motors
  • ZecOO

Das Thema Elektromobilität ist sowohl im Bereich Elektroautos als auch Elektro-Zweiräder auf dem Vormarsch. Dennoch schätzen die Befragten die Vorzüge von E-Rollern aktuell noch bedeutender ein als die von E-Motorrädern. Während  18,8 Prozent aller Befragten sich die Anschaffung eines E-Rollers vorstellen können, erwägen nur 14,3 Prozent, in naher Zukunft ein E-Motorrad ihr Eigen zu nennen. Ausschlaggebend für das Ergebnis der Befragung ist vor allem die höhere Alltagstauglichkeit von elektrisch angetriebenen Rollern. Wer dagegen (längere) Touren mit dem Motorrad fahren möchte, setzt nach wie vor auf leistungsstärkere Benzinmotoren (Quelle: Motorrad-Studie MPS/IfD-Allensbach 2017).

Bauarten von Elektromotorrädern

  • Cruiser-Elektromotorrad: Als Cruiser werden seit den 1990er-Jahren vor allem Serienmaschinen der Marken Harley-Davidson, Indian oder Henderson bezeichnet, die Designmerkmale von Maschinen aus den 1930er-Jahren aufweisen. Typische Merkmale sind etwa der lange Radstand, ein breiter Lenker sowie eine breite Bereifung, ein Motor mit großem Volumen sowie großflächige Kotflügel und ein verhältnismäßig weit vorn angebrachtes Trittbrett, aus dem eine relativ aufrechte Sitzhaltung resultiert.
  • Chopper-Elektromotorrad: Chopper ist die Bezeichnung für Motorräder, deren Optik stark verändert wurde. Zu den Stilmerkmalen eines Choppers gehören unter anderem eine lange, vergleichsweise flach angestellte Vorderradgabel, ein hoher Lenker sowie eine vorverlegte Fußrastenanlage.
  • Enduro-Elektromotorrad: Als Enduro-Maschinen werden Geländemotorräder mit Straßenzulassung bezeichnet, die geländegängige Merkmale wie ein grobstolliges Reifenprofil sowie lange Federwege aufweisen und für den Fahrbetrieb im Gelände als auch auf öffentlichen Straßen zugelassen sind.
  • Gelände-Elektromotorrad: Motorräder, die nicht für den Fahrbetrieb auf öffentlichen Straßen zugelassen sind, werden als Gelände- oder Offroad-Elektromotorrad bezeichnet.

Geschwindigkeit und Reichweite von Elektromotorrädern unterschiedlicher Hersteller

Je nach Modell und Hersteller variieren sowohl die Geschwindigkeit als auch die Reichweite von elektrisch angetriebenen Motorrädern. Folgende Übersicht gibt Informationen über die Leistungsfähigkeit und Geschwindigkeit der bekanntesten Motorräder mit Straßenzulassung auf dem europäischen Markt:

  • Zero Motorcycles Supermoto Zero S: Das erste Modell mit Straßenzulassung des Herstellers Zero kam 2009 auf den Markt und verfügt über eine Leistung von 23 kW und ein Drehmoment von 84,6 Nm. Die Zero S erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 100 km/h und hat eine Reichweite von bis zu 100 km.
  • BMW C evolution: Seit 2014 wird der zunächst in Kleinserie gebaute Elektro-Motorroller in Serie produziert.
  • Brammo Enertia/Enertia Plus: Das 13 kW starke Elektromotorrad des US-amerikanischen Herstellers Brammo schafft es mit einem Drehmoment von 40 Nm auf eine Höchstgeschwindigkeit von 95 km/h und mehr. Der Akku, der 2.000 Mal wiederaufgeladen werden kann, garantiert eine Reichweite von knapp 70 km pro Ladung. Das weitgehend baugleiche Modell Enertia Plus schafft es dank doppelter Akku-Kapazität auf eine Reichweite von bis zu 130 km.
  • Harley-Davidson LiveWire: Die Maschine, die 2014 als Konzeptmodell vorgestellt wurde, soll 2019 in Serie gehen. Mit einer Motorleistung von 55 kW und einem Drehmoment von 70 Nm erreicht das Versuchsmodell eine Reichweite von bis zu 85 km. Die E-Maschine, die in Deutschland ab Februar 2019 geordert werden kann, soll rund 26.000 Euro kosten. Zudem kündigte der Hersteller ein E-Motorrad-Modell in Anlehnung an die seit 1970 produzierte, klassische Rennmaschine XR750 für 2022 an.
  • Tarform Café Racer: Das E-Bike des amerikanisch-schwedischen Start-ups Tarform soll 2019 auf den Markt kommen und eine Reichweite von rund 145 km bringen. Die Besonderheit: Lenker und weitere Bauteile der Maschine werden wahrscheinlich im 3D-Drucker entstehen. Der Grundpreis liegt bei rund 15.700 Euro, die Auslieferung soll Ende 2019 beginnen.
  • Victory Empulse: Dieses E-Motorrad-Modell des US-Produzenten Polaris Industries gilt als Ableger des TTR Race Bikes. Eine Batterieleistung von 40 kW und ein Drehmoment von 63 Nm soll bis zu 160km/h an Höchstgeschwindigkeit gewährleisten. Die Reichweite des verbauten Lithium-Ionen-Akkus beträgt rund 160 km.
  • Energica Ego/Eva: Mit dem Ego-Modell präsentierte der italienische Hersteller CRP Technology 2014 das erste elektrische Superbike. Der Motor der Energica Ego erzeugt eine Leistung von 100 kW für Höchstgeschwindigkeiten bis zu 240 km/h. Die Energica Eva, das zweite Modell der Energica Motorcycle Company, ist ein sogenannter Streetfighter – ein serienmäßig verkleidungslos gebautes E-Motorrad mit stark motorisiertem Aussehen. Mit einer Leistung von 80 kW und einem Drehmoment von 170 Nm erreicht die Eva im Sport-Modus eine Höchstgeschwindigkeit von rund 200 km/h mit einer Reichweite von bis zu 200 km im Eco-Modus.
  • Emflux Motors One: Die Maschine des indischen Hersteller Emflux wurde auf der Delhi Auto Expo 2018 vorgestellt und ist ein echter Supersportler: Sie beschleunigt in nur drei Sekunden von 0 auf 100 und bringt es auf bis zu 200 km/h. Der Lithium-Ionen-Akku lädt in etwas mehr als einer halben Stunde auf bis zu 80 Prozent.
  • Johammer J1: Die futuristisch aussehende Maschine mit einer Reichweite von 150 beziehungsweise 200 km abhängig vom Modell ist laut ihres österreichischen Herstellers zu 100 Prozent recyclebar! Dank der Schnellladefunktion braucht die J1 150 nur etwa 80 Minuten zum Laden. Ihre Höchstgeschwindigkeit ist elektronisch auf 120 km/h begrenzt.
  • Yamaha TY-E: Die erste fahrbereite elektrische Yamaha ist ausschließlich als Rennmaschine, nicht aber für den Straßenverkehr zugelassen.
  • Honda stellte auf der Tokyo Motor Show 2017 das Assistenz-System Riding Assist-e vor, das erstmals in ein Elektro-Motorrad integriert wurde. Dieses Assistenz-System soll unter anderem vermeiden, dass das Motorrad bei niedrigen Geschwindigkeiten umfallen kann und das Fahren leichter und sicherer machen. Es handelt sich dabei jedoch lediglich um ein Ausstattungskonzept, nicht um ein eigenständiges E-Motorrad.

Elektromotorräder: Führerschein & Versicherung


Für das Fahren von E-Motorrädern gelten unterschiedliche Voraussetzungen in Bezug auf die vorhandene Führerscheinklasse in Abhängigkeit von Hubraum und Leistung der jeweiligen Maschine:

    • Für das Fahren eines E-Rollers oder E-Motorrads mit max. 125 ccm Hubraum wird mindestens die Führerschein-Klasse A1 benötigt.
    • Für die elektrisch motorisierte Zweirad-Klasse über 125 ccm bis maximal 35 kW wird mindestens der Führerschein A2 benötigt. Hier gelten die gleichen Vorschriften wie für Motorroller/Motorräder mit maximal 125 ccm Hubraum.
    • Für elektrische Motorroller und Motorräder über 125 ccm Hubraum wird mindestens Führerschein-Klasse A benötigt wird. Diese Klasse unterliegt keinerlei Beschränkungen in Leistung oder Hubraum.

Maschinen mit einer Drosselung der Leistungsfähigkeit dürfen auch von jüngeren Fahrern ab 16 Jahren gefahren werden, die einen Roller-Führerschein (Führerschein Klasse-AM) besitzen.

Wie hoch sind die Steuern für Elektromotorräder?

Wie auch Fahrer von Elektroautos profitieren ebenfalls Motorradfahrer, die auf eine elektrisch angetriebene Maschine umsteigen, von Steuervergünstigungen. Nach § 3d KraftStG sind auch Elektromotorräder für einen befristeten Zeitraum von der Kraftfahrzeugsteuer befreit. Die zu zahlende Kraftfahrzeugsteuer ermäßigt sich im Anschluss an den Befreiungszeitraum um ganze 50 Prozent im Vergleicht zu Maschinen mit klassischem Verbrennungsmotor.

Wie teuer ist die Versicherung für ein Elektromotorrad?

Wer eine Versicherung für ein elektrisches Motorrad abschließt, hat wie auch beim Auto die Wahl zwischen verschiedenen Versicherungsklassen, die im Schadensfall unterschiedliche Leistungen erbringen. Vor Abschluss einer Versicherung ist es ratsam, sich individuell über das jeweilige Leistungsspektrum einer Haftpflichtversicherung, Teilkaskoversicherung und der Vollkaskoversicherung für Motorräder zu informieren.

So werden E-Motorräder geladen

Die meisten E-Motorräder können sowohl unterwegs an öffentlichen Ladestationen als auch zuhause an der Steckdose aufgeladen werden. Viele Modelle verfügen über eine Schnellladetechnologie, die die reguläre Batterieladedauer von bis zu acht Stunden deutlich verkürzt.

Zum Aufladen sind bei den meisten E-Motorrädern keine zusätzlichen Ausstattungen oder Installationen nötig. Das Anstecken an die heimische Steckdose versorgt den Akku mit ausreichend viel Energie. Unsere Tipps für das richtige Laden des E-Bikes:

  • Lithium-Ionen-Akkus, auch Li-lon-Akkus genannt, verfügen über eine intelligente Ladeelektronik, die Überladung, Überhitzung oder Kurzschlüsse verhindert.
  • Ein vollständiges Entladen der Batterie vor der nächsten Aufladung ist nicht nötig. Der sogenannte Memory-Effekt, bei dem sich der Akku an den letzten Ladestand „erinnert“ und die Ladung erst ab diesem Punkt wieder aufnimmt, ist bei Akkus der neueren Generation nicht mehr vorhanden.
  • Anders als vielfach angenommen sollten Lithium-Ionen-Akkus nicht ständig entladen und wieder voll aufgeladen werden. Teilladungen sind kein Problem, regelmäßiges vollständiges Laden dagegen belastet die Elektroden sehr stark. Ideal ist ein Ladezustand zwischen 30 und 70 Prozent.