Die Gründung und die Geschichte des Zulieferers Automotive Lighting aus Reutlingen

Gegründet wurde Automotive Lighting erst 1999 als Joint Venture von Robert Bosch und Magneti Marelli. Die Geschichte beginnt allerdings schon sehr viel früher. Eigentlich mit der Erfindung der Glühbirne, aber das führt zu weit zurück. Deshalb ein kurzer Blick in die 1980er Jahre: Magneti Marelli stellte 1987 seine Lighting Group auf die Beine und erwarb 1988 Carello SPA. So legte Magneti Marelli den Grundstein für das spätere Joint Venture mit Bosch.

Die Geschichte des Unternehmens Automotive Lighting – vom Joint Venture zum Weltmarktführer

Automotive Lighting entstand 1999 als Joint Venture der Konzerne Magneti Marelli (Lighting Group) und der Robert Bosch GmbH (K2 Lichttechnik). Somit vereinte sich die Expertise zweier etablierter Marktführer in Lichttechnologie.

2001, nach der Akquisition des Rückleuchten Anbieters Seima Group (bestehend aus den Unternehmen Axo, Yorka und Seima italiana) durch Magneti Marelli, verringerte sich die Unternehmensbeteiligung der Robert Bosch GmbH auf 25% während die von Magneti Marelli auf 75% anstieg. Zwei Jahre später gingen die Unternehmensanteile ganzheitlich an Magneti Marelli.

Welche Gesellschafterwechsel gab es bei Automotive Lighting?

Zunächst hielten beide Unternehmen die Hälfte an Automotive Lighting. Im Jahr 2003 wurde Automotive Lighting dann aber zu einer 100%igen Tochter der Magneti Marelli Gruppe und gehört damit (noch) zu Fiat Chrysler Automotive. 8,2 Milliarden Euro Umsatz machte Magneti Marelli 2017 und beschäftigte 44.000 Mitarbeiter. Fiat Chrysler Automotive hat in der zweiten Jahreshälfte 2018 allerdings angekündigt, die Gruppe an Calsonic Kansei zu verkaufen.

Die Innovationen des Zulieferers auf dem Gebiet der externen Automobilbeleuchtung

In gleichen Jahr, 2003, implementierte Automotive Lighting das erste adaptive Heckleuchten-System mithilfe des automatischen Emergency Stop Signals (ESS) für den Peugeot 807. Des Weiteren stattete das Unternehmen die BMW Serien 3, 6 und X3 mit einer neuen, dynamischen Kurvenlicht-Technologie aus. Als weiteres Highlight des Jahres 2003 entwickelte Automotive Lighting die “AL-Box”, das weltweit erste, vollintegrierte Xenon ECU mit Schrittmotoren und einem intelligentem CAN-Bus Gateway für BMW und Mercedes-Benz Frontscheinwerfer.

Und auch das 2005 in der Mercedes-Benz S-Klasse als Weltneuheit gefeierten Kurvenlicht (AFS: Adaptive Frontlighting System) mit aktiven infrarot Sender wurde von Automotive Lighting entwickelt. Das Unternehmen unternahm in den Jahren 2005 und 2006 die ersten Schritte in Richtung Globalisierung; es akquirierte zum einen MAKO, einen türkischen Zulieferer für Außenbeleuchtung und eröffnete zum anderen eine Produktionsstätte in China.

Automotive Lighting entwickelte 2007 das erste LED Schlusslicht für den Jaguar XKR mit sechs Halbleitertechnologie-Funktionen. Im folgenden Jahr konnte das Unternehmen gemeinsam mit Audi erstmals Scheinwerfer für den Audi R8 vorstellen, die ausschließlich mit elektronischen Lichtquellen (LEDs) hergestellt wurden. Für diese Voll-LED-Technologie wurde Automotive Lighting 2008 mit dem Red Dot Award in der Kategorie Produktdesign ausgezeichnet.

2010 wurde Automotive Lighting für intelligente, high-performance Scheinwerfer ausgezeichnet, die sie im gleichen Jahr in Paris im Mercedes CLS vorgestellt hatten. Innovativ, denn die LED-Scheinwerfer gleichen die Lichtverteilung automatisch an und nutzen dafür elektrische, dynamische Antriebselemente, die sich an die Fahrsituation anpassen.

Bereits im Folgejahr die nächste Auszeichnung – der Red Dot Design Award für das “Intelligent Light System” (ILS) im Mercedes-Benz CLS der zweiten Generation. Anschließend an die Erfolge aus den letzten Jahren stellte Automotive Lighting 2013 den ersten Voll-LED-Scheinwerfer mit Active Night Vision (ANV) und Pulsed Marker Light (PML) vor. Des Weiteren startete Automotive Lighting in diesem Jahr mit der Serienproduktion einer Voll-LED-Schlussleuchte mit progressivem Blinklicht für die Audi R8 Serie.

2014 wurde dem Unternehmen offiziell das EU Eco Innovation Certificate verliehen. Die skalierbare Lichtlösung mit einem Stromverbrauch von 11 Watt wurde von der Europäischen Kommission als Ökoinnovation geehrt, da sie CO2-Ersparnisse von 1 g / km pro Fahrzeug ermögliche.

2016 stellte Automotive Lighting sein adaptives Voll-LED-Schlusslicht vor, das mit Funktionen wie der Anpassung an die Umgebungshelligkeit (ambient light adaptation), Notfall-Signalisierung (emergency signaling) und Kollisionswarnung (collision warning) für die Mercedes-Benz E-Klasse auf dem Markt brillierte.

Im Jahr 2018 begann Automotive Lighting eine limitierte Serienproduktion für die Mercedes-Benz Maybach Linie und entwickelte IDEAL-Scheinwerfer (Intelligent Digital Electronic Automotive Lighting) mit hochauflösender DLP-Technologie (Digital Light Processing) und intelligenten DMD-Einheiten (Digital Mirror Devices).

Welche Geschäftszweige gibt es bei Automotive Lighting?

Automotive Lighting repräsentiert einen von acht Geschäftszweigen der Marelli Gruppe. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz im schwäbischen Reutlingen. Unter anderem die Bereiche Forschung und Entwicklung, das Kompetenzzentrum sowie auch die Musterentwicklung und das Applikationszentrum sind dort angesiedelt. Automotive Lighting ist aber mittlerweile auch weltweit an 30 Standorten in 16 Ländern vertreten. Das Unternehmen selbst beschäftigt etwa 19.900 Mitarbeiter. Der Präsident ist Ermanno Ferrari, die Finanzen verantwortet Luca Stoppelli.

Welche Kunden bedient Automotive Lighting mit seiner Automobilbeleuchtung?

Automotive Lighting ist einer der Weltmarktführer auf dem Gebiet der externen Automobilbeleuchtung. Die Kundenliste des Scheinwerferentwicklers liest sich daher auch wie das Who’s who der Automobilbranche: Automotive Lighting arbeitet mit Daimler, BMW, Audi, VW, Nissan, Peugeot, Tesla samt deren zugehörigen Tochterunternehmen und vielen weiteren zusammen und liefert individuelle Front- und Rückleuchten. Automotive Lighting stellt sowohl Leuchten für den Massenmarkt wie auch für das Premiumsegment her. Einer der größten Erfolge des Unternehmens war die Einführung des Voll-LED-Scheinwerfers 2008 beim Audi R8. Dafür bekam Automotive Lighting auch den Red Dot Design Award in der Kategorie Produkt Design.

Auf welche Geschäftssegmente fokussiert der Zulieferer Automotive Lighting?

Automotive Lighting steht für i3: innovativ, intelligent und individuell. Damit ist auch schon das Kerngeschäft von Automotive Lighting gut beschrieben: die Entwicklung und Produktion von Front- und Rückleuchten – immer angepasst auf die verschiedenen Bedürfnisse des Kunden. Beispiele sind das blendfreie, segmentierte und dynamische Fernlicht, das intelligent und nahtlos für den Gegenverkehr oder voranfahrende Fahrzeuge abblendet, den restlichen Sichtbereich aber weiterhin entsprechend ausleuchtet. Ebenso gehören zu den Innovationen das Laser-Fernlicht oder ein neu entwickeltes IR Night Vision System. Hinzu kommt die Produktion von individuellen Kontrolleinheiten und Softwarepaketen, um jede Leuchte in jedem Automodell optimal ansteuern zu können – ganz gemäß der Vision „24 hours daylight“.

Hat Automotive Lighting in der jüngsten Vergangenheit neue Produkte entwickelt und arbeitet der Zulieferer mit Startups zusammen?

Seine neueste Rückleuchte hat Automotive Lighting übrigens für den Porsche Panamera entwickelt – als Voll-LED und im 3D-Look. Da Innovation ebenso wie Qualität bei Automotive Lighting ganz weit oben in der Unternehmensphilosophie steht, ist der Leuchtenhersteller auch in der Startup-Szene unterwegs. So wurde Automotive Lighting im Sommer 2018 Teil der Arena 2036 in Stuttgart.

Die Finanzielle Situation von Automotive Lighting

Automotive Lighting hat nach eigenen Angaben einen Jahresumsatz von ca. 3,5 Milliarden Euro. Dabei produziert das Unternehmen über 50 Millionen Leuchten pro Jahr.