Elektro-Busse: Ein Segen für die Stadt oder ein Fluch fürs Budget?

Wer jemals in einer Großstadt gelebt hat, kennt den alltäglichen Lärm eines anfahrenden Busses. Busse als Teil des öffentlichen Nahverkehrs sind essentiell für jede Großstadt: Ohne sie wären die Straßen, Parkplätze und Garagen noch stärker überlastet.

Doch auf der anderen Seite sind die lauten Dieselmotoren, die Deutschlands Busse bislang antreiben, umweltschädlich. Hohe Emissionen von Stickoxiden schaden nicht nur der Umwelt, sie verschlechtern auch die Luftqualität. Auf dem Land stellt das zwar ein etwas geringeres Problem dar. Die Bevölkerungsdichte ist niedrig und die Abgase verfliegen schnell. In der dicht besiedelten Großstadt sieht das anders aus. Ein Umdenken ist gefragt, denn bisher sind wenige 100 Busse, die vollelektrisch betrieben werden, auf deutschen Straßen unterwegs.

Elektrobusse: In China längst Alltag, auch in Deutschland die Zukunft?

Während in Deutschland bislang nur wenige Elektrobusse fahren, ist das leise Summen eines Elektromotors in China längst ein bekanntes Geräusch an der Bushaltestelle. Die Anzahl der Elektrobusse in China liegt im sechsstelligen Bereich und macht inzwischen 99 Prozent aller in der Welt gefahrenen elektrischen Busse aus.

Ein großes Problem stellen bislang die Kosten für die Anschaffung neuer E-Busse dar. Mit rund 750.000 Euro ist ein E-Bus in der Neuanschaffung mehr als doppelt so teuer wie ein entsprechendes Dieselfahrzeug mit neuesten Diesel Euro-VI-Motor.

Doch die deutschen Busanbieter wollen die Umrüstung aktiv angehen. Bei einer Anzahl von 40.000 Stadtbussen ist der Bedarf, die Flotte schnellstmöglich umzurüsten, hierzulande riesig. Den Anfang machen Großstädte wie Hamburg oder Berlin, in denen geplant ist, bis 2030 vollständig auf Batterie-betriebene Busse umzusatteln. Dafür hat die Bundesregierung über 90 Millionen Euro bereitgestellt, so dass sich die Anschaffungskosten für Elektrobusse nach relativ kurzer Zeit ausgleichen können. Beispielsweise können Betreiber beim Umweltministerium einen Zuschuss von bis zu 80 Prozent des Kaufpreises für den Erwerb von mehr als fünf elektrisch betriebenen Bussen beantragen. Die nachfolgenden Städte haben bereits Bestellungen aufgegeben:

  • Wiesbaden: 225 rein elektrische Busse
  • Nürnberg: 161 rein elektrische Busse
  • Darmstadt: 82 rein elektrische Busse

Mehr als 800 reine E-Busse sind inzwischen in Auftrag gegeben – und in vielen Städten und Landkreisen laufen Ausschreibungen. So reagieren deutsche Städte und Kommunen proaktiv auf die zunehmende Feinstaubbelastung und den Dieselskandal. Leider stellt sich der Modernisierung jedoch ein Problem in den Weg.

Das Dilemma mit den E-Bussen – Wer kann liefern?

Die Idee, auf E-Busse umzusteigen, ist wichtig und richtig. Allerdings sind Busse keine Produkte, die innerhalb von wenigen Tagen aus der nächsten Lagerhalle geliefert werden können. Gerade bei innovativen Fahrzeugen wie Elektrobussen muss der Kunde unter Umständen jahrelange Lieferzeiten einplanen. Doch damit nicht genug. Wo sollen die Busse überhaupt herkommen?

Denn obwohl Deutschland weltweit für seine Automobil-Herstellung bekannt ist, sind rein elektrisch betriebene Busse deutscher Marken noch eine Rarität auf dem Markt. Der batteriebetriebene Citaro E-Cell von Mercedes-Benz ist die einzige Alternative eines deutschen Autobauers, die derzeit auf dem Markt ist. Doch auch das Daimler-Modell ging erst Ende 2018 in Produktion. Daneben existiert als  Hersteller mit deutscher Beteiligung von E-Bussen: das deutsch-türkische Unternehmen Sileo. Sie ist die Tochterfirma der türkischen Bozankaya-Gruppe. Der Firmensitz befindet sich in Salzgitter, von wo seit 2014 Elektrobusse vom Band laufen, die in sechs deutschen Ballungsräumen im Einsatz sind.

So profitieren von den deutschen Bestellungen immer noch häufig ausländische Elektrobus-Hersteller wie die polnische Firma Solaris, das niederländische Unternehmen VDL oder das chinesische Unternehmen BYD (‚Build your Dreams‘). Die Chinesen unterhalten in Ungarn, England und Frankreich bereits drei europäische Werke in Betrieb. Nach eigenen Aussagen hat BYD in über 300 Städten mehr als 50.000 Elektrobusse in Betrieb und dürfte mit diesen Zahlen als unangefochtener Marktführer für elektrische Busse gelten.

Andere deutsche Bushersteller wie MAN stecken momentan noch in der Planung von e-Bussen in Serie. Gerade das Jahr 2019 wird zeigen, in wiefern die europäischen Hersteller aus den Teststadien mit ihren Kunden schnell lernen und dann ihre Elektrobusse in Serie bringen können.

E-Bus ist nicht gleich E-Bus

Historisch gesehen sind elektrisch betriebene Busse keine Neuheit. Bereits Ende des 20. Jahrhunderts wurden erste elektrische Busse präsentiert. Wie die meisten Züge waren diese Busse gebunden an eine Oberleitung, die den Bus mit Strom versorgte. Obwohl sich das Konzept in Deutschland nicht durchsetzt hat, sind Elektro-Busse mit Oberleitung in einigen Teilen Europas immer noch in Betrieb, so zum Beispiel in der Schweiz, Frankreich und in Schweden.

Die Busse, die in Deutschland Dieselfahrzeuge ersetzen sollen, sind jedoch nicht an eine Oberleitung gebunden, sondern batteriebetrieben. Allein Berlin möchte auch Oberleitungsbusse in die Flotte aufnehmen.

Doch die Oberleitung fixiert den Bus meist auf eine Strecke.  Vorteilhafter sind da meist die Modelle, die durch Akkus oder Brennstoffzellen betrieben werden. Solche Busse können auch Umleitungen in Kauf nehmen und am normalen Straßenverkehr teilnehmen – nur eben ohne die bislang gekannten Emissionen der Dieselfahrzeuge.

Wo werden E-Busse aufgeladen und wie hoch ist ihre Reichweite?

Bei Elektro-Autos stellt die oft nicht ausreichende Infrastruktur ein Problem dar. Für lange Reisen genügt die Reichweite meist nicht und Ladesäulen sind noch recht selten anzutreffen. Hier haben zumindest die Stadt-Busse einen Vorteil: sie sind meist in derselben Stadt oder zumindest in der gleichen Region unterwegs sind und können über Nacht auf den Ladehöfen der Mobilitätsanbieter aufgeladen werden. So genügt hier die Reichweite von um die 150 km bei entsprechend umsichtigem Brems- und Beschleunigungsverhalten der Fahrer. Zudem forschen namhafte Hersteller bereits zu E-Bussen mit leistungsstärkeren Akkus, die damit eine wesentlich höhere Reichweite erzielen.

Eine weitere Möglichkeit des Ladens von E-Bussen ist das kruzfristige Laden an bestimmten Zwischenstopps. So lassen sich beispielsweise an den jeweiligen Endhaltestellen Ladestationen errichten, an welchen die Elektrobusse für die Zeit bis zur Wiederaufnahme der Fahrt die Batterien aufladen können. Häufig reichen hier bereits 10-15 Minuten für ein Aufladen des E-Busses.

Elektro-Kleinbusse: Für die Beförderung weniger Personen

Nicht nur die großen Linienbusse werden langsam durch elektrische Alternativen ersetzt. So gibt es auch elektrische Kleinbusse, die inzwischen auf Buslinien fahren. Mit oft weniger als 10 m Länge bieten sie emissionsfreie Alternativen für Flughafenshuttles, Taxis und Ähnlichen.

Noch etwas kleiner sind die elektrischen Kleinbusse für private Benutzer. Der Nissan Elektrobus Evalia ist zu 100 Prozent elektrisch und bringt ganze 280 Kilometer Reichweite mit sich. Und wer emissionsfrei die 1960er-Jahre aufleben lassen möchte, der kann sich VWs neuen Elektro Bulli besorgen.

Die E-Revolution macht auch vor Bussen nicht Halt

Wie jedes andere elektrische Fahrzeug stehen auch Elektrobusse in Deutschland noch vor großen Herausforderungen. Dennoch zeichnet sich ein klarer Trend ab: Auch im öffentlichen Nahverkehr ist die Zukunft elektrisch. Während deutsche Städte auf ihre elektrischen Busse warten, entwickeln Hersteller mehr und mehr neue Technologien.

Die Deutsche Bahn testet zum Beispiel jetzt schon Elektro-Kleinbusse, die vollkommen autonom fahren. Fahrerlose Busse klingen heute zwar noch nach Zukunftsmusik, wurden aber bereits in vielen Ländern erfolgreich getestet. Hamburg beispielsweise möchte nach einer Testphase 2021 autonome Busse dauerhaft einsetzen.