Elektroautos in Fahrschulen: schlechte Idee oder wichtige Entwicklung?

Elektroautos in Fahrschulen: schlechte Idee oder wichtige Entwicklung?
Fahrschule Huber in meinem Heimatort Neusäß bei Augsburg – bald auch mit Elektroautos in der Fahrzeugflotte?

Die E-Mobilität hat in den letzten Jahren sehr viel Aufwind bekommen. Immer mehr Fahrzeughersteller steigen in die Elektromobilität ein und ergänzen ihre Fahrzeugpaletten durch Elektroautos. Es werden auch immer mehr Elektroautos gekauft – ganz vorne dabei die Renault ZOE als meistgekauftes Elektroauto Deutschlands.

Bei dieser Entwicklung ist es doch nur naheliegend, dass nicht nur Autofahrer und Autohersteller, sondern auch Fahranfänger, an dem Trend der E-Mobilität teilhaben. Elektroautos sind mit Vorwärts- und Rückwärtsgang leicht zu bedienen und mit ihrem leisen ‚Surren’ angenehm zu fahren. Dennoch findet man nicht viele Elektroautos in Fahrschulen.

Warum das so ist und wie die Lage in Deutschland ist berichten wir im Folgenden.

Elektroautos in Fahrschulen – warum nicht?

Die E-Mobilität bewegt sich wortwörtlich mit voller Kraft voraus – nur nicht in Fahrschulen. Dafür gibt es drei Hauptgründe.

Umstieg von Automatik- auf Schaltgetriebe

Elektrofahrzeuge sind nicht mit Schaltgetriebe sondern Automatikgetriebe ausgestattet. Fahranfänger können sich zwar entscheiden, einen Automatik-Führerschein zu machen, dürfen dann aber kein Fahrzeug mit Schaltgetriebe fahren.

Sollte man sich entscheiden, zusätzlich zu Automatik noch einen Führerschein für Schaltgetriebe zu machen, muss man eine zusätzliche 30-Minuten Prüfung bei TÜV oder Dekra ablegen. Aus diesem Grund entscheiden sich viele gegen einen Automatik-Führerschein und daher auch gegen Fahrstunden mit einem Elektroauto.

Fehlender Komfort und zu kleine Abmessungen

Der zweite Grund – wenn auch auf den ersten Blick etwas abwegig – ist fehlender Komfort und zu kleine Maße auf dem Rücksitz. Der Rücksitz ist der sogenannte ‚Arbeitsplatz’ der TÜV- oder Dekra-Prüfer. Ist dieser zu klein oder nicht komfortabel, ist das Fahrzeug für Prüfungsfahrten nicht zugelassen. Dabei handelt es sich um Maße wie Kniefreiheit und Sitzhöhe – Maße, die sich bei vielen Elektroautos als problematisch erweisen.

Oftmals zu hoher Preis und zu geringe Reichweite

Letztlich scheitert es oft an Preis und Reichweite. Viele Elektroautos sind teuer und bringen Probleme bezüglich der Reichweite mit sich. Gerade im Fahrschulgeschäft, wo das Auto oft den ganzen Tag genutzt wird, ist es wichtig, dass keine Sorgen bezüglich der Reichweite bestehen. Lange Ladepausen zwischen Fahrstunden wären sicher ärgerlich für viele Fahrlehrer, denn für sie ist jede verlorene Ladestunde direkt verlorener Umsatz mit einem Fahrschüler.

Gibt es Elektroautos, die sich als Fahrschulautos in Deutschland eignen?

An diesem Punkt stellt sich die Frage: Was ist die Lösung? Gibt es überhaupt Elektroautos, die den Vorgaben von TÜV und Dekra entsprechen?

Stand Juli 2019 gibt es drei Elektroautos, die den Vorgaben von TÜV und Dekra bezüglich des Komforts und der Maße entsprechen: das Modell S von Tesla, der Nissan Leaf Zero und der VW e-Golf. Selbst Deutschlands meist-gekauftes Elektroauto Renault ZOE scheidet damit aus!

Elektroautos in Fahrschulen: schlechte Idee oder wichtige Entwicklung?
Der Nissan Leaf
Bildrechte / Image rights: Nissan

Warum greifen Fahrschulen dann nicht häufiger zu einem dieser drei Modelle? Auch hierfür gibt es Gründe: der VW e-Golf kommt derzeit noch mit Problemen bezüglich Reichweite und seinen langen Lieferzeiten, und bei Tesla scheitert es für die Fahrlehrer oftmals am Preis.

Fahrschule Zöllner: Deutschlands größte Fahrschule fährt elektrisch mit dem VW e-Golf

Doch es gibt sie, die Fahrschulen mit Elektroautos. Zum Beispiel: die Fahrschule Zöllner, denn sie geht mit gutem Beispiel voran. In Deutschlands größter Fahrschule können Fahrschüler in dem VW e-Golf das Fahren lernen. Fahrschule Zöllner hat Standorte in Hannover, Berlin, Bielefeld, Detmold, Lemgo und Minden.

Der neue e-Golf hat eine Reichweite von bis zu 300km
Der VW e-Golf
Bildrechte / Image rights: Volkswagen

Doch auch hier gilt die Regel: wer mit einem E-Auto das Fahren lernt, ist nur auf ein Automatik-Fahrzeug zugelassen. Um ein Fahrzeug mit Schaltgetriebe fahren zu können, muss noch eine zusätzliche Prüfung abgelegt werden.

Auch in Stuttgart kann man bei der Fahrschule Academy Drive elektrisch fahren.

Unser Fazit zu Elektroautos in Fahrschulen

Für uns steht fest: Elektroautos gehören in Fahrschulen. Für Fahranfänger und die junge Generation ist es besonders wichtig, ein Bewusstsein für die E-Mobilität zu entwickeln. Außerdem weisen viele Fahrlehrer darauf hin, dass es einfacher ist, mit einem Elektroauto das Fahren zu lernen, da man sich ohne Schaltgetriebe anfangs nur auf das Fahren konzentrieren kann.

Sicherlich nicht ganz unwichtig ist für Fahranfänger auch das Erlernen des Ladens von Elektroautos und der Einsatz von Ladestationen, Ladekabel oder die Berechnung von Reichweiten. Wer die E-Mobilität zum Massenstandard machen möchte, der muss auch auf das Drum-Herum ein Auge haben und hierzu Ausbildung bieten.

Trotz alledem muss der Weg für E-Autos in Fahrschulen erst einmal geebnet werden. Für viele junge Leute ist es wichtig, das Fahren mit Schaltgetriebe zu lernen. Dafür eine zusätzliche Prüfung ablegen zu müssen, könnte einige von dem Elektro- und Automatik-Führerschein abschrecken.

Wir hoffen daher, dass sich noch etwas ändern wird bezüglich der von TÜV und Dekra auferlegten Vorschriften. Wenn mehrere Fahrschulen Elektroautos in ihre Fahrzeugpaletten integrieren, könnte das die Beliebtheit von E-Autos bei jungen Leuten steigern und daher den Stein für die E-Mobilität noch mehr ins Rollen bringen. Wir sind gespannt, was die Zukunft bringen wird!