Zwar konnte die Internationale Automobil Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main wie so viele andere Veranstaltungen des Jahres 2020 nicht stattfinden und auch die Tausenden Demonstrierenden vom letzten Jahr mussten Corona-bedingt daheim bleiben. Die Debatte über die Produktion von großen SUVs und CO2-emittierenden Fahrzeugen, die auch für die Verfehlung der Klimaziele verantwortlich gemacht werden, beschleunigt sich aber zusehends.

Auch die Fahrzeughersteller lassen sich nicht durch Kurzarbeit und Lockdowns davon abhalten nach den zahlreichen Ankündigungen der Vergangenheit tatsächlich vermehrt Hybrid- und E-Autos auf den Markt zu bringen. Der Wind scheint sich merklich gedreht zu haben. Nimmt nun auch der Druck auf die Politik weiter zu, die Evolution weg vom Verbrennungsmotor durch neue Gesetze und strengere Regulierung zu beschleunigen, um die Wähler nicht zu verärgern?

Die Bedeutung der Autoindustrie für das deutsche BIP ist gewaltig

Die schiere Anzahl der vielen unterschiedlichen Interessengruppen, Industrieverbänden, Gewerkschaften, Zulieferern, Dienstleistern, Umweltorganisationen machen es nicht ganz einfach für die Politik, eine eindeutige Linie zu verfolgen. Bis zu zwei Millionen (!) Menschen arbeiten direkt oder indirekt in der Autobranche in Deutschland. Für das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist die Autoindustrie sogar noch etwas wichtiger als für die Arbeitsplätze. Laut Statistischem Bundesamt trug die Autoindustrie im Jahr 2015 sogar 4,5 Prozent zum deutschen BIP bei. Fast jeder zwanzigste Euro Wertschöpfung in Deutschland kommt aus der Autoindustrie. Deshalb studieren Politiker aller Parteien die negativen Prognosen für die nächsten Jahre sehr aufmerksam.

Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung auf den Weg gebracht?

Werfen wir aber zunächst einen Blick auf ein paar nüchterne Zahlen und Ziele der Bundesregierung (Quelle: BMWi): Die Bundesregierung hatte 2010 das Ziel ausgegeben, dass bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren sollen. Im September 2018 stellt die von der Regierung eingesetzte Nationale Plattform Elektromobilität fest, dass angesichts des schleppenden Markthochlaufes das Ziel frühestens 2022 erreicht wird.

Seit Juli 2016 kann der Käufer eines E-Autos eine Subvention beantragen. Außerdem fördert die Bundesregierung auch E-Autos als Dienstwagen über eine Steuererleichterung in besonderem Maße.

Der Bund unterstützt zudem den Aufbau der Infrastruktur. Landesweit sollen rund 15.000 neue Ladesäulen entstehen, wobei die öffentliche Hand 300 Millionen Euro beisteuert.

In die Kategorie der Elektroautos zählen auch sogenannte Plug-in-Hybride, also Fahrzeuge mit einem Elektro- und einem Verbrennungsmotor, bei denen der Akku über einen Stecker geladen wird.

Auch Autos mit Brennstoffzellen fahren elektrisch. Der getankte Wasserstoff dient dazu, in der Brennstoffzelle Strom zu erzeugen, mit dem dann der Elektromotor im Auto betrieben wird. Erste Brennstoffzellenautos kommen von asiatischen Herstellern, aber das Netz von Wasserstofftankstellen ist bislang mit unter 100 Tankstellen dünn gesät.

Soweit klingen die Ziele und Maßnahmen recht einleuchtend, aber sind sie tatsächlich ambitioniert genug? Oder wäre ein groß angelegtes Infrastrukturprogramm für einen umfassenden, flächendeckenden Wandel hin zur Elektromobilität blanker Aktionismus im Konflikt zum Mantra der schwarzen Null – dem ausgeglichenen öffentlichen Haushalt, der ohne Neuverschuldung auskommt?

Die Vorstellungen gehen nicht nur nach Parteilinie stark auseinander, sondern widersprechen zudem noch innerhalb der Regierungskoalition. Ein Auszug:

 „Wann wird unsere Autoindustrie, die gut ist, endlich ein Auto auf den Markt bringen, das 50 Kilometer weiter als ein Tesla fährt und 10.000 Euro weniger kostet?“ – Peter Altmaier, Wirtschaftsminister, CDU

 „Der Umstieg zu E-Autos muss begleitet werden durch eine andere Mobilitätspolitik. Elektroautos mit hoher Speicherkapazität und eher geringen Einsätzen sind ökologisch fragwürdig. Deswegen ist es sinnvoll, E-Autos etwa als Taxis, Lieferwagen und Carsharing-Fahrzeuge besonders zu fördern. Und parallel den öffentlichen Personennahverkehr, die Bahn und den Radverkehr als Alternativen zum Auto massiv auszubauen.“ – Anton Hofreiter, Fraktionschef, Grüne

„Denn reine Elektromobilität ist angesichts von so viel Braunkohle, die für die Batterien benötigt werden, um sie zu laden, ökologisch schlechter als moderne Verbrennungsmotoren“. – Christian Lindner, Parteichef, FDP

„Ein Verbot des Verbrennungsmotors legt die Axt an die Wurzel unseres Wohlstands.“ – Horst Seehofer, Innenminister, CSU

Und was sagt die Kanzlerin selbst zum Ausbau der Elektromobilität in Deutschland? “Wir sind auf dem richtigen Pfad.”

Was denken die potentiellen Käufer von Elektroautos?

Sind sie grundsätzlich bereit für den Ausstieg weg vom Diesel oder Benziner hin zum Elektroauto. Allerdings ist es noch ein Weg zwischen Wunsch und Wirklichkeit, wie ein paar Zahlen aus einer repräsentativen Zeit Online-Umfrage belegen. Zwar können sich 60 Prozent der Deutschen grundsätzlich vorstellen, ein Elektroauto zu kaufen. Jeder Vierte sagt sogar: “auf jeden Fall”. Allerdings würde sich weiterhin jeder Achte für einen Diesel entscheiden. Inzwischen neigen aber mehr Menschen dieser Zeit Umfrage zufolge einem Hybrid-Fahrzeug (22 Prozent) oder einem reinen Elektroauto (15 Prozent) zu. Die beliebteste Antriebsart bleibt ein Benzinmotor: Fast jeder Dritte würde sich dafür entscheiden. Als Gründe gegen ein Elektroauto werden nach wie vor eine unzureichende Reichweite der Batterieladung genannt, sowie die scheinbar höheren Anschaffungskosten.

Hier ist also wieder die Politik mit sinnvollen Anreizen und die Industrie mit den innovativen Technologien gefragt. Als vorübergehendes Fazit lässt sich festhalten: Ohne ein konstruktives Zusammenarbeiten aller Akteure wird es bis zum Durchbruch der Elektromobilität länger dauern als wir – trotz einer globalen Pandemie mit ausbleibenden Veranstaltungen wie der IAA und Friday for Future-Demonstrierenden – Geduld haben könnten.

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