Im vergangenen Jahr war in der Welt der Elektromobilität viel Vor- und Auftrieb zu spüren. Man konnte an vielen Stellen und durch viele Aktionen bemerken, dass die eingesessenen Akteure die Zeichen der Zeit so langsam erkennen. Dennoch ist die E-Mobilitätsbranche überwiegend eine sehr junge Branche geblieben, mit frischen Gedanken neuen Ideen. Die Innovationskraft und die Pläne für die Zukunft und das Investitionskapital deuten oftmals auf einen Umbruch und das Erkennen von neuen Geschäftsmodellen hin. Doch was ist von 2019 zu erwarten? Meiner Ansicht nach gibt es da viele verschiedene Gebiete, von denen ich nun einige aufzählen kann.

Vereinfachung des Vorgangs an Ladestationen

Ein Elektrofahrzeug zu laden birgt leider noch immer viele Tücken. Es kann vorkommen, dass das Backend-System die App oder die Ladekarte nicht erkennt. Vielleicht wird auch die Kreditkarte nicht angenommen. Die Welt der Elektromobilität ist sich bewusst, dass hier nachgebessert werden muss und ein Konsortium um Hubject ist dabei diese Probleme ein für alle Mal zu lösen. Gemeint ist die Technologie Plug&Charge. Automatisierte Hintergrundprozesse ermöglichen es, dass der elektrische Fahrer nur noch das Fahrzeug mit der Ladestation verbinden muss. Die Authorisierung erfolgt automatisch, ebenso wie der Start des Ladevorgangs und die Abrechnung. Die Sicherheit wird dabei durch digitale Zertifikate gewährleistet, welche zwischen dem Fahrzeug (dem OEM), der Ladestation und dem Ladestromanbieter ausgetauscht werden, bzw. diese Zertifikate kommunizieren miteinander. Diese Vereinfachung an der Station wird sich auf positiv auf die Reichweitenangst auswirken, die Hintergrundprozesse den gesamten Vorgang stabilisieren und deutlich seltener eine andere Ladestation gesucht werden muss.

Für elektrische Fahrzeuge wir induktives Laden wird möglich

Bislang ist das Laden mit einem Ladekabel noch die Regel. Doch zumindest an nicht-öffentlichen Orten könnten wir spätestens mit dem Einzug von Plug&Charge zunehmend induktives Laden beobachten. Dann muss man nur noch über die Spule am Boden fahren und weg gehen. Verschiedene Akteure stehen hierfür in den Startlöchern und warten nur darauf vom Markt die verdiente Aufmerksamkeit zu erhalten.

Umbrüche bei Batterien

Die Problematiken der Batterieproduktion sind bekannt. Die Stichworte Kobalt ((Kinder)Arbeit in extrem gefährlichen Erdlöchern) und Lithium (Austrocknung des Grundwassers, Schwermetall in Flüssen) stehen stellvertretend auch für andere, problematische Materialien in den Batterien heutiger Elektrofahrzeuge. Die Forschung läuft auf Hochtouren. Inzwischen sind Zusammensetzungen von Batterien gefunden, die mit deutlich weniger oder sogar ohne Kobalt auskommen und dabei keinen Verlust der Leistung aufweisen. Auch Feststoffakkus sind immer wieder im Fokus der Medien. Teilweise werden problematische Stoffe auch durch weniger problematische Stoffe ersetzt. So könnte auch Schwefel in die Batterien Einzug halten. Doch noch sind diese Batterien nicht marktreif. 2019 werden wir vermutlich zwei bis drei Alternativen zur Lithium-Ionen-Batterie erleben, welche nahe der Serienreife kommen.

Gleichzeitig dürfte das Recycling der Batterien einen Durchbruch erleben, denn auch daran wird weltweit eifrig geforscht. Allerdings ist davon weniger zu hören, da Zukunftstechnologien, welche mit dem direkten Konsum einhergehen ein beliebteres Thema sind.

Einzug von E-Fahrzeugen Mietwagen und Carsharing

Die großen und kleineren Anbieter von Mietwagen scheinen mit der Zeit auf die Idee zu kommen, auch elektrische Fahrzeuge in ihren Flotten anzubieten. Noch sind diese eher wenig vertreten, aber sie scheinen aus dem Schatten der Verbrenner zu treten. Vermutlich werden 2019 etwa 20% der Mietwagenflotten elektrisch angeboten. Zunächst wird sich das, wie üblich, auf Flotten in großen Städten beschränken.

E-Fahrzeuge im Logistiksegment wurden als sinnvoll erkannt

Der Streetscooter war einer der Pioniere im Logistiksegment. UPS baut zunehmend die Verbrenner aus den Fahrzeugen aus und Elektromotoren ein. Die Lieferung auf der letzten Meile wird ebenfalls zunehmend elektrifiziert. Elektrisch zu fahren bedeutet in erster Linie, kein lauter Dieselmotor im Leerlauf. Das bedeutet, dass auch nachts Lieferungen in Wohngebieten möglich sind. Es ist davon auszugehen, dass diese Branche die Elektrifizierung weiter ausbaut, denn der tägliche Einsatzradius ist meist sehr gut kalkulierbar und die Fahrzeuge können sehr gut passend für die Anforderungen gekauft werden. Nicht zu vergessen ist die zunehmende Bedeutung von Lastenrädern für die letzte(n) Meile(n).

Elektrische Motorräder

Um elektrische Motorräder ist es größtenteils ruhiger geworden. Das hängt meiner Meinung nach in erster Linie damit zusammen, dass Motorräder sehr begrenzten Platz für die Batterien bieten. Reichweiten von ca. 200 km sind doch etwas wenig um damit unbeschwerte Tagestouren zu machen. 2019 dürfte in diesem Segment nicht viel zu erwarten sein. Sobald höhere Energiedichten in den Batterien möglich sind sollte jedoch auch diese Branche einen starken Schub erleben.

Was kann der Elektromobilität 2019 zum Durchbruch verhelfen?

Kann man von einem Durchbruch sprechen? Ist dieser nicht bereits geschehen? Die Elektromobilität hat es inzwischen aus den Nieschen der Blogs in das Fernsehen und in die TV-Werbung geschafft. Das macht sehr viele Menschen neugierig. Da ich in diesem Segment arbeite kommen auch Freunde und Bekannte auf mich zu und stellen mir Fragen zu der Thematik. Darunter sind auch solche, die von der Elektromobilität nicht viel halten – eigentlich. Allgemein ist diesen Gesprächen, dass extrem viel Halbwissen und Vorurteile verbreitet sind. Hinzu kommt die Unsicherheit was die aktuelle politische Situation angeht.

Die Branche der Elektromobilität geht steil nach oben, aber die Bevölkerung benötigt Aufklärung. Nüchtern betrachtet kann im Moment nur ein Elektroauto kaufen, wer sich durch sehr viele Informationen wühlt, die er sich selbst beschafft hat. Die Regierung, die Medien und auch die Hersteller selbst müssen aufklären. Das ist allerdings auch die Chance für kleine, aber sehr zukunftsfähige Unternehmen, wie Sono Motors, die mit dem Sion das erste sinnvolle Auto bauen, seit es Autos gibt.

Ein kleines Fazit

Vorbei ist die Zeit, da etwas mit einem Motor ein schlichtes Statussymbol war. Elektrisch betriebene Fahrzeuge kennen bislang nicht ausgeschöpfte Einsatzmöglichkeiten und die Welt hat bereits einen kleinen Wandel vollzogen. 2019 könnten wir einige Schritte in eine neue Art zu leben erleben. Denn es gibt noch einige Stichworte mehr, die ich nun ausgelassen habe, wie das autonome Fahren und die Vernetzung unterschiedlichster Technologien.