Elektrisches Carsharing sieht sich insbesondere in ländlichen Regionen immer großen Vorurteilen und auch realen Problematiken gegenüber. Doch es gibt auch erfolgreiche Beispiele, die zeigen, wie es gelingen kann. Das Angebot der Firma E-Wald ist ein solches Beispiel. Mit einem Fuhrpark von ca. 200 Fahrzeugen ist es mit Abstand das größte E-Carsharing in Deutschland mit dem Zielgebiet im ländlichen Raum.

Mögliche Probleme des Carsharing von Elektroautos im ländlichen Raum

Typische Problemstellungen sind, dass Elektrofahrzeuge im ländlichen Raum noch weitgehend selten sind, genau wie die Ladeinfrastruktur. Teilweise ist die Technik auch gänzlich unbekannt. Selbst Carsharing-Konzepte an sich sind gerne einmal unbekannt oder werden mit klassischen Autovermietungen verwechselt. Das liegt daran, dass in ländlichen Gegenden das eigene Auto oftmals unverzichtbar erscheint, da der ÖNPV meist schlecht ausgebaut und frequentiert ist. Zudem sind die Bewohner oftmals schon etwas älter und neue Technologien werden gerne mit einem gewissen Wohlfühl-Abstand betrachtet.

E-Wald Carsharing trotz potentieller Probleme sehr erfolgreich auf dem Land in Bayern

Die Firma E-Wald ist bisher im Osten Bayerns tätig. Sie entstand aus einem geförderten Forschungsprojekt heraus. Anfangs beschlossen sechs Landkreise gemeinsam ein Carsharing von Elektroautos zu Testzwecken zu errichten. Daraus entstand das heutige E-Carsharing-Angebot mit ca. 200 Elektrofahrzeugen. Die sechs Landkreise sind auch das heutige Kerngeschäft. Man wollte in Erfahrung bringen, welche Nutzerbasis vorhanden ist. Der Osten Bayerns ist sehr touristisch geprägt, der Westen weniger. In dem großen Fuhrpark ist jedes Elektrofahrzeug vertreten. Daraus lassen sich Erkenntnisse gewinnen, welches Fahrzeug für welche Strecken und Zwecke und von welcher Nutzergruppe wie oft gebucht wird. Daraus kann man auf die Vorlieben der Kunden schließen und künftige Anschaffungen ableiten.

Wie funktioniert E-Wald Carsharing?

Eine Reichweite von 100-120 km sieht man bei E-Wald als überwiegend ausreichend an. Die meisten Menschen integrieren die Fahrzeuge in den Alltag und gehen damit einkaufen oder fahren in die nächste Stadt. Längere Ausflüge sind eher selten die Ausnahme. Je größer die Reichweite der Fahrzeuge, desto teurer sind diese in der Anschaffung. Das wären quasi unnötige Investitionen. Zudem müssen passende Ladesäulen entsprechend der maximalen Reichweite verfügbar sein. Mit zunehmender Reichweite wird zudem die Logistik aufwendiger. Es müssen permanent an jedem Standort genügend Fahrzeuge für alle Kundenwünsche verfügbar sein. Längere Ladezeiten bedeuten auch für längere Zeit blockierte Fahrzeuge und Ladestationen. An den Ladepunkten ist immer ein Parkplatz gewährleistet, was ebenfalls einen gewissen organisatorischen Aufwand bedeutet. Ein Ladepunkt ist immer für die Ladung Dritter reserviert. Das dient der Ko-Finanzierung der Ladesäulen. Die Bezahlung ist via Prepaid, Verbundverträgen oder Kreditkarte, bzw. PayPal an der Ladesäule möglich.

Strategie: die noch unbekannte Technologie der Elektrofahrzeuge bekannt machen

Wie bereits angesprochen ist die Technologie der Elektroautos, bzw. das Konzept des (E-)Carsharings eher eine unbekannte Größe im ländlichen Raum. Die Möglichkeiten, das Auto mit einer Karte zu öffnen und der Schlüssel ist im Handschuhfach, ist weitgehend unbekannt, ebenso wie die günstigen Preise des (E-)Carsharing. Die einfache Handhabung von Elektrofahrzeugen und der Ladevorgang sind ebenfalls weitgehend unbekannt. Wenn man die Menschen jedoch in die Technologie einweist und gezielt anspricht, dann integrieren insbesondere ältere Menschen das E-Carsharing zu festen Zeiten an festen Tagen in den Alltag und es ersetzt häufig das eigene Auto.

Was die Zukunft für E-Carsharing auf dem Land noch bringen könnte

Bislang ist das Geschäftsmodell stationsbasiert. Free-Floating wird in den kommenden Jahren getestet. Das Problem damit ist, dass der logistische Aufwand um ein Vielfaches größer wird, denn die Fahrzeuge müssen bei diesem Konzept immer wieder auf die einzelnen, firmeneigenen Standorte verteilt werden. In Kombination dazu sind Tests für das gesteuerte Laden geplant. Allerdings ist dazu die Mitarbeit des Kunden nötig. Denn dieser muss das Fahrzeug an Ladesäulen abgeben, die zu einer gewissen Zeit frei sind. Der Sinn des gesteuerten Ladens ist es, die Fahrzeuge dann zu laden, wenn viel Strom aus erneuerbaren Quellen zur Verfügung steht oder der Strom besonders günstig ist. Gleichzeitig müssen jedoch permanent möglichst viele Fahrzeuge verfügbar sein.

 

Bildquelle: E-Wald

Kleines Update zu E-Wald:

Statkraft, Europas größter Produzent von erneuerbaren Energien, und die bayerische E-WALD GmbH, der deutsche Anbieter von öffentlichen und privaten Elektromobilitätssystemen, gaben bekannt, dass Statkraft 100% der Anteile an E-WALD übernommen hat. Der E-Mobility-Spezialist E-WALD GmbH betreibt rund 300 Ladestationen und bietet Unternehmen und Kommunen Dienstleistungen rund um eCarsharing, Flottenmanagement und den Betrieb der Ladeinfrastruktur für Elektroautos. Die Übernahme von E-WALD stärkt die Position von Statkraft im Bereich der Elektromobilität in Deutschland und ergänzt die letztjährige Investition in eeMobility, einen Anbieter von Ladelösungen für Firmenflotten.