Während wir hier in Deutschland von der nächsten großen Finanzierungsrunde in ein E-Scooter Startup hören, da sind die amerikanischen Kollegen bereits einen Schritt weiter. Portland ist mit ca. 650.000 Einwohnern die größte Stadt im Staat Oregon und liegt an den Flüssen Columbia und Willamette im Schatten des schneebedeckten Mount Hood. Das Portland Bureau of Transportation (PBOT) führte hier vom 23. Juli bis 20. November 2018 ein viermonatiges Pilotprojekt für Shared Electric Scooters durch. Für diese Tests waren die drei großen Anbieter von E-Scooter Sharing Diensten Lime, Bird und Skip zugelassen.

Welchen Beitrag leisten die E-Scooter als moderne Transportmittel im innerstädtischen Verkehr?

Das Pilotprojekt half den PBOT-Mitarbeitern festzustellen, ob Shared Electric Scooters zu den Zielen Mobilität, Gerechtigkeit, Sicherheit und Klimaschutz der Stadt beitragen. Der Hintergrund für diese Studie war die durchaus berechtigte Sorge der Verantwortlichen in Portland, dass ihre Stadt, wie andere Städte zuvor, einer Flut von ungebetenen E-Scootern auf ihren Straßen ausgesetzt sein könnten. Diese Studie ist eine der ersten, bei der Erkenntnisse darüber gesammelt wurden, wie E-Scooter effektiv und ohne Nachteile in das Verkehrsnetz einer Stadt integriert werden können. Und es ist weltweit eine der ersten Studien, deren Ergebnisse danach offen diskutiert werden.

Gute Nachrichten für die Anbieter von E-Scooter Sharing Dienstleistungen

Eines vorweg: Die Ergebnisse der viermonatigen Studie können wahrscheinlich als gute Nachrichten für die Anbieter der Elektro-Tretroller Services angesehen werden. Basis dieser Aussage waren gut 700.000 gebuchte Touren während des Versuchszeitraumes. Insgesamt wurden 801.887 Meilen auf 2.043 eingesetzten Elektroscootern zurückgelegt. 34% der Einwohner Portlands und 48% der Besucher der Stadt benutzten einen Scooter anstelle eines eigenen Fahrzeugs oder einer App für die Nutzung von Ridesharing Diensten, Taxis oder Mitfahrdiensten wie UBER und Lyft.

“Der E-Scooter-Pilot zeigte das Potenzial eines kleinen, leichten, elektrischen, gemeinsam genutzten Fahrzeugs, um Menschen schnell und einfach zu bewegen, ohne den Portland-Verkehr zu erhöhen”, sagte ein Vertreter des Portland Bureau of Transportation in einem Statement. „… gleichzeitig zeigte der Pilot mehrere Bereiche auf, in denen mehr Arbeit erforderlich ist, um E-Scooter sicher und reibungslos in das Gefüge unserer Stadt zu integrieren”.

Zunächst die guten Nachrichten aus Sicht der Infrastruktur. Portland verfügt über ein größeres Radwegenetz als die meisten anderen amerikanischen Städte, wobei in den kommenden Monaten weitere geschützte Wege geplant sind. Das wird wahrscheinlich eine willkommene Nachricht für Scooter-Anbieter sein. Freuen darüber wird sich auch der Bike-Sharing Anbieter Lyft. Das Unternehmen ist der große Bike-Sharing Anbieter von Portland.  Lyft hat sich in den vergangenen Monaten wiederholt für mehr Sicherheit auf den Straßen durch den Ausbau der Infrastruktur wie Fahrradwegen und klarer gekennzeichneten Kreuzungen eingesetzt.

Das große Problem mit den E-Scootern aus Sicht der Stadtverwaltung in Portland: eine Transportgerechtigkeit für alle Bewohner der Stadt

Aber die Studie zeigt ein Problem auf, dass es in den Städten zu lösen gilt. Es gibt scheinbar keine sogenannte Transportgerechtigkeit, quasi eine gleiche Chance für alle Bewohner und Besucher der Stadt, einen solchen E-Scooter fahren zu dürfen. Trotz der Verpflichtung der Betreiber, mindestens 100 Roller in dem weniger wohlhabenden Stadtteil East Portland zu positionieren und ermäßigte Tarife für einkommensschwache Bewohner anzubieten, nahmen nur 43 der dortigen Einwohner an den Angeboten teil. “Während viele East Portlanders und Black Portlanders ihre Begeisterung für E-Scooter zum Ausdruck brachten, äußerten einige Teilnehmer der Fokusgruppe auch ein allgemeines Interesse an der Verkehrssicherheit und dem Risiko, dass schwarze E-Scooter-Fahrer für rassistische Profilerstellung und Belästigung ins Visier genommen würden,“ so die Ergebnisse der Studie. Die drei Anbieter wiesen diese Anschuldigungen mit der Aussage zurück, dass die E-Scooter Nachfrage nicht von Hautfarbe oder Einkommensverhältnissen abhängig sei.

Ein zweites Pilotprojekt mit E-Scooter Tests startet in diesem Frühjahr in Portland

Basierend auf den Ergebnissen wird Portland in diesem Jahr ein zweites Pilotprojekt durchführen, um weitere Daten zu sammeln und innovative Lösungen für einige spezifische Fälle von Regelverstößen zu testen. Die Umfrage ergab, dass Scooter in Portland Parks als Verkehrsmittel nicht erlaubt sind, aber zwei Drittel der Mitfahrer diese Regel für die Parks nicht kannten. Dies “stellte eine große Herausforderung für die Sicherheit in diesen Parks dar”, so die Stadt. Die elektrischen Scooter werden im Frühjahr wieder verfügbar sein. Hier wird sich die Stadtverwaltung besonders darauf konzentrieren, allen Bewohnern und Besuchern einen gerechten Zugang zu gewährleisten.

Die amerikanischen E-Scooter Anbieter arbeiten eng mit der Stadt Portland zusammen

Durchaus euphorisch lesen sich die Statements der drei Anbieter der E-Scooter in Portland. “Die Veröffentlichung des heutigen Berichts von PBOT bestätigt Lime’s eigene Erfahrung hier in Portland: dass E-Scooter für Einheimische und Besucher gleichermaßen dazu beitrugen, das Verhalten von Pendlern zu verändern” Eine große Anzahl von Autofahrten lassen sich somit ersetzen. Sich in der Stadt freier und kostengünstiger zu bewegen, das seien klare Ergebnisse der Studie, so Jeremy Nelson, General Manager des Unternehmens Lime in Oregon.

Die Nachricht der Woche hierzu aus Deutschland: 55 Millionen Euro für einen weiteren deutschen E-Scooter Sharing Anbieter aus Berlin

Apropos E-Scooter Anbieter in Deutschland: das nächste E-Scooter Startup aus Deutschland heißt Flash und verkündete Ende der vergangenen Woche eine Finanzspritze in Höhe von 55 Millionen Euro für seinen Angriff im Markt der Fahrzeuge für die letzte Meile. Diese Finanzierung des Berliner E-Scooter Startups Flash erfolgte innerhalb seiner ersten Finanzierungsrunde. Mit Lukasz Gadowski steht ein Mehrfachgründer in den Startlöchern, er baute zuvor Delivery Hero und Spreadshirt mit jeweiligen Teams auf.