Seit heute morgen gehört auch die Fuggerstadt Augsburg zu den Städten in Deutschland, in denen E-Scooter Sharing angeboten wird. Das schwedische E-Scooter Startup VOI bringt seine elektrischen Tretroller nach Augsburg. Diese Nachricht ist für die Bewohner in Berlin, Hamburg oder Düsseldorf vielleicht nicht die Nachricht des Tages. Doch halt: der Launch der elektrischen Zweiräder in einer Stadt der Größe von Augsburg birgt tatsächlich Interessantes – schauen wir mal genauer hin.

Willkommen in Augsburg ihr Schweden!

Der aus meiner Sicht vielleicht wichtigste Grund ist meine persönliche Leidenschaft für E-Scooter und die Tatsache, dass ich selbst unter der Woche häufig in Augsburg anzutreffen bin. Hier produzieren wir den eMobilität der Blog, hier betreue ich einige der jungen Startups und Unternehmen aus dem Mobility Segment. Ist doch klar, dass ich mich darüber freue, wenn auch die Augsburger nun an dem Fahrspass der elektrischen Tretroller teilhaben dürfen.

VOI startet heute in drei kleineren Städten – geht doch!

Die Nachricht, dass VOI aus Skandinavien nun auch in Augsburg launcht, hat aber noch weitere Facetten. So ist in den vergangenen Wochen vielfach darüber spekuliert worden, ob die großen europäischen Sharing Anbieter wie eben VOI, TIER, Circ, Wind oder auch die amerikanischen Mobility Riesen Bird und Lime sich im Rahmen ihrer Expansionsstrategien nicht eher auf die Großstädte konzentrieren.

Lieber in Berlin, Mailand und Madrid lancieren, als in den Städten unter 300.000 Einwohnern. Meinen Erfahrungsbericht zur Fahrt mit den E-Scootern in Berlin hatte ich ja ebenfalls in dieser Woche gebracht. In der Hauptstadt sind sie (fast) alle präsent, die Mobility Startups mit ihren elektrischen Tretrollern.

Mein persönlicher Erfahrungsbericht mit E-Scooter Sharing in Berlin

Pustekuchen – heute zum Frühstück erhalte ich ein E-Mail von VOI mit eben der Ankündigung des Launches in fünf deutschen Städten. Neben Hamburg und München geht es heute in Augsburg, Erfurt und Lübeck los. Bang! Alleine der Slogan für Augsburg lässt ein bisschen zu wünschen übrig:

VOI launch in Augsburg – screenshot aus dem E-Mail des E-Scooter Sharing Anbieters

Lübecker Marzipan, das geht aus meiner Sicht. Doch “Brezel hoch, Augsburg!” – nun gut, ich denke da ist in der Übersetzung aus Schweden bestimmt irgendetwas schief gelaufen.

Nachdem also Bird in Bamberg vor einigen Wochen eine kleine Anzahl an elektrischen Scootern testen durfte, da lancieren die Anbieter nun in den kleineren Städten ihre Fahrzeuge. VOI in Augsburg, Erfurt und Lübeck. Der Anbieter TIER in Bonn, Münster und Kiel. Der Anbieter Circ kündigte schon mal den Launch in 30 deutschen Städten an.

Das Geschäftsgebiet für VOI E-Scooter in Augsburg

Doch wie sieht das Geschäftsgebiet von VOI in Augsburg konkret aus? In Berlin hatte ich noch kritisiert, dass die freigeschalteten Gebiete der Anbieter sich zu sehr auf Mitte und die dortigen Sehenswürdigkeiten konzentrieren. Ein Blick auf die VOI Karte für Augsburg zeigt folgendes:

Das befahrbare Gebiet von VOI in Augsburg

VOI konzentriert sich bei seinem Launch zunächst einmal auf den Stadtkern, die Altstadt, Citygalerie und die Hochschule Augsburg. ‘Das Pendeln zur Arbeit und Uni …’ heißt es ja in dem E-Mail von heute morgen. Nun, ich stelle fest: die Hochschule ist erreichbar, die Uni Augsburg hingegen ist im VOI Gebiet nicht drin. Dort wird man die VOI E-Scooter nicht abstellen können. Eine Konstellation in Augsburg, die für die Anbieter in Deutschland nicht untypisch sein dürfte. Ein etwas entfernter liegender Campus ist halt schwer in eine Kern-Fahr-Region einer Stadt integrierbar.

Es fällt weiterhin auf, dass der Augsburger Innovationspark und der aiti-Park am Sigma Technopark nicht im VOI Gebiet enthalten sind. Gerade hier finden wir viele junge Gründer, die sicherlich häufig einen E-Scooter nutzen könnten. Kleiner Hinweis @VOI – da würde ich nochmals drüber nachdenken 🙂

Die rote Fläche auf der Karte ist ein No-Go für die E-Scooter

Die rote Fläche in der Mitte stellt die Fussgängerzone rund um den Rathausplatz dar. Dort können die E-Scooter weder abgestellt werden, noch werden sie in diesen stark frequentierten Fusswegen fahren dürfen. Das ist vollkommen ok, das Gesetz lässt in Deutschland ja die Fahrten auf Bürgersteig und in Fussgängerzonen nicht zu.

Es wird interessant sein zu sehen, wie sich die Nutzung der E-Scooter in Augsburg entwickelt. Das sind ja gerade aus Sicht der VOI, Circ & Co. unglaublich wichtige Erkenntnisse. Fahrtdauer, Verbrauch der E-Scooter selbst, Standzeiten, alle diese Dinge gilt es jetzt für VOI hier in Augsburg zu optimieren. Und klar ist auch: die Topographie der Stadt mit den vielen Pflastersteinen ist für die kleinen Reifen der E-Scooter nicht optimal. Ich bin gespannt.

E-Scooter als Spaßmobil für die vielen neuen Touristen

Wie bereits mehrfach geschildert, sind die E-Scooter ja perfekte Fahrzeuge für die Touristen, die in die Städte strömen. Hiermit kann die Stadt mit größerer Reichweite und viel Spaß erkundet werden. Insofern beglückwünsche ich VOI zu seinem Startzeitpunkt.

In den nächsten Stunden erhofft sich Augsburg den Zuschlag zum UNESCO Weltkulturerbe. Die Wasserversorgung von Augsburg ist seit 800 Jahren durchgehend dokumentiert, die Bewerbung zur Einschreibung auf die Welterbeliste wird (hoffentlich) positiv beschieden. Da bringen wir einen update sobald etwas passiert.

Die Konsequenz: die Fuggerstadt Augsburg erwartet zusätzlich Millionen an Touristen, Fachtagungen werden zum Thema Wasser hier stattfinden, kurzum: die Nachfrage nach Bewegung in der Stadt wird stark zunehmen. Wie gut, dass mit den E-Scootern die letzte Meile in der Stadt zügig zurückgelegt werden kann.

Hier noch ein paar erste Eindrücke von heute morgen:

 

Vielen Dank Ray Seibold für die Bilder vom Augsburger Rathausplatz.