Vor wenigen Tagen haben wir ein Gespräch mit Nils Roßmeisl vom Mobility Startup Drivy geführt. Drivy ist nach eigenen Angaben Europas größte Carsharing Community von privaten und gewerblichen Autobesitzern aus der Nachbarschaft. Jeweils für ein paar Stunden, oder auch Tage können hier kleine Stadtautos, Kombifahrzeuge oder Transporter gemietet werden.

Hallo Nils, kannst du uns bitte zunächst ein paar Worte zu dir selbst sagen?

“Ich bin Nils – Country Manager Deutschland/Österreich für Drivy, Auto-Enthusiast und zugleich leidenschaftlicher Carsharer.”

Wie seid ihr auf die Idee von Drivy gekommen?

“Unser CEO Paulin Dementhon gründete Drivy Anfang 2010. Drei Familien in seiner Nachbarschaft in Marseille teilten sich ein Auto und dessen Kosten mithilfe eines Excel Sheets. Vor dem Hintergrund, dass in Europa 300 Millionen Autos mehr als 23 Stunden am Tag ungenutzt herum stehen, entwickelte Paulin die Vision einer Plattform auf der Autos möglichst einfach miteinander geteilt werden können.”

Wie funktioniert Drivy?

“Drivy ist Europas größter Carsharing Marktplatz, das heißt private und gewerbliche Autobesitzer können ihre Fahrzeuge mit 2,5 Millionen Drivy Nutzern in sechs Ländern teilen. Unsere Drivy Open Box ermöglicht das Öffnen der Autos mit dem Smartphone, bietet dem Fahrer mehr Flexibilität und spart dem Autobesitzer wertvolle Zeit. Außerhalb von Großstädten, für ältere Fahrzeuge oder für Autobesitzer, die nur gelegentlich auf Drivy vermieten, bieten wir zudem die Vermietung via persönlicher Schlüsselübergabe an.

Während bei einer Drivy Vermietung mit persönlicher Schlüsselübergabe Führerschein und Personalausweis vor Ort überprüft werden, findet bei allen Drivy Open Nutzern eine einmalige online Verifizierung statt. Anschließend wird das Auto mit der Drivy App geöffnet und nach der Anmietung wieder verschlossen. In Berlin sind inzwischen 500 Fahrzeuge mit der Open Box ausgestattet, somit erreicht jeder innerhalb des Berliner Rings ein Drivy in etwa 5 Gehminuten.”

Wie kann ich denn als Autobesitzer bei Drivy aktiv werden?

“Jeder Besitzer eines Autos, das jünger als 15 Jahre ist und weniger als 200.000 Kilometer gefahren ist, kann auf Drivy aktiv werden. Autobesitzer in Berlin, Hamburg, München und Köln deren Auto jünger als 8 Jahre und weniger als 100.000 Kilometer gefahren ist, können sich auf unser Drivy Open Programm bewerben.”

Was kostet Drivy bzw. was bringt mir Drivy ein?

“Eine Fahrt mit Drivy ist im Schnitt 2,75 Tage lang und kostet 100 Euro.”

Was passiert bei einem Unfall, bin ich versichert?

“Alle Fahrten mit Drivy sind umfassend durch die Allianz Versicherung versichert.”

In welchen Städten gibt es Drivy und was habt ihr in diesem Jahr geplant?

“Drivy kann deutschlandweit genutzt werden. Im letzten Jahr haben wir uns sehr stark auf den Ausbau von Drivy Open Flotten in Berlin konzentriert, wo wir inzwischen 500 Drivy Open Fahrzeuge über die Plattform anbieten. Dieses Jahr wird der Fokus auf dem Drivy Open Flotten-Ausbau in München und Hamburg liegen.”

Habt ihr interessante Stories von euren Kunden gehört? Wie werden die drivy Fahrzeuge denn genutzt?

“Besonders beeindruckt hat uns die Geschichte von unserem Berliner Autobesitzer Stephan, er engagiert sich sehr für Geflüchtete. Mit den Drivy Einnahmen finanziert er seinen 9-Sitzer Opel Vivaro, mit dem er ehrenamtlich Gruppenfahrten zum Deutschkurs oder zum Arzt anbietet.”

Gibt es Elektrofahrzeuge in eurem Carsharing – Portfolio?

“Ja, es gibt bereits Elektrofahrzeuge auf Drivy. Allerdings ist der Anteil noch überschaubar. Aktuell arbeiten wir an Produktverbesserungen, um E-Autos prominenter zu integrieren. Im Rahmen der European Mobility Week haben wir beispielsweise E-Autobesitzern in Deutschland für sechs Monate die Drivy Kommission geschenkt.”

Kannst Du uns ein paar Zahlen zu eurem bisherigen Erfolg mitteilen?

“An vier Standorten in Paris, London, Barcelona und Berlin arbeiten 140 Mitarbeiter für Drivy. In Europa teilen sich 2,5 Millionen Drivy Nutzer über 50.000 verfügbare Fahrzeuge. In Deutschland zählen wir über 250.000 Nutzer und über 6.000 aktive Fahrzeuge. Der Anteil an Elektrofahrzeugen liegt aktuell noch unter 5 Prozent.”

Unser Fazit zu diesem Interview mit Nils, dem Country Manager Deutschland und Österreich der Carsharing Community Drivy

Nun, an dem Anteil der Elektroautos im verfügbaren Bestand läßt sich bestimmt arbeiten. Bei einer derzeitigen Quote der Elektrofahrzeuge in Deutschland von ca. 1% unter den Neuanmeldungen, finden wir die verfügbaren 5% jedoch gar nicht so schlecht. Scheinbar sind die Fahrer von Elektroautos aufgeschlossener wenn es um die Nutzung neuer Mobility Konzepte geht.

Nils, wir danken dir sehr für dieses Gespräch und wünschen weiterhin viel Erfolg mit eurem Mobility Startup Drivy.