Der perfekte Weg zur Arbeit – KI gestützt

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Der perfekte Weg zur Arbeit – KI gestützt
Quellen: VVS (oberes Bild), Sabrina Pfeifer (Bilder unten)

In der Früh nach Stuttgart zu fahren, ist kein Vergnügen. Egal, aus welcher Himmelsrichtung. Kilometerlang Stau und Stop-and-Go: im Kappelbergtunnel, Heslacher Tunnel, auf der B10, am Pragsattel. Die Blechlawine rollt jeden Morgen stadteinwärts – oder halt auch nicht. Aus 20 Minuten Fahrtzeit werden 60 Minuten. Die Laune ist noch vor Arbeitsantritt im Keller. Was aber, wenn einem eine KI-basierte App nun schon am Frühstückstisch sagen würde, mit welchem Verkehrsmittel man heute am schnellsten und bequemsten zum Arbeitsplatz kommt? Genau an solch einem Konzept arbeitet IT-Berater Marcus Willand bei der Porsche-Tochter MHP – und hat es der Stadt Stuttgart bereits vorgeschlagen.

Was steckt dahinter?

Der erste Feinstaub-Alarm in der Saison 2018/2019, der am  Montag, 15.10, startete, brachte erstmal so gar nichts. Die Werte lagen wohl sogar noch höher als am Tag zuvor. Vom freiwilligen Umstieg auf Bus und Bahn nichts zu spüren, der Individualverkehr so hoch wie eh und je. Gegen die eigene Flexibilität kommt auch das vergünstigte Feinstaub-Ticket nicht an. Wie Marcus Wieland mir auf dem new.New Festival erzählt, brachte dieses Ticket auch in der letzten Feinstaubalarm-Saison nur sehr wenige dazu umzusteigen.

Eine App, viele In-App-Apps

Willands Idee baut nun auf dem Grundsatz der freien Entscheidung auf. Die KI-basierte App, die er sich vorstellt, gibt eine Empfehlung ab, wie der User am schnellsten und bequemsten zur Arbeit kommt. Aber das eigene Auto ist immer noch Teil der Entscheidungsmöglichkeiten. Voraussetzung für die Berechnung der optimalen Route ist der Zugang der KI zu allen Verkehrsdaten Stuttgarts – ähnlich wie bei Google. Nur soll es hier noch weiter gehen. Diese eine App soll alle Stuttgarter Transport- und Sharing-Apps bündeln und so alle Angeboten checken können. Momentan könnte man seinen Handy-Speicher allein mit den vorhandenen Mobilitäts-Apps befüllen: DB, SSB, VVS, Stella, car2go, DriveNow etc. 

Mit KI zur Arbeit – Mobilität im Abo

Ein Blumenstrauß an Apps in einer zu bündeln, ist an sich nichts weltbewegend Neues. Doch Willand erklärt mir, dass er sich gekoppelt an diese KI-basierte App ein Abo-Modell vorstellt. Ein monatlicher Beitrag enthält unbegrenzte Nutzung der Öffis und Sharing-Angebote. Dazu buchen kann man sich z.B. ein monatliches Taxi- und/oder Mietwagen-Kontingent. Preisvorstellung 200 Euro plus X. Das klingt erstmal sehr viel, nicht wahr? Habe ich auch eingewendet. Willands berechtigter Gegeneinwand: Man sollte mal hochrechnen, was man an Tankkosten und Verschleiß zahlt und dann möglicherweise die trotzdem noch nötige Monatskarte oben draufkommt? Da ist man im Monat auch schnell bei 200 Euro – bei den momentanen Benzinpreise sowieso.

Voraussetzung: Kooperation und Ausweitung

Grundvoraussetzung ist natürlich erstens, dass die Stadt und die ganzen Verkehrsverbände und Sharing-Anbieter miteinander kooperieren und solch ein Angebot überhaupt zur Verfügung stellen wollen. Aber leider ist ja bekannt, wie sich der VVS schon beim neuen Ring-Tarif-System gewunden hat. Außerdem wäre es zweitens vorteilhaft, wenn vor allem Sharing-Anbieter ihr Angebot auf den Großraum Stuttgart ausweiten. Wer fährt schon mit einem Miet-Roller oder Auto nach Hause, wenn er es dort nicht abstellen kann, weil es nicht zum „Home-Bereich“ gehört? Aber gerade die Menschen, die jeden Tag auf Stuttgarts Einfallstraßen im Stau stehen, genau für die würde solch ein Angebot ja Sinn machen.

Mobility as a Service

Auch wenn die Verkehrsverbände an einen Tisch gebracht würden, hätte die Stadt Stuttgart um OB Kuhn immer noch das letzte Wort in Sachen Umsetzung. Das momentan aber dringendere Problem ist vermutlich die Diesel-Affäre und die drohenden Fahrverbote. Eins nach dem andern. Nur hängt doch irgendwie alles miteinander zusammen oder? In anderen Ländern gibt es solch ein umfassendes Abo-Konzept übrigens schon – und es scheint zu funktionieren: In Finnland bietet MaaS Global seit 2016 mit der Whim-App eine Mobility-Flatrate an. MaaS steht für Mobility as a Service und mittlerweile hat es die App schon nach Amsterdam, Antwerpen und in die West Midlands geschafft. Wäre in Stuttgart auch ein Überlegung wert. Und für das eigene Auto kann sich ja trotzdem immer noch entscheiden. 

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