Nach dem großen Hype um den Launch der E-Scooter in den letzten Tagen, wird es Zeit, dass ich mich mal wieder mit weiteren, alternativen Fahrtkonzepten beschäftige. Eine der vielversprechendsten Innovationen für die Städte aus meiner Sicht ist das sogenannte Ridepooling. Hier werden für eine Fahrt von A nach B Passagiere in einem Fahrzeug auf dem Weg eingesammelt oder auf der Strecke aus dem Fahrzeug ausgespuckt. Das führt zu weniger Fahrzeugen auf der Straße und günstigeren Fahrpreisen für die Fahrgäste.

Der Berlkönig für Ridepooling Services in Berlin

Auf Einladung von des Mobility Startups ViaVan habe ich in Berlin den dortigen Berlkönig näher kennenlernen dürfen. Der Berlkönig bezieht seinen Namen aus dem Goethe Gedicht ‘der Erlkönig’ und die Betreiber haben in Anlehnung an den Standort ein ‘B’ dem Ganzen vorangestellt. Inzwischen hat die Marke Berlkönig in Berlin einen hohen Bekanntheitsgrad als Mobilitätsdienstleister erreicht. Es ist also an der Zeit sich dessen Erfolg einmal näher anzusehen.

Wer sind die Anbieter hinter dem Berlkönig – Ridepooling

Hinter dem Berlkönig stecken zwei Partner: die Berliner Verkehrsbetriebe BVG und ViaVan, ein Joint Venture von Daimler und dem amerikanischen Software und Ridepooling Spezialisten Via. Im September 2018 in Berlin gestartet, bietet ViaVan unter eigenem Brand seine Services zusätzlich noch in Amsterdam, London und Milton Keynes (nördlich von London gelegen) an.

Berlkönig vor dem Hauptbahnhof in Berlin

Wie erfolgreich ist der Berlkönig in Berlin?

Dank seines auffälligen Designs und mit ca. 160 Fahrzeugen in der Stadt gehört der Berlkönig inzwischen voll zum Stadtbild. Der Anspruch des Ridepooling Dienstes ist es ‘das Beste des Busses mit dem Besten des Privatwagens’ zu verbinden. Ein angenehmer Transport ohne den Stress des ‘selber-Fahren-Müssens’. Das Ganze in angenehmer Atmosphäre in einem klimatisierten Van – so der Anspruch.

Mehr als 700.000 Fahrten (Stand Juli 2019) sind bislang in Berlin durchgeführt worden, von denen mehr als drei Viertel geteilt wurden. Interessantes Detail: mehr als die Hälfte der Fahrgäste, die sich im Berlkönig auf ihren Fahrten treffen, kannten sich vor Antritt der jeweiligen Fahrt nicht. Was ursprünglich vor allem von Nachtschwärmern am Wochenende genutzt wurde, ist inzwischen ganztags ein gefragter Service.

Welche Fahrzeuge setzt ViaVan in Berlin ein?

In Berlin setzt der BerlKönig vor allem auf die B-Klasse, eVito Transporter und die Mercedes Benz V-Klasse. In den nächsten 18 Monaten sollen sämtliche Fahrzeuge der Berliner Flotte von ViaVan elektrisch unterwegs sein. Dass der Berlkönig Vorreiter mit den elektrischen Fahrzeugen aus dem Hause Daimler ist zeigt die Tatsache, dass bereits seit Dezember 19 elektrische Vito Fahrzeuge (eVito) im Einsatz sind. Das dürfte die größte einzelne Flotte dieses elektrischen Fahrzeuges in einer Stadt sein.

Die Betriebsgenehmigung des Berliner Senats erlaubt dem Berlkönig in der Spitze einen Einsatz von 300 Fahrzeugen in Berlin. Die Daimler eigene Van Rental GmbH stellt die Fahrzeuge bei Bedarf zur Verfügung und kassiert eine monatliche Mietgebühr.

“Wir versuchen gemeinsam mit Mercedes-Benz Vans das optimale Fahrzeug zu entwickeln”, so die Verantwortliche für ViaVan in Berlin Valerie von der Tann. Neben der optimalen Größe des Fahrzeuges und dem emissionsfreien Antrieb setzt man in Berlin auf weitere Ausstattungsmerkmale: Ladestationen fürs Handy am Sitzplatz, Getränkehalter, zukünftig gar einen Bildschirm mit den Haltepunkten. Das alles sind Weiterentwicklungen von eVito und V-Klasse.

Eine digitale Innovation erleichtert den Zugriff auf die Berlkönig Fahrzeuge

Wichtigstes Element aus Sicht des Betreibers ist derzeit jedoch eine digitale Lösung für die Fahrer, die von Mercedes-Benz Vans entwickelt wurde. Die Fahrer benötigen zum Öffnen und Schließen der Fahrzeuge keine Schlüssel mehr, sondern nutzen dafür eine App. Aus dem Kontrollzentrum von ViaVan werden automatisiert die Authorisierungen für die Fahrer anhand ihrer Schichtpläne zugeteilt. Die Fahrer sehen in der App wo ihr Fahrzeug genau steht und öffnen dann schlüssellos per Knopfdruck.

MB Vans nennt diese Funktion ‘VAN2SHARE’. Eine Funktion die derzeit mit verschiedensten Kunden getestet wird. Hier beim Berlkönig ist das eine höchst nützliche Innovation, um den Fahrern Ein- und Ausstieg aus ihrem Fahrzeug zu erleichtern und mit einem Mal das lästige Schlüsselmanagement ersetzt.

Wie werden die elektrischen Fahrzeuge geladen?

Der Berlkönig hat den Vorteil, auf die Betriebshöfe und Ladestellen der BVG zurückgreifen zu können. Am Indira Ghandi Betriebshof und in der BVG-Tiefgarage in der Holzmarktstr. gibt es eine ganze Reihe an Ladepunkten. Zusätzlich sollen die Ladevorgänge optimiert werden, ein dynamisches Laden wird angestrebt. Heute nutzen die Fahrer ihre Pausenzeiten zum Laden, an die öffentlichen Ladestationen wird aktuell Berlin nicht herangefahren.

Das Cockpit des Berlkönig

Wer sind die Fahrer beim Berlkönig Ridepooling?

Insgesamt setzt das Berliner Joint Venture 390 Fahrer für seinen Service ein. Diese sind bei Personalagenturen angestellt, neben einigen Studenten sind die meisten der Fahrer Vollangestellte. Nach Auskunft meines Fahrers sind Fahrertrainings bei den Fahrern selbst sehr beliebt. Diese sind willkommener Bestandteil des Ökosystems rund um die eFahrzeuge – denn gerade mit den elektrischen Fahrzeugen lassen sich viele Optimierungen dank geschulter Fahrweise erzielen.

Wie schneidet der Berlkönig ab im Vergleich zu weiteren Ridepooling Konzepten?

Derzeit finden wir ja in einigen deutschen Städten Ridepooling Testläufe verschiedenster Anbieter. Von daher ist es natürlich spannend zu sehen, wie der Berlkönig sich im Vergleich zu den anderen Angeboten so schlägt.

Die Volkswagen Tochter MOIA ist in Hannover und Hamburg unterwegs. Gerade in Hamburg kämpfte MOIA mit Startschwierigkeiten. Ein Taxiunternehmer hatte dort gegen den Ridepooling Testlauf geklagt. Erst nach dem für MOIA positiven Urteil in der vergangenen Woche kann der Service in der Hansestadt weiter ausgebaut werden. Hier sollen bis zu 500 Fahrzeuge in den nächsten Monaten im Ridesharing zum Einsatz kommen. In Hamburg setzt MOIA nach unseren Informationen 6-9 Euro pro Fahrt um, in Hannover sind es 5-6 Euro. Diese Zahlen sprechen dafür, dass einerseits zwar die Fahrten günstiger sind, als die klassische Taxifahrt, dass andererseits aber die Geschäftsgebiete der Anbieter noch recht überschaubar sind. Fahrten zum Flughafen sind beispielsweise in Berlin noch nicht erlaubt.

In Berlin gibt es neben ViaVan und seinem Berlkönig den Anbieter Clevershuttle, der ebenfalls mit einer rein elektrisch betriebenen Flotte unterwegs ist. Clevershuttle gehört mehrheitlich der Deutschen Bahn und ist mit seinem Angebot inzwischen in elf deutschen Städten unterwegs. Hier zahlt sich die Nähe zur Deutschen Bahn aus. So ist die geteilte Fahrt im Anschluss an eine Bahnfahrt vom Bahnhof weg eine ganz natürliche Ergänzung von Bahn und Ridepooling.

Wir werden weiter beobachten, wie sich die Ridepooling Services in den Städten entwickeln. Elektrisch betrieben und mit angenehmem Service versehen – für mich ist das eine wirklich sinnvolle Ergänzung im Straßenverkehr.

Der Berlkönig am Alexanderplatz in Berlin