Der zweite Lockdown wird nun im Dezember seine Fortsetzung finden und die Mobilitäts-Statistiken des Jahres 2020 weiter zugunsten des Individualverkehrs verschieben. Für die Pendler hat das Auto als Mobilitätsform seine ‘Spitzenposition’ ausgebaut und dennoch ist für mich das Jahr 2020 das Jahr des E-Bikes, wenn es um Fortbewegungsmittel geht.

Passend dazu haben einige internationale E-Bike Anbieter mit großen Kapitalrunden geglänzt. Das ist immer ein Zeichen dafür, dass diese Mobilitätsform an Spannung gewinnt. Aus Sicht der Investoren herrscht bei den E-Bikes riesiges Potential.

Welche E-Bike Typen gibt es?

Mehr als 400 E-Bike Hersteller bringen über 10.000 verschiedene E-Bikes jährlich auf den Markt und da kann man schon einmal den Überblick verlieren. E-Bikes zählen längst nicht mehr zum Fortbewegungsmittel einer älteren Generation, so wie noch um die Jahrtausendwende. E-Bikes lassen sich kaufen, leasen, es gibt verschiedene Fördermöglichkeiten, so beispielsweise von Städten, Kommunen oder vom Arbeitgeber als Ersatz für die Fahrt zur Arbeitsstätte mit dem eigenen Auto.

Heute gibt es die elektrischen Zweiräder in allen Formen und Farben als:

Mountain E-Bike

Trekking eBike

City eBike

Kompakte E-Bikes

S-Pedelec

E-Rennrad

E-Cargobike

Lifestyle E-Bike

und wahrscheinlich habe ich noch einige Varianten vergessen. Interessant ist bei den meisten Modellen, dass diese mit App Unterstützung ausgestattet sind. Diebstahlschutz, Auto Unlock oder mit eigener Map. Die E-Bike App weiß beispielsweise mit Hilfe von Bluetooth Verbindung, wenn der Eigentümer in der Nähe ist. Sobald er das Bike kurz bewegt, entriegelt es sich von selbst und los gehts. Digitale Hilfe – so wie von den Connectivity Lösungen der modernen (E-)Autos bekannt.

Warum kaufen viele Menschen heute ein E-Bike?

Die Fördermöglichkeiten allein sind sicherlich noch kein Grund für den Erwerb eines eBikes und die Aufgabe des eigenen Kfz. Doch spätestens seit Social Distancing durch COVID-19 unsere neue Realität ist, steigt die Nachfrage nach hochwertigen E-Bikes. Sie gelten als gesunde und sowie umweltfreundliche Alternative im Berufsverkehr. Spätestens mit den Fahrradspuren, die während des Jahres 2020 in vielen Städten zum Schutz der Zweiradfahrer aufgebaut wurden, lässt sich der Trend zum Zweirad auch in den urbanen Zentren ablesen. Dass viele dieser sogenannten Pop-up Lanes inzwischen wieder abgebaut wurden, das lässt aus meiner Sicht zweifellos nicht den Trend zur Fahrt mit dem Bike aufhalten.

Die Investoren lieben die neuen E-Bike Startups

Ich möchte zwei Beispiele von E-Bike Startups aufführen, die dank richtig großer Kapitalrunden in diesem Jahr auf sich aufmerksam gemacht haben und die den Trend zu coolen, stylischen E-Bikes symbolisieren. Der Grund: Städte auf der ganzen Welt verändern sich: der Raum, der über viele Jahrzehnte dem Auto geopfert wurde, geht nun zurück an die Menschen, die nicht länger an den Straßenrand gedrängt werden, sondern die Straßen aktiver nutzen können.

Cowboy sammelt insgesamt an die 40 Millionen Euro an Wachstumsgeldern ein

Im Sommer sicherte sich der belgische E-Bike-Hersteller Cowboy eine Investitionsrunde von 23 Millionen Euro. Hier geht es um sein Wachstum in Europa, sowohl im Einzelhandel, als auch im Dienstleistungssektor. Die Mittel für das Mobility Startup mit dem Hauptsitz in Brüssel stammen von fünf Investoren, darunter Exor Seeds, Future Positive Capital und Index Ventures. Exor Seeds ist insofern interessant, als dass es sich um den Venture Capital Arm der italienischen Familie Agnelli befindet, einem Anteilseigner des Turiner Fußballclubs Juventus und des Luxusautoherstellers Ferrari.

“Da Agnelli eines der größten Industriekonglomerate ist, hoffen wir mit diesem Investment, Zugang zu bestimmten Marktspezialisten, Herstellern usw. zu erhalten”, sagte Adrien Roose, einer der drei Mitbegründer von Cowboy. 

Diese Finanzierungsrunde Series B, in der die 23 Millionen Euro aufgebracht wurden, schließt sich an eine Runde der Series A vor gerade einmal zwei Jahren im Jahr 2018 an, in der 13,2 Millionen Euro akquiriert wurden. Weitere Millionen englische Pfund wurden im Januar 2020 durch eine Crowd-finanzierung aufgebracht. Über die Londoner Buzzbike-Plattform investierten der britische Zukunftsfonds The Future Fund, der Sport Tech Accelerator LeAD, Cooper (das Unternehmen hinter Mini Cooper) und Paddy Byng, ein früher Investor von Rapha und Vorsitzender von Brompton. An Cowboy E-Bikes glauben also inzwischen Investoren mit einem Gesamtvolumen von annähernd 40 Millionen Euro. BÄM!

Neue Investoren und stürmisches Wachstum bei VanMoof

Im Mai gab das niederländische E-Bike-Startup VanMoof bekannt, dass es 12,5 Millionen Euro Kapital eingesammelt habe. Darunter sind laut VanMoof mit Balderton Capital, eines der führenden europäischen Risikokapitalunternehmen, sowie der Montagepartner SINBON Electronics zwei interessante Lead-Investoren.

Diese Investitionen der Serie-B-Finanzierungsrunde erhöhte VanMoof dann auf eine Gesamtsumme von 61 Millionen Euro im September. Die nächsten 34 Millionen Euro der B-Runde stammen von Norwest Venture Partners, Felix Capital und einem Aufstocken von Balderton Capital. 

Auch hier ist der Grund für die Geldgeber die internationale Expansion des Unternehmens. Interessant ist für VanMoof in diesem Jahr vor allem der deutsche Markt, denn hier wurden rund 50 Prozent der Einnahmen erzielt (Stand September 2020). Das macht ein strammes Wachstum im Vorjahresvergleich von 323 Prozent aus und zeigt wie wichtig die Expansionsstrategien der Niederländer und auch der Belgier sind.

“MIT DER UNTERSTÜTZUNG DER NEUEN FINANZIERS UND DER GLOBALEN FAHRRAD-COMMUNITY TREIBEN WIR GEMEINSAM UNSER ZIEL VORAN, DIE NÄCHSTE MILLIARDE MENSCHEN AUF DEN FAHRRADSATTEL ZU BRINGEN”, SO TACO CARLIER, CO-FOUNDER UND CEO VON VANMOOF.

VanMoof sieht sich als “Marktführer im Bereich der nachhaltigen Mobilität”. Durch den Erfolg der neuen E-Bike Modelle der Niederländer haben sich die Verkaufszahlen im Vergleich zu früheren Markteinführungen mehr als verdoppelt. VanMoof ist in den letzten zwei Jahren extrem stürmisch gewachsen und hat seinen Umsatz von 10 Millionen Euro im Jahr 2018 auf fast 40 Millionen Euro im Jahr 2019 vervierfacht. VanMoof ist in 2020 nach eigenen Angaben auf dem besten Weg, das erwartete Jahresumsatzziel von 100 Millionen Euro deutlich zu übertreffen.

Copyright: screenshot Cowboy app

Mein Fazit zu den Entwicklungen im E-Bikes Segment

Wir lesen derzeit täglich über die Entwicklungen bei den Sharing Anbietern in unseren Städten. Die Lime E-Bikes – so auch unser Bericht aus Rotterdam in der letzten Woche, die E-Mopeds und E-Scooter von TIER Mobility oder die E-Pedelecs von Bond aus Zürich, die inzwischen auch in München, Hamburg und Berlin zu finden sind: nur einige Beispiele für die medienwirksamen Auftritte der Sharing Anbieter von Micromobility Lösungen.

Dabei kommen die Anbieter von E-Bikes scheinbar ein wenig zu kurz. Mitnichten. Die Investoren haben dieses Marktsegment klar erkannt und geben den E-Bike Startups Millionen für den Ausbau ihrer Marken in Europa. Und das ist gut so, denn die nachhaltige und letztlich gesunde Mobilitätsform des E-Bikes wird uns helfen, den Verkehr in den urbanen Zentren zu entlasten.

Gerade jetzt, in Zeiten von COVID-19, in denen viele von uns dem ÖPNV aus Angst vor Ansteckung absprechen, gilt es die alternativen Mobilitätsmittel weiter auszubauen. E-Bikes im Eigentum sind ein klarer Bestandteil der Mobilitätswende. Und VanMoof und Cowboy sind zwei herausragende Beispiele für diese Entwicklung – hier in Europa.