Im Windschatten der Tesla Aktie entwickelt sich in diesem Jahr ein chinesisches Mobility Startup vom Problemkind zum Börsenstar. Die Rede ist von NIO, einem Hersteller von Elektroautos aus Shanghai in China. In der kommenden Woche werde ich im Rahmen einer Veranstaltung einen Tag bei NIO in deren Münchener Office verbringen. Dieser Post ist für euch und auch für mich selbst gewissermaßen eine Vorbereitung für diesen Termin.

Mit welchen Faktoren überzeugt NIO in diesem Jahr seine Kunden und die Investoren?

Der Erfolg von NIO lässt sich nicht an einem Faktor festmachen. Es gibt eine Reihe von Gründen für den Aufstieg von NIO vom kriselnden E-Fahrzeug Hersteller zum Kundenliebling und Börsenstar. Aus meiner Sicht läßt sich das an drei Faktoren festmachen:

  • Die Elektroautos des Herstellers NIO kommen an – Absatzrekorde Monat für Monat
  • Finanzielle Stabilität dank großer neuer Investments
  • Fokus auf eine spannende Innovation in Sachen Ladetechnologie

Dieser Post untersucht die drei oben genannten Faktoren als Basis für den Erfolg von Nio.

Der Absatz der NIO Elektroautos geht durch die Decke – ein Absatzrekord jagt den Nächsten

Anfang des Jahres kämpfte NIO, wie die anderen chinesischen Hersteller auch, mit den Herausforderungen der Corona Pandemie / COVID-19 im eigenen Schlüsselmarkt. Doch seither geht es stetig bergauf. Im Monat März 2020 stiegen die Absatzzahlen der NIO Fahrzeuge im Vergleich zum Vorjahr um 11,9%, im April sogar im Jahresvergleich um 181%.

Dieser Turnaround beim Absatz des Elektroauto Herstellers war entscheidend. Im August steigerte NIO die Zahl der verkauften Elektroautos im Vergleich zum Vorjahr um 104 Prozent. NIO verkaufte 1.125 Einheiten seines elektrischen SUVs NIO ES8 und 2.840 Einheiten des etwas kleineren Folgemodells, des NIO ES6. Noch beeindruckender ist die Gesamtzahl der verkauften Einheiten. NIO lieferte im Jahr 2020 insgesamt 21.667 Fahrzeuge aus. In Summe verkaufte NIO seit Verkaufsstart 53.580 seiner elektrischen Autos.

Auch für die nächsten Monate bleibt der NIO CEO William Li optimistisch: „Wir sind zuversichtlich, dass unsere Produktionskapazitäten die beschleunigte Nachfrage nach unseren Modellen decken kann.“ Dank des Ausbaus der Fertigungskapazität plant man die monatliche Fahrzeugproduktion bereits im September auf 5.000 Einheiten ansteigen zu lassen.

Der E-Auto Hersteller NIO schafft den Turnaround und steht finanziell gut da

Zu Beginn des Jahres 2020 stand es nicht gut um NIO. Im Dezember 2019 gab das Unternehmen bekannt, dass man Liquiditätsprobleme habe. Das vierte Quartal 2019 schlossen die Chinesen tiefrot ab – mit einem Nettoverlust von 411,5 Millionen Dollar. Doch mit den guten Absatzzahlen erhielt NIO im Frühjahr eine entscheidende Investition in Höhe von 1 Mrd. US Dollar von der Regierung der chinesischen Stadt Hefei. Zur Erinnerung: der chinesische Wettbewerber BYTON stand Anfang des Jahres 2020 ebenso mit dem Rücken zur Wand und musste dann am 1. Juli einen zeitlichen Entwicklungsstop ankündigen. 

NIO machte es besser. Ende des ersten Halbjahres sicherte sich NIO weiteres frisches Kapital von sechs inländischen chinesischen Banken in Form von Kreditlinien über insgesamt 10,4 Milliarden Yuan (rund 1,3 Milliarden Euro).

Nach dem Absturz 2019 folgte die NIO Börsenrallye 2020

Die Börsen goutierten diese Entwicklungen bei NIO mit einem Kursfeuerwerk. NIO ist seit etwa zwei Jahren an der Wall Street gelistet. Beim Börsengang Ende des Jahres 2018 hatte NIO knapp 2 Milliarden US-Dollar eingesammelt.

Nachdem im letzten Jahr die finanziellen Probleme des Unternehmens publik wurden, brach der Aktienkurs um mehr als 80 Prozent ein. Doch in den vergangenen 12 Monaten erzielte die NIO Aktie eine Performance von über 600 Prozent. Auch wenn die Aktie vom zwischenzeitlichen Höchstkurs von 18,70 Dollar heute wieder entfernt ist, so haben in den vergangenen Monaten viele Aktionäre sehr gut an der Aktie des Mobilitätsanbieters verdient und ihr Vertrauen in den chinesischen Hersteller dokumentiert.

Nächster Schub für Elektroauto Hersteller NIO

Der dritte Grund für das Comeback des chinesischen Autoherstellers aus Shanghai ist in einer ganz speziellen Technologie begründet. NIO setzt auf Wechsel-Akkus für seine Elektroautos. Zusätzlich launchte NIO vor wenigen Tagen den sogenannten Battery-as-a-Service. Das ist eine Dienstleistung, die es (bislang ausschließlich chinesischen) Kunden erlaubt, ein Fahrzeug ohne Batterie zu kaufen. Das macht die elektrischen Fahrzeuge erheblich billiger. Die austauschbaren Batterien werden vergleichbar einem Mobilfunkvertrag monatlich im Abonnement hinzu gebucht.

NIO spekuliert darauf, dass der Kauf seiner E-Autos ohne Batterie dank des stark reduzierten Preises für Chinas Konsumenten attraktiver wird. Die Batteriegebühren sollen sich preislich im Rahmen einer Tankfüllung bewegen. Kunden, die ein entsprechendes Abonnement zum Preis von umgerechnet ca. 140 US Dollar pro Monat abschließen, erhalten beim Kauf eines Fahrzeugs von NIO einen Rabatt von 10.000 US Dollar. So bietet der Hersteller in China beispielsweise einen Plan namens „Sorglos Power” an, bei dem 15 Batterie-Swaps im Monat 10.800 Yuan (rund 86 Euro) kosten.

In dieser Woche gab die chinesische Regierung bekannt, dass zukünftig die Entwicklung von E-Autos mit Wechsel-Akkus sowie deren Infrastruktur gefördert wird. Basis für diese Förderung ist das Einhalten eines Sicherheitsstandards. Die ersten Automobilhersteller wie eben NIO, aber auch der chinesische Elektroauto Hersteller und Wettbewerber BAIC, setzten erste Projekte bereits um. Damit haben die Anbieter von Wechselakkus klare Vorteile im Einstiegspreis und der Flexibilität im Vergleich zu den Wettbewerbern wie Tesla mit seinen Tesla X oder Model 3 Fahrzeugen, oder den deutschen Herstellern mit dem Mercedes-Benz EQC oder dem Audi e-tron.

Klar ist, dass diese drei Punkte für den deutlichen Aufschwung bei NIO sprechen. Ich selbst bin sehr gespannt auf den Termin in München und werde natürlich davon in der kommenden Woche berichten. 

Chinesisches Mobility Startup NIO - vom Problemkind zum Börsenstar
Bildrechte: NIO Elektroauto Startup

Weitere Informationen zum chinesischen Mobility Startup NIO

Der chinesische Name von NIO, was übersetzt “Der blaue Himmel kommt” bedeutet, entstand aus der Vision des Herstellers von einer Zukunft unter blauem Himmel. Gegründet wurde das Unternehmen aus Shanghai im November 2014. “Unsere Mission ist es, einen freudvollen Lebensstil zu gestalten, indem wir erstklassige intelligente Elektrofahrzeuge anbieten und das beste Nutzerunternehmen sind”, so erklären es die Macher auf der eigenen Website. Ursprünglich nannte William Li sein Mobility Startup NextCar, doch im Jahr 2017 wurde der Firmenname in NIO geändert.

Die Fahrzeugpalette des Elektroherstellers NIO

NIO begann im Juni 2018 mit der Auslieferung des ES8, eines 7-sitzigen vollelektrischen Premium-SUVs in China, und seiner Variante, des 6-sitzigen ES8, im März 2019. NIO stellte im Dezember 2018 offiziell den ES6 vor, ein 5-sitziges Hochleistungs-Premium-Elektro-SUV. Im Juni 2019 begann der Hersteller mit den ersten Auslieferungen des ES6. NIO brachte im Dezember 2019 offiziell den EC6 auf den Markt, ein 5-sitziges elektrisches Premium-Coupé-SUV. Dieses Fahrzeug wird zu Beginn in drei Ausstattungsvarianten zu haben sein: Sport, Performance und Signature Edition. Der Preis variiert je nach Ausstattung zwischen umgerechnet 44.496 Euro und 56.587 Euro. Die Auslieferungen in China sollen im September starten, in 2022 voraussichtlich bringt NIO dieses EC6 Elektroauto nach Europa.

Wo viel Licht, da ist auch Schatten – die Risiken für den Elektrofahrzeughersteller NIO

Die Zukunft für NIO sieht grundsätzlich rosig aus. Größtes Risiko für den chinesischen Autohersteller stellen Zölle dar, mit denen das Unternehmen in internationalen Märkten konfrontiert werden könnte. Der schwelende Handelsstreit der Chinesen mit den USA ist genau dieses Problem. Zölle könnten für NIO in den USA erhoben werden, es sei denn, William Li baut seine eigene Produktionsstätte in den USA, so wie es Elon Musk für Tesla in China gemacht hat. Viel hängt hier von den US-Wahlen im November ab, denn Präsident Trump scheut bislang vor protektionistischen Massnahmen für amerikanische Hersteller nicht zurück.