Sie haben kein eigenes Auto und wären gerne mobil? Oder Sie haben ein Auto und es ist zu klein für den Skiurlaub mit der Familie oder einen Großeinkauf? Carsharing scheint dafür die optimale Lösung zu sein: man teilt sich ein Auto mit anderen, muss sich nicht mit Versicherungen oder Tanken herum ärgern, und man übernimmt auch Verantwortung für die Umwelt.

Taugt die Mobilitätsform Carsharing tatsächlich als Entlastung des Verkehrs und der Umwelt?

Carsharing soll den Verkehr entlasten, da mehrere Leute sich ein Auto teilen und dadurch die Anzahl der Fahrzeuge in den Städten deutlich reduzieren helfen. Ist das nur in der Theorie so oder auch in der Praxis? Laut einer Studie des Bundesverbandes Carsharing ist das mit sogenanntem stationsbasierten Carsharing tatsächlich der Fall. Stationsbasiertes Carsharing ist eine Art des Sharings, bei welcher das reservierte Auto nach Ende der Nutzungszeit wieder an den Abholort zurückgebracht werden muss. Die Studie besagt, dass eine entlastende Auswirkung auf den Verkehr bei dieser Form von stationärem Sharing tatsächlich eintritt. 80 Prozent der Personen, die stationsbasiertes Carsharing in Städten nutzen, besitzen kein eigenes Auto und reduzieren somit die Anzahl der Fahrzeuge in den Städten.

Doch, wie Gunnar Nehrke, Geschäftsführer des Bundesverbandes Carsharing warnt, „Carsharing ist nicht gleich Carsharing“. Neben stationsbasiertem Carsharing gibt es noch eine andere Variante, die von vielen Nutzern bevorzugt wird – das Free-Floating-Carsharing. Diese Variante hat gegenüber dem stationsbasierten Sharing, den Vorteil, dass man das Auto an einem beliebigen Ort abstellen kann. Hier muss das Fahrzeug also nicht zum Abholort zurückgebracht werden. Für Nutzer eine praktische und komfortable Lösung. Doch ist diese Variante ebenso verkehrsentlastend?

Laut der oben genannten Studie ist diese Frage mit einem deutlichen ‚nein’ zu beantworten, denn Free-Floating-Carsharing trägt nicht zur Entlastung des Verkehrs bei. Der Grund dafür ist, dass viele Nutzer das Carsharing Auto nur als Zweitwagen nutzen. Sie besitzen zusätzlich ein eigenes Auto. „Viele Nutzer setzen diese Variante daher nur für innerstädtische Kurzfahrten ein, etwa für abendliche Restaurantbesuche. Parallel halten diese Nutzer dann für andere Fahrtzwecke eher am eigenen Auto fest“, so Gunnar Nehrke. Die Studie ergab, dass unter 1.000 Personen, die Free-Floating-Carsharing nutzen, 485 und damit fast die Hälfte ein eigenes Fahrzeug besitzen. Bei stationsbasiertem Carsharing ist diese Zahl mit einem Zehntel an Fahrzeugbesitzern deutlich niedriger.

Welche Variante des Carsharings sollen Städte fördern?

Free-Floating-Carsharing ist deutlich angenehmer für Nutzer, hat jedoch keine positive Auswirkung auf die Entlastung des Verkehrs und der Umwelt.

Stationsbasiertes Carsharing ist zwar umständlicher für die Nutzer selbst, trägt jedoch zur Entlastung des Verkehrs und zum Schutz der Umwelt bei.

Welche Variante ist daher für Städte zu bevorzugen? Gunnar Nehrke weist darauf hin, dass Städte den Unterschied zwischen den zwei Varianten des Carsharings überdenken sollen. Erst dann sollte eine Entscheidung getroffen werden. Um den Verkehr in den Städten nachhaltig zu entlasten, sollten die Stadtoberen tatsächlich auf stationsbasiertes Sharing setzen.

Welche Form des Carsharing existiert in meiner Heimatstadt Augsburg?

In Augsburg bieten die Stadtwerke (SWA) momentan nur stationsbasiertes Carsharing an. Nutzer müssen daher das genutzte Fahrzeug wieder an den Abholort zurückbringen. Angekündigt wurde jedoch die Einführung des Free-Floating-Carsharings, jedoch fokussiert auf einzelne Elektrofahrzeuge. „Wer ein Elektrofahrzeug leiht, kann dies zukünftig stationsunabhängig tun”, so Jürgen Biedermann aus dem Geschäftsbereich Multimobilität der SWA. Somit schaffen die SWA einen Kompromiss, der zwar nur teilweise verkehrsentlastend ist, sich dafür aber positiv auf Nutzer und die Umwelt auswirkt. Auch in Karlsruhe, Frankfurt am Main, Hannover, Leipzig, Heidelberg und Mannheim existiert diese kombinierte Version des Carsharing.

Große Carsharing Anbieter in Deutschland

Zu den größten Anbietern des Carsharing in Deutschland gehören car2go, DriveNow, Flinkster und Cambio, welche in den meisten Großstädten vertreten sind. car2go und DriveNow stammen von den großen OEMs Daimler und BMW. Beide werden ihre Sharing Töchter zusammen führen. Der Zusammenschluss dieser beiden Anbieter wurde bereits von der Wettbewerbsbehörde genehmigt. Flinkster ist eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn und mit Anbietern wie E-WALD gibt es eine landbasierte Alternative zu den Unternehmen, die in Großstädten basiert sind.