Den Auftakt des Jahres 2018 an neuen Elektrofahrzeugen macht das chinesische Unternehmen Future Mobility Corporation mit seinem BYTON. Auf der CES 2018 in Las Vegas zeigen die Chinesen ab heute erstmals in großer Öffentlichkeit ihre Pläne für ihren BYTON Elektrowagen.

Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als Mobility Startup und operiert von sechs Standorten aus. Neben dem rechtlichen Hauptsitz Hongkong werden die chinesischen Peking, Nanjing und Shanghai aufgeführt. Santa Clara in Kalifornien und München für Europa ergänzen den Auftritt.

Es geht dem Startup nicht um das Entwickeln eines Autos. Man ist mit dem Anspruch angetreten, ‚das Leben zu verfeinern‘, so die originale Übersetzung. Vielleicht trifft es das Wort ‚bereichern‘ besser. Denn BYTON strebt an, im Premium Segment das elektrische Fahrzeug der Zukunft zu bauen. Das ist einmal eine Ansage. Nicht nur an Elon Musk und die amerikanischen Tesla Fahrzeuge, sondern ebenso an die Premium Hersteller in Deutschland wie Daimler und BMW.

Die Wurzeln von BYTON liegen in China und in …

Seine Wurzeln hat das Fahrzeug in China, seine Distribution und damit sein Anspruch ist jedoch von Beginn an global. Und das kommt nicht von ungefähr. Denn das Top Management wurde vom Who-is-Who der internationalen Fahrzeug- und IT Namen abgeworben. In den selbstbewusst dargestellten Bios der Führungsmannschaft stecken die ehemaligen Arbeitgeber wie BMW, Tesla, Google oder Apple. Das erklärt dann auch die Herkunft des Namens BYTON, ‚Bytes on Wheels‘ – eine spannende Symbiose.

Interessant aus deutscher Sicht ist der Münchner Standort. Von hier stammen das Konzept und das Design des Fahrzeuges. Und mit dem CEO Dr. Carsten Breitfeld eben ein Mann mit 20 Jahren Erfahrung bei BMW. Schwerpunkt war der BMW i8, dessen Programm er seit 2010 verantwortete. Ebenfalls von BMW stammt COO und Co-Founder Dr. Daniel Kirchert, seines Zeichens früher verantwortlich für Vertrieb und Marketing von BMW und Infiniti in China. Und dass BYTON das Thema autonomes Fahren wirklich von Anfang an in die Fahrzeugtechnologie integriert, das zeigt die Besetzung von Dr. Dirk Abendroth als Verantwortlichen für ‚Powertrain und Autonomes Fahren‘. Er ist ein Experte mit jahrelanger BMW Erfahrung in eben diesem Gebiet.

Wer jetzt glaubt, diese Story klänge sehr nach dem ‚anderen chinesischen‘ Startup Faraday Future, den muss ich enttäuschen. Auch bei Faraday sind internationale Topmanager abgeworben worden (BMW, Ford). Doch bei dem jüngst in die Schlagzeilen geratenen FF regiert ein chinesischer Milliardär quasi allein. Das ist bei Future Mobility Corp. / BYTON anders. Die derzeitigen Investoren, die eine Series A Runde geschlossen haben, umfassen das Gründerteam sowie Harmony Auto, Auto Investments, League Automotive Technologies, Legend Capital, und industrielle Investment Fonds aus China. Die Basis für einen seriösen Aufbau einer neuen Automobilmarke ist also gelegt.

Das Fahrzeug ist von außen wenig spektakulär

Der BYTON ist ein SUV, der zwar von aussen betrachtet nicht schlecht aussieht, der aber seine Entwicklungsschwerpunkte auf den Innenraum setzt. Der Wagen ist 4,80 Meter lang und soll in zwei Versionen elektrisch angetrieben werden. Vergleichbar den Tesla X Antrieben entweder in der 200 kW Variante mit Elektromotoren an der Hinterachse oder an beiden Achsen mit 350 kW als Allradantrieb. Im Unterboden werden die Lithium-Ionen-Akkus untergebracht. Sie sollen zum Launchtermin im Jahre 2020 eine Reichweite von 400 bis 520 Kilometer ermöglichen.

Preislich startet der BYTON bei 45.000 US Dollar

Mit einem Preis von 45.000 US Dollar (heute ca. 38.000 Euro) plant man in den USA und China in 2020 zu starten. Man fokussiert vor allem deshalb auf diese beiden Länder, weil hier die Gesetzgebung für das autonome Fahren besonders weit ist. Letztlich plant man beim Launch bereits den Level vier zu beherrschen. Für deren Nutzung sind wir in Europa bis dahin wohl kaum gesetzlich vorbereitet.

Biometrischer Einlass

Erst beim (versuchten) Einstieg in den BYTON wird einem bewusst, dass wir es hier nicht mit ’noch so einer Elektrostudie‘ zu tun haben. Bereits der Einstieg verspricht Zukunft. Die Türen sind grifflos, jene passiert man erst nach einem biometrischen Check. Klingt für herkömmliche Fahrzeuge sehr spaced out, könnte aber tatsächlich eines Tages der Standard in der Automobilindustrie werden. Zumal somit die Anzahl der Diebstähle der Fahrzeuge deutlich gesenkt werden dürfte.

Und spätestens wenn man im BYTON Platz genommen hat, so wird einem klar, worum es diesem chinesischen Startup geht. Hier werden zukünftige Trends in die Praxis umgesetzt, wie gesagt: bereits 2020 soll dieses Elektrofahrzeug auf den Markt kommen. Die Highlights:

  • Ein 125 Zentimeter langer und 25 Zentimeter hoher Monitor bestimmt das Blickfeld. Aus Armaturenbrett wird Bildschirm, jener ist unterteilbar in bis zu drei Einzelfenster. Hier werden alle Informationen angezeigt und das inklusive der Bilder durch die Kameras am BYTON, die die Umgebung des Fahrzeuges liefern.
  • Es gibt ein Lenkrad und Drucktasten für die Fahreinstellungen P, N und D, zusätzlich sind Lautstärkeregeler für das Bord-Infosystem vorhanden. Doch das soll es schon gewesen sein an Tasten/Knöpfen. Mehr iPad, als Lenkrad mit Knöpfen – das ist die Zukunft im Cockpit.
  • Per Spracheingabe, App oder Gestensteuerung werden fast alle anderen Funktionen des Fahrzeuges ausgelöst und kontrolliert. Amazons Alexa und Android (sorry bislang kein Apple iOS) sind mit an Bord. Selbst die Passagiere können per App Dinge wie eigene Sitzeinstellungen regeln.
  • Im autonomen Fahrmodus lassen sich die Vordersitze drehen.
  • Der BYTON wird vernetzt sein und bereitet sich auf das 5G-Zeitalter vor. Somit soll dann für die Stufe 4 des autonomen Fahrens die notwendige Infrastruktur gelegt werden.

Wir geht es konkret weiter bei BYTON?

Wertvoll dürfte für das Management des BYTON der Blick zu Tesla sein. 2017 war nicht gerade ein Erfolgsjahr, was die Produktionskapazität der Kalifornier angeht. Dass man als Startup zunächst beweisen muss, wie Massenproduktion geht, das dürfte spätestens seit dem Launch des Tesla Model 3 klar sein.

Die Präsentation auf der CES 2018 in Las Vegas ist dementsprechend auch keine der lauten Töne. Nach der Show plant man 1,5 bis 2 Milliarden Dollar zu akquirieren um das Auto fertig zu bauen und dann die Produktion zu starten.

Mir gefällt, dass hier ein elektrisches Auto gebaut wird, das sowohl aussen als auch innen auffällt. Was wurden die Elektroautos europäischer Hersteller im Jahre 2017 mit Spott überschüttet, wenn es um deren Design oder deren Ausstattung ging.

Mit dem BYTON verbindet ein seriöser neuer Mobility-Anbieter die Schlagkraft zweier Welten. Einerseits die jahrzehntelange Erfahrung deutscher Fahrzeugingenieure und deren Blick auf die Realitäten in Forschung und Fertigung. Andererseits die Dynamik, Vision und das finanzielle Polster der chinesischen Partner. Für mich klingt das nach einer wirklich ernst zu nehmenden Alternative – ein Startup für Elektrofahrzeuge, auf das die bisherigen Premiumhersteller wie BWM, Audi und Jaguar definitiv ein Auge haben sollten.

Hier weitere Bilder vom BYTON (Bildrechte Byton Webseite):

1 KOMMENTAR

  1. Die Symbiose aus deutscher Gründlichkeit und chinesischem Geld könnte diesem Unternehmen zum Durchbruch verhelfen. Wichtig sind in diesem Umfeld aber auch die Verarbeitungsqualität, für die deutsche Autos wie BMW, Mercedes, AUDI, etc. stehen.

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