Für 910 Millionen Euro verkauft die niederländische Navigationsfirma TomTom ihre Telematik Sparte an den Reifenhersteller Bridgestone. Der baut mit dieser Akquisition seine digitalen Aktivitäten aus.

Welches Ziel verfolgt Bridgestone mit dieser Akquisition?

Konkret geht es dem weltweit größten Reifenhersteller Bridgestone um das zukünftige Geschäft mit Robotaxis und anderen Fahrdiensten. Interessant sind für den japanischen Konzern die Daten aus den Fuhrpark-Fahrzeugen für die weitere Reifenentwicklung. Derzeit setzen ca. 860.000 Fahrzeuge die Fuhrpark-Dienste der TomTom-Sparte ein.

Wie passt die Telematik Sparte von TomTom in die Produktpolitik von Bridgestone?

In der jüngeren Vergangenheit präsentierte  der Reifenhersteller mit seinen eigenen Anwendungen wie FleetPulse, Tirematics, Mobox oder Bridgestone Connect digitale Lösungen. Jetzt plant Paolo Ferrari, CEO und Präsident von Bridgestone EMEA sowie Executive Vice President der Bridgestone Group „den digitalen Technologiezweig weiter zu stärken“.

Ferrari plant das „datengetriebene Geschäft zu beschleunigen, die Flottenkundenbasis zu erweitern und schnell wachsende, profitable Möglichkeiten in der Mobilitätsbranche zu nutzen. Die Menge der Daten, die aus Hunderttausenden Fahrzeugen kommen, ist wertvoll für Forschung und Entwicklung”, so Bridgestone Europachef Paolo Ferrari.

Was sind konkrete Anwendungsbeispiele für die TomTom Applikationen und Daten?

Für die Anbieter von Robotaxi-Diensten der Zukunft gibt es neue Herausforderungen. Da die autonomen Fahrzeuge ganztags unterwegs sein werden, existieren andere Anforderungen an die Produkte der Reifenhersteller. Die Reifen werden deutlich länger halten müssen und mit Hilfe neuer Technologie kleinere Schäden selbst schließen können müssen.

Ebenso wichtig ist der Aufbau eines präventiven Warnsystems für die Nutzer dieser autonomen Fahrzeuge. So gilt es den Betreibern der Fahrdienste autonomer Shuttlebusse rechtzeitig einen Hinweis zu geben, sofern ein defekter oder abgenutzter Reifen ausgetauscht werden muss.

Welche Ziele verfolgt Tom-Tom mit dem Verkauf seiner Telematik Sparte an Bridgestone?

TomTom hingegen verfolgt andere Ziele. Die Niederländer konzentrieren sich ab sofort auf ihre Karten- und Verkehrsdienste. Bereits im September 2018 hatten Sie den offiziellen Verkaufsprozess eingeleitet.

Wie sieht das Technologie Unternehmen TomTom seine zukünftigen Aktivitäten?

TomTom konzentriert sich nach dem erfolgten Exit aus der Telematik zukünftig auf seine Kernkompetenz. Die besteht in der Produktion und Verarbeitung von digitalen Kartendiensten und Verkehrsinformationen. Hier kämpfen die Niederländer u.a. gegen Branchenriesen wie Google. Nicht umsonst bezeichnet sich TomTom als ‘location technology specialist’, ein Thema das auch bei den Google Maps ganz oben steht.

Was macht TomTom mit dem Verkaufserlös von 910 Millionen Euro?

Überraschend kam der Verkauf der Sparte ja nicht. Im September 2018 hatte das Unternehmen die Telematik Sparte zum Verkauf gestellt. Den größten Teil des Verkaufserlöses erhalten die Aktionäre. An sie werden nach dem erfolgten Closing im 2. Quartal ganze 750 Millionen Euro ausgeschüttet.

Das restliche Geld wird TomTom sicherlich als willkommene Finanzspritze für das hart umkämpfte Geschäft mit Karten- und Verkehrsdiensten einsetzen. Es bleibt abzuwarten, wie die Aktionäre diese Fokussierung sehen und wie sich das Unternehmen TomTom weiter entwickeln wird.