Bosch, ein multinationales deutsches Unternehmen, welches in der Automobilsparte im Jahr 2017 61 % des gesamten Konzernumsatzes erzielte, hat sich entschieden in Zukunft keine eigenen Zellen zum Bau von Batteriesystemen zu produzieren. (Bosch) Jedoch arbeitet man auch an Programmen, die den Nutzern von Elektroautos den Alltag erleichtern sollen, besonders die Angst der fehlenden Reichweite. Ein Zwiespalt? Kann Europa doch noch auf eine eigene Zellproduktion hoffen?

Bosch-Programm gegen die Strom-Angst

„Unser Ziel ist, dass in einem Elektroauto auch Langstreckenfahrten völlig entspannt sein können“. Rainer Kallenbach

Das sogenannte „System!e“ soll mit der Bosch-eigenen Cloud zusammenarbeiten und speziell Elektrofahrzeug-Besitzern die Angst vor dem leeren Akku nehmen. „Damit weiß das E-Auto künftig ganz genau, wann ihm der Strom ausgeht, aber auch, wo neuer Strom zu holen ist“, so  Rainer Kallenbach, CEO – Bosch Software Innovations. Auch in das Stromnetz des eigenen Hauses kann das Auto mit dieser Lösung integriert werden.

Herzstück des Programms „System!e“

Das Programm basiert auf einem Cloud Zugang, welches Mittels Smartphone oder Infotainment-System agiert. Der Nutzer gibt sein Fahrziel ein, und das Programm erstellt eine Reichweitenprognose mit Hilfe verschiedener Daten wie:

  • Daten aus der Umgebung
  • Verkehrslage zB Staus oder Baustellen
  • Wetter

„In die Prognose fließt aber auch der eigene Fahrstil ein, der in der Vergangenheit ermittelt wurde“. „Dies alles wird verknüpft zu einer genauen und verlässlichen Vorausschau der noch verfügbaren Reichweite“.  Das System des Elektroauto liefert dem Nutzer den Ladezustand, den Verbrauch durch Heizung oder Klimaanlage und den Reifendruck. Alles wichtige Faktoren in Bezug auf die Reichweite eines Elektroautos.

Routenführung mit Lade-Assistent

Basierend auf der errechneten Prognose macht das System Vorschläge, wie man nötige Ladepausen auf der Strecke einbauen könnte. Infos über Freizeitaktivitäten, wie Restaurants oder Supermärkte kommen hinzu, um die Ladedauer angenehmer zu gestalten. Die Ladesäulen sind in der Idee integriert und können einfach über das Internet bezahlt werden.

Smart Home Komponente

Die system!e“-App ist ebenfalls für die Smart Home Programme von Bosch geeignet. So kann man die leistungsstarke Fahrzeug-Batterie als stationären Stromspeicher für die Photovoltaik-Anlage nutzen, welche überschüssigen Sonnenstrom am Tag aufnimmt und nachts wieder zurückspeist. Es wird auch darauf geachtet, dass am nächsten Tag genügend Strom in der Autobatterie bleibt um ein vorher eingegebenes Ziel zu erreichen.

Kallenbach: „Wir werden daraus Lösungen für die Fahrzeughersteller und Start-Up-Unternehmen entwickeln, die dann in kurzer Zeit marktreif gemacht werden können“. Jedoch hat man dieses System nicht für eigene Akkumulatoren entwickelt.

Bosch – keine eigenen Zellen zum Bau von Batteriesystemen

Aus wirtschaftlichen Gründen hat sich der größte deutsche Zulieferer gegen eine eigene Zellfertigung entschieden und damit auch das Ende für zwei Forschungsunternehmen des Zulieferers beschlossen. Die Ziele sind gleich geblieben, nämlich die Marktführerschaft in dem zukünftigen Massenmarkt der Elektromobilität, jedoch wird man für dieses Ziel weiterhin auf den Zukauf von Batteriezellen setzen. (Bosch Presse)

„Für Bosch ist es wichtig, die Zelle technisch zu verstehen, fertigen müssen wir sie nicht“, sagt Rolf Bulander, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH. Man habe eine wirtschaftliche Prüfung gemacht, die ergab, „dass die Investition in eine Industrialisierung von sowohl weiterentwickelten als auch künftigen Zelltechnologien zu risikobehaftet ist.“ Allein die Anfangsinvestition würde rund 20 Milliarden Euro kosten. (Bosch Presse)

Ziele der eMobilität bei Bosch

Man will weiter die Energieeffizienz der eAutos erhöhen, Elektromobilität durch standardisierte Komponenten skalierbar und bezahlbar machen und durch Systeme wie „System!e“ eine intelligente Vernetzung schaffen. (Bosch Presse)

Veräußerungen

Bosch stellt mit diesem Schritt auch einige Forschungsvorhaben ein. Sämtliche Aktivitäten zur Bewertung einer eigenen Zellfertigung werden beendet. Man löst nun das Gemeinschaftsunternehmen „Lithium Energy and Power GmbH & Co. KG (LEAP)“ auf und veräußert das Tochterunternehmens Seeo, welches im Bereich Festkörperzellen forschte. Die Mitarbeiter sollen sollen sich künftig auf Batteriemanagementsysteme und 48-Volt-Batteriesysteme konzentrieren. (Bosch Presse)

Abhängigkeit ausländischer Markt

Nun sieht es so aus, als würde Europa auf dem Milliardenmarkt Batterie-Zelle verzichten. Wenn nicht Bosch, wer sonst soll den Asiaten jetzt noch den Kampf ansagen. „Das ist ein schmerzhafter Rückschlag für die deutsche Autoindustrie“, sagt Analyst Arndt Ellinghorst von Evercore ISI der Süddeutschen „Die Abhängigkeit von den Asiaten wird nicht mehr zu ändern sein, damit wird die Verhandlungsposition der deutschen Hersteller immer schwächer.“

Potenzial – Investitionen nicht sinnvoll?

Bosch gibt an, dass man als Erstinvestition 20 Milliarden Euro ausgeben müsste und weitere Milliarden jährlich bereit zu stellen seien. Jedoch soll der Batterie-Markt im Jahr 2025 weltweit 250 Milliarden Euro groß sein. Die führenden fünf asiatischen Hersteller scheinen jedoch durch ihre jahrelange Erfahrung einen uneinholbaren Vorsprung zu haben, sodass ein Einstieg zu riskant ist. Jetzt bleibt nur noch Continental, die  in der Automobilwoche sagten: „Wir können uns gut vorstellen, in die Herstellung innovativer Batterien einzusteigen“ (Elmar Degenhart)

Fazit

Wie groß muss der Vorsprung der asiatischen Hersteller sein, wenn ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über 70 Milliarden Euro, auf einen lukrativen Markt von 250 Milliarden Euro verzichtet? Der Zwiespalt zwischen eigenen Programmen der eMobilität und der Zellfertigung entsteht für Bosch  anscheinend nicht.  Ich hoffe, dass die Abhängigkeit gegenüber der Asiaten hier nicht falsch eingeschätzt wird. Der  deutschen Elektromobilität hätte eigenes Know How in diesem Bereich gut getan. Jetzt kann es nur noch Continental für die Deutschen/Europäer richten. Hoffen wir auf ein positives Signal.

 

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