In Mobility Kreisen hält sich hartnäckig ein aktuelles Gerücht. Bei BMW in München soll es Überlegungen geben, ganz aus der eigenen Produktion von Elektroautos auszusteigen. Die nachfolgenden elektrischen BMW Fahrzeuge wären dann lediglich gemeinsam mit Kooperationspartnern im Markt erhältlich. BÄNG!

Passend dazu gab es vor einigen Tagen die Aussagen von BMW Managern, es gäbe in Deutschland keine wirklich substantielle Nachfrage nach Elektroautos. Was ist dran an diesem Gerücht und welche Auswirkungen hätte es auf die Entwicklung der bayerischen Motorenwerke?

BMW schwört auf seiner Webseite auf Elektromobilität als wichtigem strategischen Baustein

Auf der BMW eigenen Webseite heißt es zum Thema Innovation und Elektromobilität: “E-Mobilität ist der wichtigste strategische Schwerpunkt der BMW Group”. In diversen Vorträgen und Präsentationen von BMW habe ich selbst die E-Mobilität aus Sicht der Münchener als wichtigen Baustein für deren Zukunft erlebt. Was würde also eine solche dramatische Änderung der Strategie bei BMW bedeuten?

Ein Blick auf die Geschehnisse bei BMW der letzten Wochen

BMW-CEO Harald Krüger erklärte vor gerade einmal zwei Wochen, dass er für eine zweite Amtszeit nicht zur Verfügung stehe. In der Nacht zum heutigen Freitag wurde dann Oliver Zipse, der bisherige Produktionschef, an die Spitze von BMW berufen. Der Aufsichtsrat tagte am BMW Standort in Spartanburg, South Carolina, und traf dort diese Entscheidung. Der 55 jährige Zipse soll Mitte August sein neues Amt antreten.

Ganz überraschend kommt der ‘Rückzug’ von Krüger nicht, denn Kritiker haben ihm in den vergangenen Monaten immer wieder vorgeworfen, nicht nur den BMW Vorsprung in der Oberklasse, sondern vor allem den ‘First-Mover-Advantage’ in der Elektromobilität verspielt zu haben. Wichtige Führungskräfte wurden im E-Mobility Segment verprellt, ein Ausbau der BMW i3 und i8 Elektro- und Hybridfahrzeuge fand nicht statt. Ich hatte vor allem in Hinblick auf die Geschehnisse bei VW und Ford dazu bereits kommentiert.

Dabei hatte man als einer der wenigen Fahrzeughersteller doch sehr frühzeitig das Potential der Elektromobilität erkannt. Nicht umsonst führte der BMW i3 monatelang die Verkaufsstatistiken für Elektroautos in Deutschland an, und das trotz seines stolzen Preises. Heute haben wir neben dem Herausforderer Tesla vor allem von den direkten deutschen Konkurrenten Daimler und Audi bereits Elektroautos auf dem Markt, die weiter sind als die elektrischen Fahrzeuge, die aus München stammen.

Die Modellpolitik von BMW für Elektrofahrzeuge

Alleine vom BMW i3 sind bislang mehr als 150.000 Einheiten produziert worden. BMW kündigt seit Monaten an, in zwei Jahren insgesamt fünf vollelektrische Serienfahrzeuge auf den Markt zu bringen. Neben einem vollelektrischen MINI aus dem Werk im englischen Oxford wird der vollelektrische BMW iX3 aus China und die beiden Modelle BMW iNEXT und BMW i4 (gebaut in Deutschland) eingeführt. Soweit bislang die Ankündigungen.

Wie interpretieren wir die Entwicklung bei BMW?

Es ist schwer vorstellbar, dass BMW tatsächlich aus der Elektromobilität aussteigen möchte. Keine Frage, die beiden Modelle BMW i3 (rein elektrisch) und i8 (hybrid) sind ein wenig in die Jahre gekommen. Die Carbon-Strategie für die Karosserie hat sich nicht bewährt, BMW hat da einfach auf das falsche, weil wenig flexible, Pferd gesetzt. Dennoch sind auf den Mini und die in China und Deutschland geplanten i-Modelle große Hoffnungen gesetzt.

Sollte tatsächlich aus dem Aufsichtsrat oder dem Gesellschafterkreis nun ein (partieller) Stop für die Einführung dieser Elektrofahrzeuge gekommen sein, so wäre das dramatisch. Die kurzfristige Steigerung des Shareholder Value ließe sich hiermit noch erklären. Mittel- und langfristig muss jedoch BMW im Markt mit elektrischen Fahrzeugen dabei sein.

Das vor wenigen Jahren noch undenkbare – ein gemeinsames Fahrzeug mit …

Es sei denn, es käme tatsächlich relativ bald zu einer Zusammenarbeit mit einem weiteren Marktteilnehmer. Im Bereich der Wasserstoffantriebe soll bereits in diesem Jahr in Kooperation mit Toyota ein Wasserstoffauto auf den Markt kommen.

Und bei den rein elektrischen Fahrzeugen? Mir fällt dabei, jetzt mal ganz theoretisch betrachtet, natürlich zuerst der Name Mercedes-Benz ein, denn mit den Stuttgartern werden vor allem in Sachen Autonomes Fahren ja schon Zukunftsthemen gemeinsam angegangen.

Die Vorstellung, dass BMW zukünftig nur noch gemeinsam mit der Daimler Tochter Elektroautos baut, erscheint mir jedoch heute (noch) zu gewagt. Es sei denn der Druck auf den neuen Daimler CEO Ola Källenius und den Vorstand von BMW um Oliver Zipse in München ist inzwischen so hoch, dass man sich einer solchen gemeinsamen, elektrischen Strategie gegenüber öffnen muss.

Wir bleiben dran.