Berlkönig – Wer fährt so spät durch Nacht und Wind…

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Berlkönig – Wer fährt so spät durch Nacht und Wind…
Der Berlkönig (Quelle: ViaVan)

Und noch ein Sharing-Projekt in Berlin: Seit September 2018 hat der Berlkönig Fahrt aufgenommen. Wie der Name schon vermuten lässt, cruisen die schwarzen Vans mit der gelben Aufschrift in Berlin durch die Straßen. Die Analogie zu Goethes Erlkönig mag etwas platt sein. Und ich hoffe schwer, dass der Name nicht wie beim Erlkönig als Sinnbild für den Tod stehen soll, sondern eher für Schnelligkeit. In dieser Hinsicht verspricht Konzept dieses Projekts von Mercedes-Benz Vans und Via in Kooperation mit der BVG Erfolg zu haben. 

Ride-Sharing statt Taxi

Das Joint Venture von Mercedes-Benz Vans und Via, ViaVan, hat die Berlkönig-Flotte ins Leben gerufen. Nach London und Amsterdam sind sie jetzt also auch in Deutschland unterwegs. In schönster Marketing-Sprache wird das Angebot „digitaler Ride-Sharing Service“ genannt. Über die Berlkönig-App können registrierte User Fahrten buchen und bezahlen. An einem definierten Abholpunkt sammelt der Fahrer den Kunden ein und fährt ihn zu seinem Ziel. Hört sich an wie ein Taxi? Ja und Nein. Das besondere ist, dass die Fahrt mit anderen (fremden) Mitfahrern geteilt wird. Passt eine Buchung in die bestehende Route, sammelt der Fahrer auch diesen Kunden ein. Bis zu sechs Personen können in den Vans der Berlkönig-Flotte mitfahren. Unter den 50 Fahrzeugen befinden sich auch elektrisch betriebene Mini-Vans. Also teilt man sich nicht nur die Fahrten, sondern ist auch noch umweltschonend unterwegs. Beim Wort „teilen“ sei noch eines gesagt: Privatfahrten gibt es nicht. Auch vom Straßenrand kann man die Autos nicht einfach heranwinken. Schließlich will der Berlkönig ja gerade kein Taxi sein. 

Quelle: Mercedes-Benz-Vans

Preis schon vor der Fahrt fix

Die Mitfahrer zahlen jeweils nur die zeitoptimierte Route – schon vor Fahrtbeginn steht also der Preis fest. Umwege wegen Fahrtbündelung werden nicht einberechnet. Da sich das Projekt noch in der Testphase befindet, kostet momentan jede Fahrt vier Euro. In Zukunft sind allerdings ein Grundpreis von vier Euro und 1,50€/km veranschlagt, mit Aufschlag in Stoßzeiten. Wer für sich und Freunde bucht, zahlt übrigens nur für sich selbst den vollen Kilometerpreis, der Rest zahlt die Hälfte. 

Rund um die Uhr im Einsatz

24 Stunden, sieben Tage die Woche sind die Autos innerhalb des östlichen S-Bahn Rings, im Gesundheitsbrunnen- und Michaelangelokiez und im Komponistenviertel im Einsatz. Jeder ab 14 Jahren kann sich in der App registrieren und Fahrten buchen. Jeder Mitfahrer ist also namentlich im System bekannt und der Fahrer ist für die Sicherheit im Fahrzeug verantwortlich. So kann sich jeder an diesen wenden, falls er sich je unwohl fühlen sollte. Außerdem ist der Berlkönig bereits in die Fahrinfo-App der BVG integriert, wird also bei der Verbindungssuche angezeigt. 

Einsteigen mit QR-Code

Ein Feature, das ich besonders cool fand, als ich den Berlkönig das erste Mal auf dem new.New Festival in Stuttgart gesehen habe, ist die Schiebetür. Vom Türgriff keine Spur. Stattdessen ein QR-Code an dessen Stelle. Hat man eine Fahrt gebucht, bekommt man ein Ticket auf’s Handy. Mit diesem lässt sich die Türe dann ganz einfach öffnen. Nachteil: Wenn der Handy-Akku leer ist, ist auch das Ticket weg…

Einsteigen mit QR-Code (Quelle: Mercedes-Benz Vans)

Cooles Angebot mit Konfliktpotential

In Berlin werden immer mehr Sharing-Modelle auf dem Markt. Seien es Emmy, car2go, DriveNow, die Räder der DB und so weiter und so fort. Mit dem Berlkönig kommt nun noch eine weitere Art hinzu, sich Fortbewegungsmittel zu teilen und so zu versuchen, den Verkehr (hoffentlich) zu reduzieren. Eine, die wie Uber in den USA noch unmittelbarer der Taxi-Branche Konkurrenz macht. Laut den Stimmen auf dem new.New Festival wird das Angebot ziemlich gut angenommen. Und laut Webseite soll die Flotte mit der Nachfrage wachsen. Scheint also nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sich die ersten Taxiunternehmen (mal wieder) anfangen zu wehren. Vor allem wenn sich das Einzugsgebiet auf ganz Berlin ausweiten sollte. Aber um natürlich nachts nach Hause zu kommen, ist das ein sichererer Weg, als mit der U-Bahn oder zu Fuß – und vermutlich auch günstiger als ein Taxi. 

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