In den letzten zwölf Monaten ist einiges im Bereich Mobility Services in Deutschland und Europa geschehen. Neben der Umsetzung einiger Pilotprojekte wurde viel über unterschiedliche Ansätze, Anbieter, sowie Vor- und Nachteile diskutiert. Meiner Ansicht nach müssen wir die Zurückhaltung ablegen und die Umsetzung der Dienste endlich stärker in den Vordergrund rücken.

Schneller und grösser – erfolgreiche Mobility as a Service Projekte in Deutschland

In den letzten Monaten lag der Fokus in Deutschland vorwiegend auf kleinen Pilotprojekten, um zu zeigen, dass Ride Sharing, Pooling und co. einen Mehrwert für die Mobilität in unterschiedlichen Kontexten haben könnten. Begleitet wurden die Projekte mit ausschweifenden Diskussionen und Protesten von unterschiedlichen Stakeholdern.

Diese Zurückhaltung sollte 2019 schnell abgelegt werden. Mobility as a Service Projekte müssen in Deutschland größer gedacht werden (mehr Fahrzeuge, größeres Bediengebiet) und vor allem schneller ausgerollt werden. Nur so schaffen wir es, einen flächendeckenden Mehrwert für die Nutzer zu generieren und in eine Position der Stärke gegenüber den großen internationalen Anbietern zu gelangen.

Die führenden Anbieter werden teilweise nach den Börsengängen im kommenden Jahr mehr Geld und Power haben. Beides werden sie auch versuchen, hierzulande einzusetzen. Auch Taxi-Unternehmer, ÖPNV und weitere Verkehrsmittel im Bereich der Mikromobilität würden davon profitieren.

Mehr Innovationskraft auf kommunaler Ebene

Die lokalen Behörden und Verwaltungen sollten 2019 mehr dafür tun, dass innovative Mobilitätsangebote getestet und vor allem nachhaltig etabliert werden können. Im Bereich Mikromobilität übertreffen wir uns mal wieder mit Bürokratie, während andere Märkte an uns vorbeiziehen. Auch die Rahmenbedingungen in den Städten sind teilweise widersprüchlich zu dem Ziel, Fahrzeuge in den Innenstädten zu reduzieren.

Parkraumbewirtschaftung oder Genehmigung von Ride Sharing Diensten sind hier nur zwei Stichworte. In Berlin z.B. zählt der Besitzer eines Privatwagens nur eine geringe Verwaltungsgebühr pro Jahr für die Nutzung des öffentlichen Parkraums, Car Sharing Anbieter müssen für die Fahrzeuge die reguläre Parkgebühr bezahlen. Wie soll so ein Rahmen die Besitzer dazu bewegen, ihr Auto abzuschaffen und wie sollen Mobility as a Service Anbieter ihr Low Margin Business erfolgreich aufbauen und betreiben? Dass es auch anders geht zeigen einzelne Projekte. In Bamberg können mit Ausnahmegenehmigung kleine elektrische Scooter getestet werden und Hamburg hat vor ein paar Wochen grünes Licht und finanzielle Mittel für weitere 2 Jahre an Tests mit ioki gegeben.

Fortschritte beim Thema autonomes Fahren

Die Projekte mit ‚autonomen‘ Shuttles in Bad Birnbach und bei der BVG in Berlin waren ein guter Anfang. Wir dürfen nicht die Augen davor verschließen, dass die eingesetzte Technik von EasyMile, Navya und vergleichbaren Anbietern weit hinter Waymo, Cruise und weiteren Technologieführern zurückliegt. Ich wünsche mir, dass Anbieter und vor allem Behörden ähnliche Programme ermöglichen, wie in Kalifornien oder Arizona. Dort sind bereits autonome Fahrzeuge mit fortschrittlichster Technologie und teilweise sogar ohne Fahrer im kommerziellen Betrieb in der Fläche unterwegs. Wir dürfen uns nicht weiter abhängen lassen, sondern müssen Gas geben.

Für 2019 sollte die Vernetzung der unterschiedlichen Dienste im Vordergrund stehen, bisher agieren die einzelnen Anbieter vorwiegend in den eigenen Silos. Erfreulicherweise werden schon erste Ansätze getestet, die meisten davon haben aber keinen Fokus auf Europa. Eine Vernetzung von Angeboten für die gesamte Mobilitätskette ist entscheidend, um einen Baustein auf dem Weg zu weniger Fahrzeugen in den Städten zu schaffen.‘

Bildrechte: Augustin Friedel

______________________________________________________

Dieser Gastbeitrag erscheint im Rahmen unserer Serie für das Jahr 2019. Wir haben Mobilitätsexperten zu ihren Wünschen für das kommende Jahr befragt. Einen ersten Beitrag von Blickfeld Gründer und CEO Dr. Florian Petit gibt es hier:

https://emobilitaetblog.de/gespraech-mit-dr-florian-petit-von-blickfeld/