Hintergrundinformationen zum deutschen Logistikmarkt

Die Transport und Logistik Branche gilt als ausgesprochen konservativ. Über viele Jahrhunderte lagen die Warentransporte in den Händen von Familienunternehmen. Bestes Beispiel ist für mich, der ich einige Tage im Monat in Augsburg verbringe, die Fuggerfamilie, die unter ihrem Familienoberhaupt Jakob Fugger im 15. und 16. Jahrhundert zu unermesslichem Reichtum kam. Ihm gelang es dank exzellenter internationaler Verbindungen die Lieferungen von Geldern und Waren für Kirche und Privatleute zu übernehmen. Die Fugger waren verantwortlich für die Hochsicherheitstransporte für den Ablasshandel der Kirchen, die Logistik der Eisenerze aus den österreichischen und ungarischen Minen, den Transport der Stoffe aus Italien, usw. – eine logistische Meisterleistung in ihrer Zeit.

Die Corona Krise mischt die Karten neu und unterstützt die Digitalisierung in der Logistikbranche

Betrachtet man den europäischen Logistikmarkt heute, so belief sich das Logistikvolumen vor der Corona Krise auf über eine Billion Euro. Davon hat im Jahre 2019 die deutsche Logistikbranche knapp 280 Milliarden Euro umgesetzt. Sie ist damit in Deutschland seit dem Jahr 2010 kontinuierlich gewachsen.

Der europäische Anteil von Deutschland mit über 25 Prozent liegt nicht nur in der geografischen Lage im Herzen Europas begründet. Eine hohe Infrastrukturqualität und Logistik-Technologie sind die Basis für neue Geschäftsmodelle in der Logistik. Die Branche umfasst die Unternehmen aus den Bereichen Spedition, Transport, Lagerei, Umschlag und Verpackung. Die Dienstleistung Transport hat den größten Anteil am deutschen Logistikmarkt.

Deutscher Speditions- und Logistikverband (DSLV)

Die Bedeutung der Logistikbranche zeigt sich in den vielen Verbänden, welche die beteiligten Unternehmen auf allen Ebenen von Politik und Wirtschaft vertreten und beraten. Seit einigen Jahren vertritt der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV) e.V. als Dachorganisation die vielen deutschen Unternehmen aus der Speditions- und Logistikbranche. Der DSLV entstand aus dem Zusammenschluss des Bundesverbands Spedition und Logistik (BSL) und der Vereinigung Deutscher Kraftwagenspediteure (VKS).

Der DSLV ist ein Verband für die Interessen aller Spediteure auf nationaler und internationaler Ebene. Er vertritt sämtliche Unternehmen über alle Verkehrsträger hinweg, also aus Schiene, Lkw, Luft, See oder für Binnenschiffe. Ihm gehören rund 3.000 Unternehmen an, die insgesamt etwa 540.000 Beschäftigte aufweisen, der Hauptsitz des Dachverbandes befindet sich in der Hauptstadt Berlin.

Eine eigene Kategorie für die Logistik Startups auf unserem eMobilität Blog

Die Logistikbranche hat im Vergleich zur restlichen Mobilitätsbranche bereits recht früh Themen der sogenannten „Digitization“ integriert. In der Straßengüter-Verkehrsbranche wurden beispielsweise bereits vor 19 Jahren Telematik-Systeme eingeführt und viele Prozesse digitalisiert. Was jedoch auffällt, ist, dass sich die Prozesse seither kaum verändert haben. Erst in den letzten 2-3 Jahren, und auch eher vereinzelt, haben wir ernsthafte „Digitalization“-Ansätze durch Logistik Startups gesehen. Hier sind in Deutschland vor allem die reiferen Startups wie etwa Cargonexx, Sennder oder InstaFreight zu nennen.

Wir verfolgen auf dem eMobilität Blog das Ziel, den jüngeren Startups eine Plattform zu geben. Wir wollen die Jungunternehmer präsentieren, die noch vor dem Durchbruch mit ihren teils radikalen, digitalen Geschäftsmodellen stehen. Wir präsentieren sie in der eigens dafür geschaffenen Kategorie der Logistik Startups.

startport – eine Plattform für Logistik Startups im Rhein-Ruhrgebiet

Im Rhein-Ruhrgebiet haben sich in den vergangenen Jahren eine Vielzahl an Logistik Startups gegründet. Kein Wunder, denn das Ruhrgebiet und die beiden rheinischen Großstädte stehen seit Jahrzehnten für industrielle Produktion und deren Logistik. Der Duisburger Hafen als multimodale Verkehrs- und Logistikplattform verbindet Unternehmen aus der ganzen Welt mit den Märkten Europas.

Mit dem startport wurde eine eigene Plattform für junge Logistik Startups geschaffen, die physisch im Duisburger Hafen angesiedelt ist. „Die Industrie- und Logistikunternehmen am Standort Rhein-Ruhr müssen sich digitalisieren, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Wir geben ihnen die Werkzeuge dafür in die Hand,“ so erklärt Peter Trapp, Managing Director von startport, das Geschäftsmodell.

Einen Einblick in vielversprechende Jungunternehmen aus dem Rhein-Ruhrgebiet geben wir in diesem Bericht über die Logistik Startups von startport.

Bildrechte: krischerfotografie - startport in Duisburg Logistik Startups

Die großen Logistiker und ihre Innovationen

Die großen Logistikanbieter wie DHL, UPS, Maersk oder DB Schenker haben seit vielen Jahren im eigenen Haus auf Innovationsteams gesetzt. Doch viele der großen, traditionellen Anbieter tun sich schwer damit, digitale Innovationen in der Logistik zu entdecken, zu entwickeln und nachhaltig zu fördern. Sie setzten zunächst auf interne Innovation Days, Innovation Labs oder eigene Design Planungsstudios, um zukunftsfähige Projekte zu fördern.

Neue Wege beschreiten die Logistikunternehmen erst seit wenigen Jahren mit der Auslagerung von Logistik Labs für interne und externe Innovationsteams. In Augsburg hat beispielsweise der mittelständische Logistikdienstleister Andreas Schmid Group ein eigenes Lab Space7 gegründet, um hier außerhalb des Unternehmenssitzes Innovationsteams eine Plattform zu geben. In einem ausführlichen Interview erklärt uns der CEO Alessandro Cacciola den Hintergrund für dieses Innovation-Lab im Herzen von Bayerisch-Schwaben.

Bildrechte: AS Labspace - im Lager in Augsburg