Zwei Sharing Anbieter geben auf

0

Sharing Modelle sind en Vogue. Keine Woche vergeht, in welcher uns nicht einer der neuen Sharing Anbieter erfolgreich seine explodierenden Nutzerzahlen präsentiert. Denn Sharing ist Teil der heutigen Kultur. Nicht nur die Generation Y, sondern auch die älteren, kaufkräftigen Schichten haben das Teilen für sich entdeckt.

Und somit erreichen die Unternehmensbewertungen von airbnb, UBER & Co Schwindel erregende Höhen. Alles gut in der Sharing Szene. Nicht ganz, denn es gibt sie, die Sharing Anbieter, die scheitern. Zwei von ihnen haben wir uns näher angesehen.

„Seattle’s city-run bike-share program is dead“

Ausgerechnet in Seattle gibt es den ersten ‚Sharing‘ Misserfolg des Jahres zu beklagen. Die Heimatstadt der Tech-Riesen Microsoft und Amazon, von Starbucks, Nordstrom oder Weyerhaeuser – das sind alles Unternehmen aus der Fortune 500, die hier residieren. Und ausgerechnet hier ist ein Bike Sharing Experiment gescheitert.

Unter dem Namen Pronto war der Sharing Anbieter bereits 2014 gestartet. In der Zwischenzeit wurden mehrere Millionen Dollar investiert und doch ist der Service in der pulsierenden Stadt nie richtig angenommen worden. Woran liegt das?

Gründe für das Scheitern des Sharing Modells

Es gibt zwei Arten von Gründen, die für das Scheitern in Seattle angeführt werden. Die Betreiber der Plattform nennen als wichtigsten Grund die Helmpflicht für Fahrradfahrer in der Stadt. Eine Helmpflicht sei vor allem für die Touristen kein wirklich angenehmer Faktor beim gepflegten Fahrradritt durch die Stadt. Aber auch das hügelige Stadtbild und das regnerische Wetter in Seattle werden genannt.

Die Kritiker ausserhalb des Unternehmens sehen im schlechten Management den Hauptgrund für die anstehende Aufgabe. Ab Ende März wird Pronto nun tatsächlich eingestellt. Mangelnde Erfahrung mit Sharing Dienstleistungen, die zum Beispiel zu einer schlechten Verfügbarkeit der Räder führten, werden genannt. Aber auch Führungsstreitigkeiten im Management und mit den Stadtoberen führten zu einer steten Unruhe, auch und gerade in den schwierigen letzten Monaten.

Hier zeigt sich, dass es eben nicht reicht, mal eben ein paar Fahrräder auf die Straße zu stellen und zu hoffen, dass der Kunde den Service schon annimmt. Vielleicht fehlte dem städtisch geführten Sharing Anbieter auch einfach nur der viel gepriesene ‚Startup-Geist‘ und der unbedingte Wille, erfolgreich sein zu wollen. Elektrobikes suchte man zum Beispiel vergeblich in Seattle, gerade für die vielen Steigungen wäre das für Touristen eine willkommene Hilfe gewesen.

Hamburg kann Bike Sharing aber auch dort musste ein Sharing Anbieter aufgeben

Immerhin laufen in anderen Großstädten wie Amsterdam, Berlin oder Hamburg die Bike Sharing Dienste wie geschmiert. Hamburg bietet vielleicht vom Wetter her ähnlich schwierige Voraussetzungen wie Seattle. Und doch war es ein ganz anderer Grund, weshalb dort ein weiterer Sharing Anbieter aufgab.

Der eScooter Sharing Pionier Jaano gab vor wenigen Tagen auf seinem Blog bekannt, dass er ohne einen Investor leider den weiteren Betrieb seiner Roller einstellen müsse. ‚Leider hat außer uns und unseren Fans, keiner der großen Kapitalgeber oder die Stadt Hamburg, an Jaano geglaubt‘ so die Meldung auf dem Blog. Mit 50 Rollern habe man in den vergangenen Jahren über 5.000 Kunden zu echtem Fahrspaß in urbanen Räumen verholfen.

Auch wenn derzeit wenig Informationen nach aussen sickern, so steht doch fest, dass ein Sharing Anbieter für das schnelle Wachstum ein großes Portemonnaie benötigt. Nicht umsonst sind die großen der Branche wie UBER oder airbnb nach wie vor nicht profitabel. In den Aufbau der Infrastruktur, des Services oder auch der Marke müssen zunächst riesige Summen gesteckt werden. Das macht ein nachhaltiges Engagement auch so schwierig. Und so hat es für Jaano aus Hamburg einfach nicht gereicht.

Jüngstes Beispiel ist der Zweikampf der eScooter Sharing Anbieter in Berlin. Das von Bosch gelaunchte COUP wird dem First Mover Startup eMio in den kommenden Monaten kräftig Druck machen. Hier werden wir abwarten, wer sich in Berlin als Sharing Dienstleister durchsetzen wird.

Kommentar verfassen