Tesla scheint der Vorreiter der Elektromobilität zu sein und die deutsche Herstellerelite hinkt hinterher. Was vor kurzem in dem Artikel: „Wie Tesla die Autowelt in Atem hält“ auf Linkedin diskutiert wurde, ist ein spannendes Thema mit dem Potenzial der Grundsatzdiskussion: Ist die Zukunft der Elektromobilität gefährdet? Kommt die Elektromobilität wirklich?

Ein Kommentar von Marvin Eichsteller

Ich habe vor kurzem den Artikel: „Wie Tesla die Autowelt in Atem hält“ veröffentlicht und besonders auf LinkedIn fand dieser Artikel regen Anklang. Die Diskussion unter meinem Artikel war mehr als spannend, einige Verfechter des Diesels und des Verbrenners traten gegen Elektromobilitäts-Fürsprecher an. Heute würde ich mich gerne einigen Kommentaren stellen, analysieren wie die heutige Situation tatsächlich ist und mich auch erneut Tesla widmen.

Warum ist Tesla nicht im Relevant Set?

Laut YouGiv Markenmonitor (Stand April 2017) haben derzeit nur vier Prozent aller Autokäufer Tesla im sogenannten ‚Relevant Set‘. In der WiWo wird geschrieben, dass nur „vier Prozent aller Deutschen (ab 18 Jahren) bestätigen, Tesla für den nächsten Autokauf auf dem Schirm zu haben“. Und das verwundert mich nicht, denn Tesla spielt momentan mit dem Model X und dem Model S in einer Liga, die sich der Otto-Normalverbraucher einfach nicht leisten kann.

Ab ca. 70.000€ geht es mit dem kleinsten Batteriepaket im Model S los. Bei diesem hohen Preis habe ich leider auch noch keinen Tesla in meinem persönlichen ‚Relevant Set‘ des nächsten Autokaufs.

Doch wenn es um die Frage geht, einen reinen Elektroautohersteller zu benennen, so werden doch die meisten angeben, dass sie den Namen Tesla mit Elektroautos in Verbindung bringen. Nicht für den persönlichen Kauf des KFZ, sondern generell. Und mit dem Model 3 für den Preis eines BMW i3 könnte sich das Relevant Set doch maßgeblich ändern. Und zwar in Richtung der Einsteigerzielgruppe.

Reine Verkaufszahlen – Eine Vermutung warum Tesla schlechter abschneidet

Auch die reinen Verkaufszahlen lassen sich auf den Preis zurückführen, denn ein BMW i3 kostet neu knapp 37.000 €, einen Nissan Leaf gibt es ab 23.000 €. Die Förderung des Staates ist nicht berücksichtigt. Somit sind BMW i3 und Nissan Leaf definitiv Vorreiter der eMobilität, jedoch mit den derzeitigen Fahrzeugen aus Kalifornien von der Modellart und dem Preis nicht zu vergleichen. Sie sind Kleinwagen, sprechen eine andere Zielgruppe an und man kann den Preis finanziell eher verkraften.

Dieselskandal

Der Dieselskandal ist immer noch aktuell. Ich habe in Stuttgart studiert und viele meiner Kommilitonen dürfen mit ihrem jetzigen KFZ mit Diesel Aggregat nicht mehr in die Innenstadt. Die Angst zum Verlust an Mobilität geht um und leider wird auch die angekündigte Nachrüstung per Software-Update bei alten Fahrzeugen keine Lösung darstellen. Das Traurige ist, dass die Elektromobilität hier nicht der eventuelle Heilsbringer ist, sondern sogar der Verlierer sein könnte.

Horst Seehofer hat laut FAZ.net nämlich vorgeschlagen, zum Teil durch E-Auto-Fördermaßnahmen finanzierte Unterstützung für den Diesel zu leisten, wir haben berichtet. Er forderte, dass man für die Umrüstung von Taxis, Bussen und Müllautos mit Selbstzünder-Motor einen staatlichen Fonds zur Verfügung stellt. Dieser könnte sich auch aus nicht abgerufenen Mitteln zur Förderung von Elektromobilität speisen.

Was machen wir mit den nicht abgerufenen Mitteln zur Förderung von Elektromobilität?

Wenn Mittel für die Förderung von Elektromobilität nicht abgerufen werden, so ist die von Seehofer vorgeschlagene Mittelumwandlung natürlich die falsche Botschaft. Denn das Geld sollte nicht tatenlos herumliegen, sondern das Potenzial der eMobilität dann eben mit anderen Massnahmen vorantreiben.

Die Tatsache dass Tesla nicht auf die Regierungen in Sachen Netzausbau vertraut, sondern ein eigenes Schnellladenetz selber aufbaut, ist für mich ein falsches Signal. Ist der Netzausbau nicht staatliche Sache, bzw. sollte er nicht von den großen Energieunternehmen getragen werden und nicht vom Autobauer selbst? Warum können nicht benötige Gelder nicht vorerst in den Ausbau der Ladeinfrastruktur investiert werden? Ein Thema was meiner Meinung nach diskutiert werden muss.

Die deutsche Automobilindustrie

Die Diskussion über die deutsche Automobilbranche im Zusammenhang mit der Elektromobilität ist spannend. Oft wird der Vergleich Nokia und Apple heran gezogen. Meiner Meinung nach ist das der falsche Vergleich, denn die deutschen Automobilhersteller ziehen nach. In den letzten Wochen wurde von fast allen Herstellern bekannt gegeben, dass man zukünftig Millionen in die eMobilität investieren wolle.

Kein Vorreiter mehr – den Start verschlafen

Was viele in diesem Zusammenhang wundert ist, dass wir nicht, wie sonst üblich, der Vorreiter sind. Nein, es ist ein in Südafrika geborener Visionär, der äußerst gewöhnungsbedürftig über seinen Lieblingskanal Twitter kommuniziert, keine Werbung schaltet und eigene Milliarden für seinen Traum in die Hand nimmt. Die Rede ist von Elon Musk.

Wir haben den Start verschlafen, da gibt es keine zwei Meinungen, aber wir haben auch das Potenzial diesen Rückstand aufzuholen. Tesla bringt das erste Massenmarkt fähige Auto bereits dieses Jahr auf den Markt. Für jeden verfügbar ist dieses Model 3 wahrscheinlich im Jahr 2018 und die deutsche Herstellerelite plant sehr konservativ erst das Jahr 2020 für den Launch eigener Elektrofahrzeuge ein. Eine Designstudie ähnlich eines BMW i3 oder ein halbherziger Umbau à la e-Golf kann da nicht als Vergleich herangezogen werden.

Denn, wenn bei Tesla alles wie geplant verläuft, wird das Model 3 die Konkurrenz extrem schnell in den Verkaufszahlen überholen. Und so geben die Autohersteller zu:

„Tesla gehört zu den Wettbewerbern, über deren Fähigkeiten wir im Augenblick nicht verfügen.“ VW-Markenchef Herbert Diess gegenüber Inside

Weiter geht es um 9:00 mit der Grundsatzdiskussion, die es in sich hat. Ist die Elektromobilität in Deutschland überhaupt möglich? Zu Teil 2.

 

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