Elektromobilität überhaupt möglich?

Eine Grundsatzdiskussion, die es in sich hat. Ist die Elektromobilität in Deutschland überhaupt möglich? Ist die Technik so weit, dass die Batterien lange genug halten, das Stromnetz die Energie bereitstellen kann und wie sieht es mit der Ladeinfrastruktur und den Ladepausen auf.

Nutzungsart eines Elektroautos

In der Praxis lädt man sein Elektroauto oft nur 15 bis 20 Minuten. Mit einer gut ausgebauten Ladeinfrastruktur sind kurze Stopps kein Problem, denn die Nutzungsart eines Elektroautos ist anders als beim Verbrenner. Oder sollte im Idealfall anders sein.

Elektroautos lädt man am besten, wenn man kurz im Shopping Center ist, einen Stopp für einen Kaffee einlegt, in der Nacht schläft oder während der Arbeitszeit im Büro. Unser Verhalten wird sich ändern, denn hier spielt keine Rolle, wenn der Tank gegen Null geht, sondern geladen wird immer dann, wenn das Auto abgestellt wird. Dies wäre die gängige Praxis um den alltäglichen Bedarf zu decken.

Batterien – Wie lange halten sie überhaupt?

Gehen wir auf einen der führenden Hersteller von Akkus für Elektroautos ein. Tesla baut in seiner Gigafactory die Batterien für alle Modelle von S bis X über 3. Geplant ist eine Kapazität der Fabrik von 1.000.000 Akkus jährlich. Die Akkus von Tesla haben eine Garantie von 8 Jahren oder 200.000 km. Danach werden sie nicht entsorgt, sondern können weiterverwendet werden. Zum Beispiel können Akkus mit einer Kapazität von 70% problemlos als Pufferbatterie für Solaranlagen verwendet werden. Als Positivbeispiel für langlebige Batterien kann auch der Toyota Prius genannt werden, der als Hybrid Modell schon lange die Straßen bevölkert und Akkus mit einer Einsatzzeit von über 15 Jahren hat. Vernünftiges Lademanagement hilft hier, dass die Kilometer  mit einer stabilen Batterie bis zur Millionen nur so runterlaufen.

Reichweite der heutigen Autos

Hier müssen wir uns die Frage stellen: wie viele Kilometer legen wir realistisch am Tag zurück. Ich pendele jeden Tag zur Arbeit, Gesamtstrecke 150 km plus kleinere Strecken zum Sport. Komplett betrachtet dürften bei mir nicht mehr als 200 gefahrene Kilometer täglich auf der Uhr stehen. In Deutschland zeigen Studien das Rund 90 Prozent der Pkw in privaten Haushalten weniger als 100 Kilometer am Tag zurück legen. eMobilität blockiert also hauptsächlich bei der Fahrt in den Urlaub, aber auch hier werden die Strecken von 1.000 km und mehr, nicht an einem Stück zurück gelegt. Das Tesla Model S hat (in einer nicht relevanten Fahrweise) sogar die 1.000 km an einem Stück geschafft. Die Reichweite sollte also auch nicht das Argument gegen die eMobilität sein.

Strombedarf von Elektroautos

Die Deckung des Strombedarfs für Elektroautos ist eine andere Frage. Berichte sagen, dass eine nächtliche Ladung ohne Probleme möglich wäre. Die Ladeinfrastruktur ist dabei auf jeden Fall der Punkt, an dem es momentan die größten Probleme zu geben scheint. Es gibt fast 50 verschiedene Abrechnungssysteme (die untereinander nicht immer kompatibel sind) und das blockiert bei der einfachen Nutzung. 

Hat jedoch jeder Besitzer die Möglichkeit sein Auto zuhause zu laden, so benötigt er tagsüber weniger Energie für die Ladung seines Elektroautos und startet mit einem „vollen“ Tank in den Tag. Und bei einer Reichweite von ca. 300 km sollte auch jeder Pendler mindestens zur Arbeit kommen. Jedes Elektroauto verdrängt weiterhin einen Verbrenner, die Nachfrage nach Benzin & Diesel fällt und kann zu einer Reduktion des Stromverbrauches auf der Raffinerie-seite führen. Es gibt Berechnungen die zeigen, dass die Energieeinsparung bei der Aufbereitung von Treibstoff für Verbrenner ca. die Hälfte an E-Autos versorgen könnte. D.h. nichts anderes als dass die Aufbereitung in einer Raffinerie so viel Energie benötigt, dass mit der benötigten Energie für 2 Verbrenner ein Elektroauto mit 15.000km Jahreslaufleistung (16kwh/100km) fahren kann. Dies bezieht sich nur auf die Energie, die verbraucht werden muss, um die Kraftstoffe zu produzieren, nicht auf die Benutzung des Kraftstoffs.

Weiterhin gibt es den Fakt, dass Deutschland im Jahr 2016 rund 50 Milliarden Kilowattstunden für das Ausland produziert hat. Warum also nutzen wir diese Energie in Zukunft nicht für unsere Elektroautos?

Zwischenspeicherung

Die Frage, die in diesem Zusammenhang jedoch immer noch geklärt werden muss, ist, wie eine erfolgreiche Zwischenspeicherung erfolgen kann. Können vielleicht hier sogar Elektroautos als Zwischenspeicher fungieren, also Strom untereinander austauschen. Hier gibt es relevante  Bedenken, die von der Industrie noch gelöst werden müssen. Da die Umstellung jedoch nicht ad hoc funktionieren kann, gibt es hier noch Zeit zur Lösungsfindung.

Finanzierung & Aktienverhalten von Tesla

750 Millionen Dollar Verlust im letzten Jahr bei einem Umsatz von 7 Milliarden Dollar. Doch trotzdem ist der Aktienkurs um 67 Prozent gestiegen und Tesla ist an der Börse inzwischen mehr wert als Ford oder GM. Man sieht, dass die Aktionäre den Innovator aus Kalifornien fördern, gar hypen. Würde das auch funktionieren, wenn die großen dt. Hersteller solch massive Investitionen ankündigen würden? Ich bin mir unsicher, ob die Aktionäre die Verluste der ersten Jahre in solch einem Maße mittragen würden. Realistischerweise führt jedoch kein Weg an einem signifikanten Investment vorbei, will man den Rückstand zu Tesla aufholen.

Mein Fazit

Im Grundsatz scheint die Elektromobilität möglich. Tesla ist der führende Autobauer in diesem Feld und auch die deutschen Autobauer haben das bereits erkannt. Wir müssen also definitv auf Tesla aufpassen, denn wir brauchen momentan zu lange, um attraktive Elektroautos auf den Markt zu bringen. Die Investitionen der Herstellerelite wurden angekündigt, die Concept Cars werden auf der IAA im September vorgestellt. Mich interessiert, ob es Concept Cars bleiben, oder ob wir zeitnah mit einer Umsetzung rechnen können. Können die eigentlich führenden Deutschen Automobilhersteller das Model 3 noch einholen, wenn Tesla die avisierten Absatzzahlen schafft? Und schafft es die deutsche Infrastruktur momentan überhaupt?

Zum Schluss kann man sagen:

Man muss kein Fan der Elektromobilität sein, aber sie wird kommen.

Das ist aus meiner Überzeugung eine Tatsache. Also diskutieren wir weiter, ob es unser Stromnetz aushält, die Batterien nicht lange genug halten und die Infrastruktur für die Anforderungen nicht ausreicht usw.

Oder wir gehen die Probleme an. Nutzen wir unser Know-How, die finanziellen Möglichkeiten und bauen mit Rückhalt der Politik eine vernünftige Netzwerk-Infrastruktur und verkaufen einfach weniger Strom an unsere Nachbarn. Nutzen wir die Energie für unsere Elektromobilität.

Oder fehlt uns dafür etwa ein Visionär wie Musk? Ich denke nicht, denn wir waren Visionäre in der Automobilbranche und sind es immer noch. Vielleicht etwas müde geworden, aber aufwachen können wir immer noch. Denn noch ist es nicht zu spät und die Elektromobilität ist ein Langstreckenrennen, kein Sprint.

 

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