Ich habe eine Checkliste mit Dingen, die ich während meines Aufenthaltes in den USA erleben möchte. Als Verfechterin von nachhaltigen Innovationen und Ride-Sharing Modellen stand UBER verstehen relativ weit oben auf meiner Liste. Verstehen, weil ich es eben nicht einfach nur nutzen möchte. Ich will nachvollziehen warum trotz der Skandale um das Unternehmen immer ein UBER in meiner unmittelbaren Nähe ist, wenn ich es bestelle. Lohnt sich das denn tatsächlich für die Fahrer?

Rechtliche Auseinandersetzungen mit der Taxigewerkschaft in Chicago

Über UBER in den USA schwebt immer wieder die dunkle Wolke der Taxigewerkschaften, die sich überall auf der Welt von dem Unternehmen bedroht fühlen. Erst Ende März 2016 ist die Diskussion in Chicago wieder aufgekocht. Bereits seit Herbst 2015 versuchen die Gewerkschaften rechtlich gegen Plattformen wie UBER oder LYFT anzugehen, bisher vergeblich. Jetzt soll es ans U.S. Supreme Court gehen. Taxifahrer auf UBER anzusprechen ist übrigens gar keine gute Idee.

In Deutschland ist UBER nur geringfügig vertreten, denn den UBER Fahrern fehlen die entsprechenden Lizenzen, die man in Deutschland benötigt um Passagiere zu transportieren. Im März 2015 wurde UBER POP deutschlandweit verboten – das freut natürlich vor allem deutsche Taxifahrer.

Zu viele Skandale in der UBER Story?

Wir haben gestern schon angesprochen, wie UBER funktioniert und welche Idee hinter dem Startup steht. Was als Fahrtenvermittlung per Fingertipp begann ist heute hoch individualisiert, jeder findet was er sucht, ob günstiges Ride-Sharing via UBER POOL oder ganz exklusiv mit UBER Black Caps. UBER scheint am innovativen Puls der Zeit zu sein und seinen Kunden maßgerechte Lösungen liefern zu können.

Das Unternehmen macht nicht nur durch seine Erfolgsgeschichte auf sich aufmerksam, sondern es scheint mit Skandalen groß geworden zu sein. Von Datenschutzverletzungen über Mobbing, Sexismus-Gerüchte und Algorithmen, die Testfahrten von städtischen Kontrolleuren automatisch ablehnten, bis hin zu Protesten gegen die Ausbeutung der UBER Fahrer. Ich habe einfach mal nachgefragt, was die UBER Fahrer antreibt und ob sich das wirklich lohnt.

 “Well, you better like driving and talking to people because otherwise you gonna have the recipe for ultimate disaster”

UBER Fahrer sind generell immer sehr nett. Klar, denn so wie sie mich bewerten können, bewerte auch ich meine UBER Fahrer. Man hat immer nette Gespräche und gerade im UBER POOL kann es wirklich lustig werden. Auf meine Nachfrage ob sich UBER denn überhaupt lohnt kam bis jetzt meistens ein „Sure, it’s okay“ zurück. Meistens ist dann doch erst im Laufe des Gesprächs durchgekommen wie zufrieden die UBER Fahrer tatsächlich mit ihrem Arbeitgeber sind.

Die meisten Fahrer mit denen ich gesprochen habe, fahren in Teilzeit für UBER. Bessern die Rente auf, fahren am Wochenende oder nehmen Leute nur auf den Strecken mit, die sie sowieso fahren würden. Alles in allem hat aber kein Fahrer ein schlechtes Wort auf UBER kommen lassen. Klar, man möchte dem Kunden ja nicht erzählen, dass der Service, den er nutzt eigentlich gar nicht mal so toll ist.

Wie geht es dem UBER Fahrer dabei?

„You know UBER treats us well, for me it would never be enough for living but it’s great to get some extra cash”

Es hat mich irritiert, dass die meisten Fahrer nicht sagen, dass sie richtig zufrieden mit ihrem Arbeitgeber sind. UBER Fahrer sind formal selbstständig und auch wenn sie die Route ihrer Fahrt erst angezeigt bekommen, wenn sie die Fahrt angekommen haben, können sie sich jederzeit ausloggen oder Fahrten ablehnen oder beenden. Das Unternehmen spart sich dadurch zwar Personalkosten in Milliardenhöhe aber kann seine Fahrer auch nicht dazu zwingen, Fahrten anzunehmen.

So werden die UBER Fahrer immer wieder mit extra Boni gelockt, doch noch eine Runde zu fahren. Häufig blinkt bei den UBER Fahrern schon die nächste Fahrt auf noch bevor sie mich abgesetzt haben. Damit bloß keine Langeweile aufkommt. Eine Fahrerin erzählte mir, dass größtenteils Männer fahren und deshalb die SMS von UBER nur noch von weiblichen Absendern kämen. UBER hat also schon seine Methoden um die Fahrer dazu zu bringen möglichst häufig zu fahren. Denn nur wenn mein UBER schnell bei mir ist, habe ich als Kunde einen richtigen Mehrwert.

UBER bekommt 25% des Fahrpreises und kümmert sich nicht darum, wie viele Stunden die Fahrer bereits unterwegs sind oder ob sich Abnutzungs- und Spritgebühren gegen die Einnahmen rechnen. Die UBER Fahrer, die ich gefragt habe denken nicht darüber nach ob sich das Fahren mit ihrem Privatauto auf lange Sicht lohnt.

Alternative? How about LYFT?

Wenn man mal ein bisschen genauer hinschaut erkennt man häufig beide Aufkleber an der Windschutzscheibe. Zum einen den schwarzen von UBER und daneben den knall-pinken von Konkurrent LYFT. Mehr über den Wettbewerb und einen genauen Vergleich zwischen den beiden Anbietern gibt es übrigens am Freitag… Morgen dann gehen wir der Frage nach, ob UBER als App eine Zukunft hat auf unseren Smartphones. Hier geht es zum Artikel dazu.

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