Volkswagen, größter europäischer Automobilhersteller und mit VW, Audi, SEAT,ŠKODA, Bentley, Bugatti, Lamborghini, Porsche und Ducati in unterschiedlichsten Segmenten des Endkundenmarktes aktiv, hat einen neuen Konkurrenten in seinen Scope aufnehmen müssen. Und dieser ist der bekannte Innovator Tesla aus Kalifornien, der mit seinem ungewöhnlichen CEO Elon Musk erhebliche Schlagzeilen macht.

Noch verkauft Volkswagen die meisten PKW im Massenmarkt, doch dies könnte sich im zukünftigen Markt der Elektrofahrzeuge ändern. Denn die Kalifornier stoßen mit dem Stromer Model 3 in ein Segment vor, das nicht mehr nur im ursprünglichen Premiumsegment des Herstellers angesiedelt ist. Momentan produziert man zwar noch in geringer Stückzahl, jedoch will Musk bereits 2018 die 500.000er Herstellungsmarke knacken. Das Kompakt Segment, Volkswagens Goldgrube, wird also angegriffen und deshalb gilt Tesla mittlerweile als einer der härtesten Konkurrenten.

VW Markenchef Herbert Diess bestätigte gegenüber der Automobilwoche, dass er Tesla als großen Konkurrenten ernst nimmt: „Tesla wird sich mit seinem innovativen Geschäftsmodell nicht nur auf das Premiumsegment beschränken, sondern seine Fähigkeiten auch auf das Volumensegment auszurollen versuchen. Daher fokussieren wir uns im zukünftigen Wettbewerb sehr stark auf Tesla und weniger auf Toyota oder Hyundai“, sagte VW-Markenchef Herbert Diess dem Fachblatt.

I.D. Modell – früher als geplant

Die Pläne von Volkswagen sind nun „früher als geplant mit einem geeigneten I.D.-Modell“ den Kaliforniern zu begegnen, so VW-Strategiechef Michael Jost (Branchenzeitung). Der Stromer soll sich zwischen Model 3 und Model S positionieren und bei Preis, Leistung und Reichweite auf den Markt in den USA zugeschnitten werden. Klingt nach einem schnellen Zeitplan. Ist aber keiner, denn die Markteinführung ist trotzdem erst 2021 vorgesehen.

Zu spät?

Ein oft diskutiertes Thema ist die verspätete Zusage der Hersteller, Elektromodelle auf den Markt zu bringen. VW bringt seinen Tesla Konkurrenten erst 2021 auf den Markt. Andere Hersteller wie BMW planen ebenfalls Markteintritte in diesen Zeiträumen – MINI 2019, x3 2020. Tesla wird nach seinen Plänen bereits zu diesem Zeitpunkt die 500.000er Marke an gefertigten Model 3 überschritten haben. Es könnte also sehr knapp für die deutschen Hersteller werden. Wie Volkswagen die I.D. Markteinführung in Europa sieht, weiß man derzeit ebenfalls noch nicht. Für Europa wurden bisher ein Crossover, der I.D. Buzz (Minibus) und ein Kompaktwagen angekündigt.

Keinesfalls zu spät!

„Mit unserem Elektrobaukasten sind wir der Konkurrenz weit voraus. Darauf werden wir mehrere Millionen Fahrzeuge für die großen Märkte USA, Europa und China bauen“, so der Strategiechef. Die Fahrzeugarchitektur MEB soll es richten und könnte der Schlüssel zum Erfolg sein. „Der Modulare Elektrifizierungsbaukasten (MEB) ist ein Baukastensystem für die Herstellung von Elektroautos.“ Volkswagen Magazin

Fahrzeugarchitektur MEB

Zusammenhängend mit den ehrgeizigen Plänen, in den nächsten Jahren 30 neue Batterie-Elektrofahrzeuge auf den Markt zu bringen, wurde der Elektroauto-Baukasten MEB entwickelt. Konzernweit eingesetzt, d.h. auch für Skoda, SEAT & Co, soll man damit die Konkurrenz übertrumpfen können.

Erfahrungen hat man mit dem Baukasten bislang nur wenige gemacht, denn es wurden bisher nur e-Konzeptfahrzeuge auf dem MEB basierend gebaut. Der e-Bus BUDD-e, der I.D. und der I.D. BUZZ basieren auf der Fahrzeugarchitektur.

2015 erfolgte der Start von MEB und man gibt bei Volkswagen an, bereits große Fortschritte erzielt zu haben. „2020 soll das erste e-Auto im Stil des I.D. in Serienfertigung gehen“. Im Frühjahr dieses Jahres sollte „der Abschluss der sogenannten Frühen Phase“ erfolgen. „Wie schnell sich die e-mobility dann in Zukunft verbreiten wird, hängt allerdings noch von anderen, vor allem infrastrukturellen Faktoren ab.“

Großserienfertigung

„Laut der Strategie „Transform2025+“ will Volkswagen 2025 eine Million e-Autos pro Jahr verkaufen, verteilt auf rund 30 verschiedene Modelle quer durch die Konzernmarken.“ Volkswagen Magazin

Damit ist die Großserienfertigung von Elektrofahrzeugen nur auf Basis des Baukastens möglich. Volkswagen nennt den modularen Elektrifizierungsbaukasten eine „Investition in die Zukunft der Mobilität. Ein Meilenstein für die Volkswagen Vision.“

Weitere bekannte Modelle

Markenvorstand Welsch zufolge könnten auch bestehende Baureihen wie Golf, Tiguan oder Passat den Weg in die Elektromobilität finden und das mit der Plattform MEB.

„Mehr als die Hälfte der auf dieser Architektur aufbauenden Modelle sind keine Volkswagen“

Anscheinend ist das Interesse der VW-Tochtermarken an der Plattform hoch. Skoda plant fünf reine und teilelektrische Modelle bis 2025. Auch SEAT plant in Richtung Elektro, ist sich aber noch unschlüssig, ob vollelektrisch oder hybrid.

Premiummarken – Eigenregie

Anders als beim Mutterkonzern werden die Premiummarken ihre Elektroautos in Eigenregie aufbauen. Dies betrifft Audi mit seinem für 2018/2019 geplanten SUV e-tron quattro und Porsche mit dem Mission e. Porsche baut somit auch den Macan wahrscheinlich auf einem eigenen System auf.

Forschungsfahrzeug e-volution

Beim Electric Vehicle Symposium wurde das Forschungsfahrzeug e-volution vorgestellt. Der Stromer, basierend auf dem Cayman, beschleunigt in 3,3 Sekunden Null auf Hundert und soll 200 Kilometer Reichweite haben. „Es ist ein Fingerzeig in Richtung 2019, wenn Porsche mit dem Mission E seinen ersten rein elektrobetriebenen Sportwagen in Serie bringt, der über eine Reichweite von über 500 Kilometer verfügen und innerhalb von 15 Minuten seine Batterien bis zu 80 Prozent laden wird“

Fazit

„Mit unserem Elektrobaukasten sind wir der Konkurrenz weit voraus.“ Eine Aussage, die aus dem Kontext genommen, etwas provokant wirkt. Schaut man sich die Pressemeldung im Volkswagen Magazin an, sieht man ein Konzept, welches erst 2020 komplettiert wird. Ein Update erfuhr übrigens die Website anscheinend länger nicht mehr, da der Satz „der Abschluss der sogenannten Frühen Phase der Entwicklung steht im Frühjahr 2017 unmittelbar bevor“ nun mittlerweile vorbei sein sollte. Ein weiteres Update im Herbst wäre ganz schön. Wie weit ist die Plattform MEB? Nutzen bereits die Tochterkonzerne das System? Warum wird das System nicht von den Premiumherstellern genutzt? Einige Fragen, deren Beantwortung spannend wäre. Volkswagen ist gerne eingeladen, den Beitrag zu kommentieren J

Dass man Tesla auf dem Radar hat, war mir klar. Dass die Fokussierung jedoch „sehr stark auf Tesla“ liegt, finde ich sehr interessant. Können sich die Hersteller in Deutschland etwas vom Innovator aus Kalifornien abgucken oder ist die abwartende Haltung gerechtfertigt.
Ich habe schon oft Kommentare unter meinen Beiträgen gelesen, dass die Elektromobilität es nicht schaffen wird. Die deutschen Hersteller investieren einige Milliarden in Konzepte & Systeme der eMobilität, werden ihre Modelle jedoch erst um 2020 auf den Markt bringen. Uns steht eine spannende Zeit bevor.

 

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