Es gibt viele Theorien zur Zukunft der Elektrofahrzeuge und des Stromnetzes. Viele befürchten, dass es nicht machbar sei, alle Verbrenner durch Elektrofahrzeuge zu ersetzen. Das Stromnetz halte den spontanen Anforderungen des gemeinschaftlichen Ladens nicht stand und mindestens ein Blackout sei die Folge. Was könnte die Zukunft bringen?

Regelmäßiger Kollaps befürchtet

Einige kritische Hochrechnungen zeigen was passieren würde, wenn nur ein geringer Prozentsatz deutschlandweit gleichzeitig laden würde. Vorausgesetzt, es wären nur noch Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs. Es ist dann von dutzenden neuen Kohlekraftwerken oder tausenden benötigten Windkraft-, bzw. Solaranlagen die Rede, welche benötigt würden. Diese nähmen eine gigantische Fläche ein. Es wird über ein Verkehrschaos geschrieben, welches verursacht wird durch die langen Ladezeiten, da die Ladeinfrastruktur noch nicht weit genug ausgebaut ist. Das beträfe insbesondere die Reisezeiten.

Was die Kritik oft vergisst

Sicherlich werden sämtliche elektrisch betriebenen Fahrzeuge nicht gleichzeitig geladen werden. Dafür werden Lastmanagement-Systeme in einem Smart-Grid sorgen. Über Smart-Grids lässt sich die Ladung wunderbar über den Tag verteilen. Die Ladung erfolgt, wenn genügend Strom vorhanden ist. Zudem muss sicherlich nicht der gesamte Akku aufgeladen werden. Im Schnitt fährt ein Auto ca. 40 km pro Tag. Meist erfolgt eine zwischenzeitliche Ladung für kurze Zeit. Ladungen von fast 0% auf 100% sind die Ausnahme.

Deutsche Autos legten im Jahr 2016 ca. 363 Mia Kilometer zurück. Bei einem durchschnittlichen Stromverbrauch von ca. 18 kWh / 100 km sind das 115 Mia kWh um diese Strecke elektrisch zu bewältigen. Das sind wiederum ca. 18% der in Deutschland im Jahr 2016 erzeugten Bruttostrommenge. Das entspricht etwa der doppelten Strommenge, die Deutschland 2016 ins Ausland verkaufte. Zu diesem Zeitpunkt war die Hälfte der Atomkraftwerke bereits abgeschaltet.

Die Ladung der Fahrzeuge kann über eigene PV-Anlagen und Speichertechnologien erfolgen. Die Fläche der deutschen Dächer reicht bei Weitem aus um eine komplette Umstellung auf Elektrofahrzeuge mit Strom zu versorgen. Rein rechnerisch natürlich, denn es gibt ja noch die Problematik mit dem Wetter und dem Tag-Nacht-Zyklus. Allerdings können viele Windkraftanlagen zur Unterstützung herangezogen werden.

Noch einmal zurück zum Smart Grid

Ein Smart-Grid wird es sicherlich sehr spät für ganz Deutschland geben, wenn überhaupt. Das ist auch wenig praktikabel. Regionale Smart-Grids können in einzelnen Dörfern, Städten, Stadtteilen die Ladungen so steuern, dass die Netze nicht überlastet werden und die Ladung so erfolgt, dass hauptsächlich Strom aus regenerativen Quellen verwendet wird, oder wenn er gerade günstig ist.

Laute Gedanken

Für mich persönlich hat die Kritik an der Umstellung auf Elektromobilität und die Energiewende oftmals einen wenig fundierten Rahmen. Auch ich bin kein Experte auf dem technologischen Gebiet und kann nur wiedergeben, was ich in Kreisen der Wissenschaft lese und mitbekomme. Tatsache ist jedoch, dass die Umstellung auf Elektrofahrzeuge langsam geschieht. In Norwegen wird seit Jahren deutlich mehr für die Umstellung getan und erst im Juni diesen Jahres wurden erstmals mehr Fahrzeuge mit Elektromotor angemeldet, als reine Verbrenner. Von dort hörte ich noch nichts von einem Kollaps.

Wir haben in Deutschland ein hohes Know-How im technischen Bereich. Natürlich wäre eine derart große Masse Elektrofahrzeuge eine neue Dimension. Aber andererseits wird alles zunehmend effizenter. Damit sind alle Bereiche gemeint, die Strom verbrauchen. Es wird sicherlich einen Zuwachs des allgemeinen Stromverbrauchs geben, aber es wird auch ein gewisser Ausgleich stattfinden. Vielleicht wird es zu einzelnen, regionalen Überlastungen kommen, aber ich bin zuversichtlich, dass der große Blackout ausbleibt.

2 KOMMENTARE

  1. Zu 💯% kann niemand einen Blackout ausschließen. Das hat aber nichts mit der Elektromobilität zu tun!

    Bei der Diskussion wird viel zu wenig über Neubau, über Dezentralisierungen, über zentrale und dezentrale Speicher, über Süd-, Südost- und Nordlink geredet. Und der Nordlink muss nicht die einzige Verbindung im Nordsee-/Ostseeraum sein.

    Deutschland schafft sich sicherlich derzeitig mit der Fixierung auf die 22 kW Anschlüsse ein Problem. Für das langsame Laden (über Nacht bzw. 8h auf Arbeit) ist er zu teuer (wer parkt in der Nacht sein Auto um?) und für das Schnellladen bei Autos mit größerem Speicher (wenn man ehrlich ist) auf der Langstrecke zu langsam. 11 kW und 3,7 kW Anschlüsse wären für unsere Stromnetze in Wohngebieten verträglicher. Nur müssen dann die Ladepunkte auch preiswerter werden.

    Natürlich braucht man wie in anderen Ländern auch Schnellladestation und nicht nur vereinzelte Schnellladesäulen an oft unglücklichen Standorten. Die könnten dann auch mit Batteriespeichern als Puffer ausgerüstet werden. Wer würde (in Deutschland) seinen Verbrenner direkt aus dem Tankwagen oder einer Leitung von einem großen Tanklager betanken? Jede Tankstelle hat für jede Treibstoffsorte einen großen Tank. Nur der Strom muss unmittelbar aus dem Stromnetz kommen? Auch halte ich viel von der Begrenzung der Zeit an der Schnellladesäule (einschließlich Bezahlung) auf 1/2 Stunde, wie es zum Teil in anderen Staaten üblich ist. Für die neuen Autos mit 60 kWh Accu wäre dann der 150 kW-Anschluss angezeigt.

    Mit dem „Blackout durch Elektroautos“ sollen entweder Versäumnisse verschleiert oder die direkte Ablenung der Batterieautos medienfreundlicher vermittelt werden.

  2. „… es gibt ja noch die Problematik mit dem Wetter und dem Tag-Nacht-Zyklus. Allerdings können viele Windkraftanlagen zur Unterstützung herangezogen werden.“
    Hier wird wieder einmal der Unsinn von der Ergänzung der PV durch Wind bemüht. Der tägliche Totalausfall der PV ist durch den Tag-Nacht Rhythmus bedingt, die Schwankungen der Erzeugung aus Wind dagegen sind stochastischer Natur – weitgehend zufällig. Hinzu kommt, dass in Mitteleuropa in das Quartal Nov.-Dez.-Jan. in Summe nur etwa 8% der Jahreserzeugung fallen.
    Was wir brauchen, ist eine Neubewertung der realistischen Risiken der Kernenergie (einschließlich Entsorgung) und eine Abkehr von der längst widerlegten LNT Risikofunktion für ionisierende Strahlung.

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