Typ 2 Stecker und was sind eigentlich Kilowatt?

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Mennekes Typ 2 Stecker nach ICE 62196-2 für Ladestation (links) und Fahrzeug (rechts)
Bildquelle: mennekes.de

Wirklich einleuchtend: Stromsteckdosen und Stecker sollten idealerweise überall zusammenpassen. Im Haushalt haben wir das mit seit den 1920er Jahren mit dem Schutzkontakt-System gelöst, das von Siemens zum Patent angemeldet war.

International regeln ICE und CEE (Commission on the Rules for the Approval of the Electrical Equipment) heute alle Spezifikationen und Standards von Elektrozubehör wie Steckdosen und Steckern.

Typ 2 Stecker Standard in Europa

Über Ländergrenzen einheitliche Systeme einzuführen ist nur möglich, wenn man ganz zu Anfang schon zusammenarbeitet. Dies ist im Bereich der eMobilität zumindest teilweise gelungen. Die EU-Kommission in Brüssel hat Anfang 2013 den in Deutschland entwickelten Typ 2 für den Ladeanschluss von Elektrofahrzeugen zur gemeinsamen Norm für ganz Europa vorgeschlagen. Im April 2014 hat das EU-Parlament diesen Gesetzentwurf verabschiedet und wir haben somit einen Standard für Ladesteckvorrichtungen in ganz Europa.

Wie kommt man von 230 Volt zu Kilowatt?

Zurück zur Schuko-Haushaltssteckdose, wie diese in Deutschland oder Österreich verwendet wird. Diese liefert Wechselstrom (AC) mit einer Spannung von 230 V und bis zu 16 Ampere, also bis zu einer Leistung von 3.680 Watt (230 V * 16 A = 3.680 kVA = 3,68 kW). Wird diese Leistung überschritten, schaltet in der Regel die Sicherung ab.

Beispiel: Wird ein Föhn mit einer Leistung von 2.000 Watt in eine Steckdose mit einer Spannung von 230 Volt gesteckt und auf maximaler Stufe angeschaltet, fließt der Strom mit einer Stärke von 8,7 Ampere.

Lasse ich den 2 kW Föhn 1 Stunde lang laufen, verbraucht er 2 Kilowattstunden = 2 kWh; der Strompreis für eine kWh beträgt je nach Tarif um die 0,25 €.

Laden an der Haushaltssteckdose?

Lade ich den Tesla S mit der kleinsten Batterie von 40 kWh Speicherkapazität auf, kostet das aus der Steckdose ca. 10,- €, die großen Teslabatterien mit 85/90 kWh aufzuladen also über 20,- €.

40 kWh Laden dauert bei der Maximalabgabe von 3,68 kW an der Schuko-Steckdose also mindestens 11 Stunden. Das ist für die lokale Nutzung und kleine Reichweiten okay, nicht aber für lange Strecken.

Warum braucht man überhaupt einen Typ 2 Stecker?

Neben dem Schukostecker gibt es den Typ 2 Stecker. Dieser wird auch oft als Mennekes-Stecker bezeichnet, da die Firma Mennekes den Normentwurf zu diesem Stecker entwickelt hat. Dieser hat 7 Pole und kann neben Wechselstrom auch Gleichstrom laden. Außerdem können Daten transportiert werden. „Die Spannung wird erst dann zugeschaltet, wenn das System erkannt hat, dass die Stecker fahrzeug- und infrastrukturseitig vollständig eingesteckt wurden, dass die Stecker verriegelt sind und dass die Schutzleiterverbindung korrekt ist. Solange eine dieser Bedingungen nicht erfüllt ist, sind die Kontakte spannungsfrei. Dieses umfassende Sicherheitssystem macht zusätzliche mechanische  Schutzeinrichtungen wie einen Berührungsschutz über die Fingersicherheit hinaus für die Kontakte überflüssig,“ erläutert Mennekes die Vorteile des Systems auf seiner Website.

Das Wichtigste: 1-phasig kann über diesen Stecker Typ 2 die doppelte Leistung bis 7,4 kW und 3-phasig bis 22 kW gezogen werden; das verkürzt die Ladezeit natürlich enorm.

Was kostet die Ladung unterwegs?

Das Laden unterwegs z.B. an EnBW Ladestationen mit einer passenden Ladekarte wird minutengenau abgerechnet und berücksichtigt die Ladeleistung und damit die Ladegeschwindigkeit entsprechend; die Preise bewegen sich zwischen 1,20 € über 2,40 € bis zu 6,- € pro Stunde.

Wie ist der Ursprung von Superchargern?

Die japanische Tokyo Electric Power Company TEPCO sowie die Automobilhersteller Nissan, Mitsubishi, Subaru und Toyota sind Mitglied eines Konsortiums, das die sog. CHAdeMO Ladesäulen entwickelt hat– die Abkürzung ist auf einen japanischen Satz zurückzuführen, der mit „Wie wär’s mit einer Tasse Tee?“ übersetzt werden kann und damit den Schnell-Ladevorgang bebildert, dass man nach einer Tasse Tee (15-30 min.) 80% seiner Batterie-Kapazität wieder erreicht kann.

Wie funktionieren Supercharger?

Das CHAdeMO System liefert Gleichstrom (DC) mit einer Ladeleistung bis 50 kW. Dabei verbindet sich das Batterie-Management-System des Autos mit dem Computer der Schnell-Ladestation und optimiert den Ladevorgang, um möglichst rasch aber gleichzeitig aber auch Akku-schonend zu laden.

Warum ist der Tesla Supercharger so schnell?

Die Tesla Supercharger Stationen beinhalten parallel geschaltete Ladegeräte, die die Fahrzeugbatterie direkt mit bis zu 120 kW Gleichstrom speisen – so soll in 30 Minuten eine zusätzliche Reichweite des Fahrzeugs von 270 km erzielt werden.

Bisher ist das Laden für Teslafahrer kostenfrei, für 2017 ist allerdings die Einführung eines Kostenbeitrags angekündigt.
(siehe http://emobilitaetblog.de/tesla-aendert-supercharger-programm/ vom 12.11.16)

Infografik

 

1 KOMMENTAR

  1. Danke Harald, für den guten Überblick. Dazu noch zwei Anmerkungen.

    1. Die von Ihnen erwähnten 0,25 Euro (ich nehme an inklusive Netzgebühr, Abgaben und Steuern) beziehen sich auf den deutschen Markt. In Österreich gibt es den Strom ein wenig billiger. Wir können ca. die Hälfte (inklusive Netzgebühr und alle Abgaben) hernehmen.

    2. CHAdeMO ist die Abkürzung von „CHArge de MOve“ was soviel heißt wie „Laden für Bewegung“. Zusätzlich dient dieser Begriff als Wortspiel für den japanischen Satz „“O CHA DEMO ikaga desuka“, was soviel heißt wie „Nimm einen Tee während des Ladens“. (Quelle: http://www2.toyota.co.jp/en/news/10/03/0315_1.html)

    Liebe Grüße
    Jürgen

    PS: Würde mich über einen Austausch zwischen Ihrem und dem Wiener Blog http://www.emobilität.wien freuen.

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