Manchmal ist es unmöglich, ein Unternehmen in seiner Darstellung von seinem Gründer zu separieren. Steve Jobs und Apple, Elon Musk und Tesla, Mark Zuckerberg und Facebook sind typische Beispiele. Oder eben Travis Kalanick und UBER. Der Shooting Star unter den amerikanischen Digital-Unternehmern ist ein Phänomen, wie auch sein Geschäftsmodell sowohl Fluch als auch Segen ist. Er ist Rebell und Held für die Einen, und gleichzeitig ein herzloser, arroganter Mogul für die Anderen.

Für das Time Magazine gilt er regelmäßig als eine der einflussreichsten Personen des Jahres. Er erklimmt die Titelseiten von Forbes, Tech Crunch, New York Times & Co. Das hiesige Magazin Business Punk machte bereits 2014 mit der Überschrift ‚Kühner wird’s nicht‘ auf, bezeichnete Kalanick als einen ‚Taxi-Killer‘ und legte ihm ein forsches ‚Heult doch‘ in den Mund. Und die FAZ titelte: ‚vom Nerd zum UBER Chef‚ mit dem Ton, dass anstelle des UBER dort auch ÜBER stehen könnte.

Wofür steht Travis Kalanick?

Wofür steht er eigentlich, dieser charismatische Firmengründer? Ganz typisch für den Start einer großen digitalen Disruption ist die Erfahrung, die der oder die Gründer mit einem Service oder Produkt machen. Travis Kalanick war gemeinsam mit seinem Bekannten Garrett Camp Ende 2008 in Paris unzufrieden. Beide fanden im Regen abends kein Taxi und erdachten die Idee einer App für einen funktionierenden Transportservice. Doch der vermögende Camp musste harte Überzeugungsarbeit bei seinem Kumpel Kalanick leisten, um diesen zum Mitmachen zu bewegen. Fortan gab der heute 41 Jährige jedoch beständig Gas. Und wie.

Peer-to-Peer Ridesharing für die Welt

UBER begann zunächst unter dem Namen UBERCab und war erdacht als ein Fahrdienst mit luxuriösen Limousinen. Das hatte wenig gemein mit dem heutigen Peer-to-Peer Ridesharing Service. Erst als der amerikanische Wettbewerber Lyft in 2012 mit seinem Geschäftsmodell Erfolg hatte, musste UBER seine Taktik ändern. Und das zeichnet ihn eben auch aus: den erfolgreichen CEO im digitalen Zeitalter. Flexibel auf Herausforderungen des Wettbewerbs reagieren und vor allem schnell sein. Mit Hunderten Millionen an Venture Geldern u.a. durch Google, launchte Kalanick UBERX und katapultierte sein Geschäft in neue Größenordnungen. Dabei war er äußerst bedacht, das Unternehmen kulturell weiter wie ein Startup zu führen, ohne große Hierarchien oder Bürokratie.

Wie ist er gestrickt, der digitale CEO?

Kalanick ist eine Mischung aus Intelligenz, Ruchlosigkeit und Aggressivität garniert mit einem enormen Ego. Das sind in den USA zumindest in der Technologiebranche die optimalen Voraussetzungen für einen erfolgreichen CEO. Tatsächlich sind Startups weltweit inzwischen ja salonfähig geworden. Einen zukünftigen, weltweiten Marktführer zu leiten ist daher nicht einfacher geworden. Ganz im Gegenteil! Die schnell wachsenden, Eigentümer-getriebenen Unternehmen erfordern neben den digitalen Anforderungen eben ein ganz besonderes Fingerspitzengefühl für Kultur im Hause und im Umgang mit Investoren und Medien.

Und das hat bei Kalanick in der jüngsten Vergangenheit nicht immer funktioniert. Der CEO gerät immer wieder unter Druck, teils durch seine rüde Art, teils weil bei UBER eben inzwischen jede Kleinigkeit genauestens beobachtet wird. Sowohl von außen, als auch aus dem Unternehmen heraus.

Krise folgt Krise bei UBER

Millionenfach geklickt wurde eine Videoaufzeichnung, in welcher der CEO in einen Streit mit einem UBERBlack Fahrer gerät. Auch wenn sich Travis Kalanick inzwischen für sein rüdes Verhalten entschuldigt hat, so bleibt doch ein Nachgeschmack. Er hat sich damit keinen Gefallen getan, vor allem bei dem so sensiblen Thema, wie dem Umgang mit den Fahrern.

Die internen Aufzeichnungen der UBER Fahrten, die nach außen als Sicherheits-Feature verkauft wurden, gerieten zu einem weiteren Problem für UBER selbst. Als sogenannte ‚glorreiche Fahrten‘ wurden die Transporte zu Sex-Treffen hausintern tituliert, ein gefundenes Fressen für die Kritiker des Geschäftsmodells. Und weiteres Ungemach drohte. In einer firmeninternen Untersuchung geht man den Vorwürfen einer ehemaligen Mitarbeiterin nach, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz zu tolerieren. Hier war das Echo so dramatisch, dass Ende Februar Arianna Huffington persönlich mit Kalanick und seiner Personalchefin Liane Hornsey ein Krisenmeeting führte. Arianna ist ihres Zeichens Mitglied im UBER Aufsichtsrat.

Schwer wiegt zusätzlich der Vorwurf des Diebstahls von Technologie. Ein ehemaliger Mitarbeiter der Google Tochter Waymo habe Informationen gestohlen und nutze diese jetzt beim Aufbau in dem UBER Geschäftsbereich für autonomes Fahren.

Zuletzt verliess dann Jeff Jones, die Nummer zwei hinter Chef Travis Kalanick, vor wenigen Wochen UBER nach gerade einmal sechs Monaten im Unternehmen. Er zeigte sich verärgert, dass es ihm nicht gelungen war, seinen eigenen Stil im Unternehmen durchzusetzen. Seit Anfang März sucht Kalanick nun wieder einen starken COO, der in der Lage ist, ausgleichend zu ihm zu wirken und zur selben Zeit eigene Akzente zu setzen.

#deleteUBER oder was jetzt?

Bereits mit unserem gestrigen Post fragten wir uns, ob es jetzt an der Zeit sei #deleteUBER #oderdochnicht zu postulieren? Ich persönlich interpretiere die derzeitigen Schwierigkeiten bei UBER als typische Wachstumsschmerzen. Vor allem wenn man wie UBER ein raketenhaftes Wachstum über Jahre hinweg verzeichnen konnte.

Das Einmischen von Persönlichkeiten wie Arianna Huffington in die operativen Themen bei UBER zeigt, dass man die Zeichen der Zeit erkannt hat. Das Unternehmen ist dank seines umstrittenen Geschäftsmodells prädestiniert für eine hohe Aufmerksamkeit der Medien und ruft alleine deshalb immer wieder Kritik hervor. Huffington kann da mit ihrer Erfahrung und Ruhe durchaus stabilisierend eingreifen.

Und dennoch sind es die Typen wie Travis Kalanick, die die jungen, digitalen Unternehmen brauchen. Es sind die Vollblut-Unternehmer, ohne die ein solch gigantisches Wachstum wie bei UBER garnicht erst möglich wäre. Und diese Unternehmer machen Fehler, so wie wir alle. Kalanick hatte vor UBER keine Erfahrung im Aufbau eines globalen Unternehmens. Er steht täglich im Rampenlicht, ganz gleich ob beim Streik der französischen Taxifahrer, oder ob in Gerichtsverhandlungen in den USA.

Dieser Stress und Druck auf einem charismatischen Leader wird zwar mit unglaublichen Unternehmenswerten ‚versüßt‘. Aber es zeigt sich auch, wie wichtig diese digitalen Leader heutzutage sind. Und wie wenig man einen Travis Kalanick vom Unternehmen UBER trennen kann.

Hier sind noch einmal die Links zu den bisherigen Posts in unserer UBER Serie. Morgen geht’s dann weiter.

Unsere UBER Serie – nachhaltiger Erfolg oder Absturz

Die Bedingungen für die UBER Fahrer in den USA

#deleteUBER – wie sieht die Zukunft aus

 

 

 

 

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