Teststrecken für autonomes Fahren

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Teststrecken für autonomes Fahren
Quelle: Michael Brecht

Teststrecken für autonomes Fahren sind heutzutage noch rar. Die technische Entwicklung ist aber nur ein Schritt auf dem Weg zum autonomen Fahren. Die Frage ist sehr oft, wo man überhaupt die neu entwickelte Technik testen kann. Glücklich können sich die Hersteller schätzen, die eine eigene Teststrecke besitzen. Aber die eigentliche Aufgabe muss es sein, die Technik unter realen Bedingungen zu testen. Um dieses Problem zu lösen, wurde das Pilotprojekt „Testfeld Autonomes Fahren – Baden-Württemberg“ gegründet. Als Standort hierfür wurde Karlsruhe gewählt.

Die Partner – Stadt, Land, Uni

Kooperationspartner bei diesem Projekt sind unter anderem das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die Hochschule Karlsruhe (Technik und Wirtschaft), das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung und die Hochschule Heilbronn und nicht zuletzt die Städte Karlsruhe, Bruchsal und Heilbronn. Das Testfeld befindet sich aktuell noch im Aufbau. Wir hatten die Gelegenheit, anlässlich der Auto Motor und Sport (ams) i-Mobility Messe in Stuttgart (20. – 23. April 2017) mit Herrn Tim Reuber von der Hochschule Karlsruhe, einem der Konsortiumspartner, über den aktuellen Stand zu sprechen.

Teststrecken in Karlsruhe und Umgebung

Autonome Fahrsysteme mit aktuellem Forschungsstand funktionieren auf einer Autobahnen schon relativ gut. Die Herausforderung besteht darin, sie auch im engen Innenstadtverkehr auf ihre Anwendung zu testen. Deshalb sind mögliche Streckenabschnitte der Innenstadt von Karlsruhe für das „Testfeld Autonomes Fahren“ von besonderem Interesse. Die Mitarbeiter von „Testfeld“ präparieren diese Abschnitte dann mit Sensorik. Beispielsweise werden die Ampeln so ausgestattet, dass sie mit dem Fahrzeug kommunizieren können. Die Idee dahinter ist, dass das Fahrzeug ein Signal abgibt, bevor es an der Ampel ankommt und diese dann nach Möglichkeit frühzeitig auf grün schaltet, um die Verlustzeit zu reduzieren. Diese und weitere Sensorik wird auf den Teststrecken vorbereitet.

Vielfalt ist entscheidend

Tim Reuber erklärt: „Wichtig ist auch, dass wir eine große Vielfalt in die Auswahl der Streckenabschnitte bringen.“ Es soll sowohl auf bergigen und kurvigen Streckenabschnitten als auch auf geraden Strecken getestet werden können. Ziel ist es die Strecken zu präparieren, um sie dann Kunden anbieten zu können, die darauf unter Berücksichtigung von Sicherheitsvorkehrungen ihre Testfahrten durchführen können. Der Vorteil für Unternehmen liegt darin, dass sie sich nur noch darum kümmern müssen das autonome Fahrzeug auf die Strecke zu bringen. Die Testfeldausstattung sowie die rechtlichen Fragestellungen werden weitestgehend übernommen. Dies ist laut Tim Reuber einer der zeitaufwändigsten Punkte. „Wir stellen nicht nur die Strecken zur Verfügung, sondern beschäftigen uns auch mit allen rechtlichen Aspekten, der Technologie, möglichen Anwendungsmöglichkeiten und der gesellschaftlichen Akzeptanz“, sagt er. Gut ist hierbei, dass man die Städte Karlsruhe, Bruchsal und Heilbronn als Partner mit im Boot hat.

Aktueller Projektstand

Das Projekt befindet sich noch im Aufbau und es müssen noch Fragen geklärt werden. So berichtet uns Tim Reuber: „Die Kosten und Preise für die Nutzung der Teststrecken stehen aktuell noch nicht fest.“ Das Projekt soll dann im November offiziell von Verkehrsminister Hermann eingeweiht werden. Der Plan ist, dass dann im Frühjahr 2018 die ersten Testfahrten auf den ausgewählten Strecken stattfinden können.

Streckenmöglichkeiten rund um Karlsruhe
Quelle: Sabrina Pfeifer

Neben Strecken innerhalb von Karlsruhe ist aber auch ein Viereck rund um die Autobahnen A8, A81, A6 und A5 im Fokus als mögliche Teststrecke. Somit soll das Einzugsgebiet auch Bruchsal und Heilbronn umfassen. Langfristiges Ziel des Projektes ist es, immer mehr Strecken für autonomes Fahren ausrüsten zu können und somit vor allem die Verkehrssicherheit testen und erhöhen zu können. Irgendwann sollen auch die autonomen Fahrzeuge untereinander kommunizieren können. Dies in der Innenstadt zu machen, ist noch sehr schwer, weil es sehr oft noch an der gesellschaftlichen Akzeptanz scheitert. Aber die Eröffnung der Teststrecken im November soll ein weiterer wichtiger Schritt in der Entwicklung des autonomen Fahrens sein. Es gibt ähnliche Projekte in Deutschland, aber dies ist das einzige in Baden-Württemberg. Somit kann Karlsruhe ein wichtiger Standort werden.

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