Produktionsprobleme beim Model 3 hatten Tesla in eine Krise gestürzt. Der Aktienkurs gab nach und die Analysten sagten schon das Ende des Innovators aus Kalifornien voraus. Wie sieht die derzeitige Situation aus? Derzeit scheint es so, als würde Tesla die Produktionsprobleme nicht richtig in den  Griff bekommen. Trotzdem zeigt sich die Aktie stabil. Auch weil sich Tesla Gründer Elon Musk zu seinem Verbleib im Unternehmen geäußert hat. Die Hintergründe.

Produktionsziele verschoben

Tesla-Chef Elon Musk  musste die Produktionsziele erneut verschieben. Man hat die viel zitierte Produktionshölle offensichtlich noch nicht hinter sich gebracht. Anfang Januar hatte man bereits ein weiteres Mal seine Ziele revidieren müssen. Man bleibt also dem Kunden und Anlegern einiges schuldig. Eine wichtige Frage in diesem Zusammenhang sind die finanziellen Mittel der Kalifornier.

Produktionsziel: 5.000 Model 3

Tesla hatte letztes Jahr gemeldet, das man bis Dezember bis zu 5000 Model 3 herstellen wolle. Wie Tesla verlauten ließ, wird man wohl erst Mitte 2018 die an versierte Stückzahl schaffen (ntv). Dies ist bereits die zweite Verschiebung der Produktionsziele. Nach den ersten Problemen hatte man auf das Ende des ersten Quartals verwiesen, jetzt auf das Ende des zweiten Quartals.

Das liege daran, dass „wir uns weiter auf Qualität und Effizienz konzentrieren, statt einfach das größte mögliche Volumen in der kürzestmöglichen Zeit zu produzieren“. (Unternehmensmitteilung) Bis Ende März soll die Produktionskapazität auf 2500 gesteigert werden.

Anhaltende „Produktionshölle“ auch bei Batterienfertigung

Nach US-Medien Berichten hat Tesla auch Probleme bei der Batterienfertigung. Der US-Sender CNBC hat unter Berufung auf mehrere aktuelle und frühere Mitarbeiter berichtet, dass die Batterieproduktion in Nevada schlechter laufe als bisher eingeräumt.

Angeblich musste man Mitte Dezember immer noch Batterien per Hand fertigen. Um die Mehrarbeit auszugleichen, hat Tesla angeblich Mitarbeiter von Zulieferern zeitweise beschäftigt. Tesla dementierte die Behauptung, defekte Batterien hätten das Werk verlassen und räumte nur einige Schwierigkeiten bei der Produktion ein.

Die Nische schließt sich

Andere Hersteller haben ihre  Modelle der Elektromobilität bereits angekündigt und die meisten wollen ab dem Jahr 2020 voll angreifen. Musk verliert mit seiner Firma langsam den Vorsprung auf Wettbewerber wie Volkswagen, BMW oder Nissan. So hat BMW bereits eine überarbeitete Version des i3 auf den Markt gebracht und Nissan baut mit dem Leaf das meistverkaufte Elektroauto der Welt.  Die neuste Version der Japaner hat 380 Kilometer Reichweite und kostet knapp 32.000 Euro.

Besonders wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass wir von den erfahrenen deutschen Herstellern keine Lieferengpässe erwarten. Hier ist die hochautomatisierte Produktion meist sehr gut eingespielt und Fehler wie beim Model 3 werden wahrscheinlich umgangen. Falls Tesla in diesem Jahr die Engpässe und Produktionsfehler nicht ausmerzt, könnte es immer knapper werden und die Konkurrenz wird weiter zur Jagd blasen. „Sie haben nicht mehr viel Spielraum“, erklärte Analyst Joseph Spak von RBD Capital Markets.

Aktien

Die Aktie schwankt zwischen 255 und 285 €, hat jedoch nicht den großen Kurseinbruch erfahren, den manche Marktteilnehmer prognostiziert hatten. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Tesla trotz der Model 3 Probleme insgesamt 29.870 Elektroautos ausliefern konnte. Im Jahr 2017 setzte man 101.312 Model S und Model X ab und erreichte einen Zuwachs von 33 Prozent. (Statista)

Elon Musk verlängert

Es gab die Gerüchte, dass der Kopf hinter Tesla das Unternehmen verlässt. Nun wurde bestätigt, dass der Milliardär zehn weitere Jahre bei dem Autobauer bleibt. Statt eines Gehalts bekommt er nur noch Firmenaktien. Diese Aktien soll der Gründer nur erhalten, wenn Tesla bestimmte Ziele erreicht. Eine Aufgabe soll die Steigerung des Börsenwerts auf  650 Milliarden Dollar sein. (ssu/Reuters) (Die Marktkapitalisierung von BMW liegt bei rund 61 Milliarden US-Dollar)

Zahlungsengpässe

Tesla verzehrt momentan enorm viel Geld. Der Aufbau der Massenproduktion soll bis zu 8000 Dollar pro Minute oder 480.000 Dollar pro Stunde verschlingen, berichtet Bloomberg. Weitere Verzögerungen könnten auch den Absprung von Kunden bedeuten, die bereits 1000 Dollar Anzahlung leisteten. Kleine Engpässe kann Musk über die Vorauszahlungen (250.000 Dollar) des Roadster überbrücken. Die limitierte Serie mit 1000 Wagen, würde kurzfristig 250 Millionen Dollar generieren. Die normale Edition kostet in der Anzahlung 50.000 Dollar und könnte auch seinen Teil beitragen.

Serienproduktion Solarziegel

Tesla Tochter SolarCity hat mit der Serienproduktion von Solarziegeln begonnen. In der Gigawattfabrik 2 sollen Solarziegel mit einer Leistung von zwei Gigawatt entstehen. „Unsere Solarziegel sind mit gehärtetem Glas beschichtet und daher dreimal so robust wie normale Dachziegel. Dafür bürgen wir mit einer Garantie, die in der gesamten Branche ihresgleichen sucht: Sie gilt, solange Ihr Haus steht.“ (Tesla Homepage)

Tesla gibt dem Verbraucher eine Stromerzeugungsgarantie und eine Witterungsbeständigkeitsgarantie von 30 Jahren. 21,85 US-Dollar pro Quadratfuß Dachfläche kosten die Ziegel. Das ergibt einen Quadratmeterpreis von 196,66 Euro.  Andere Hersteller geben Kosten zwischen 170-200€ pro Quadratmeter an.

Der Visionär Musk will seinem Kunden den umweltschonenden Alltag aus eigenen Feder bereitstellen. Powerwall und Solarziegel sind nur der nächste logische Schritt für den Gründer.

Fazit

Wie es scheint, hat Tesla immer noch den Ruf eines erfolgreichen Kämpfers. Trotz alle Probleme erschließt man sich neue Geschäftsmodelle und erhält sich den Ruf als Hoffnungsträger im Elektromarkt. Der Aktienkurs hat sich seinen ersten charttechnischen Widerstand bei 280 Euro angenähert. Gelingt es Tesla diese Hürde zu nehmen, könnte es wieder spannend werden. Formal liegt ein neutrales Signal vor! Es bleibt spannend bei den Kaliforniern.

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