Kritik aus der Industrie

Es sammelt sich rege Kritik von einigen großen Automobilherstellern. Besonders die Finanzierung der Kalifornier wird bemängelt.

Porsche Betriebsratschef Uwe Hück

Uwe Hück übte in einem Interview mit dem Business Insider harsche Kritik an Tesla. Der Porsche Betriebsratschef kennt „keinen anständigen Kaufmann, der ein Unternehmen wie Tesla aufbauen würde“. Das Finanzierungsmodell sei „auf Schulden aufgebaut“ und damit „unmoralisch, weil es auf Pump aufgebaut wurde“. Harsche Kritik und die geht noch weiter. Der Porsche-Betriebsratschef geht auf die Arbeitsbedingungen ein und meint, das System würde dazu führen, dass sie die Kunden „gar nicht bedienen können und Mitarbeiter (haben), die sie auspressen“. „Elon Musk weiß wahrscheinlich ganz genau, dass Tesla über kurz oder lang aufgekauft wird, ob von Google oder Apple“.

Zwar sei Tesla „alles andere als ein Vorbild“, aber dass der Innovator aus Kaliforniern im Gegensatz zu den Deutschen die eMobilität nicht verschlafen hat steht fest.

Volkswagen Vorstandsvorsitzender Matthias Müller

Matthias Müllerlässt kaum ein gutes Haar am Elektromobilhersteller Tesla. „Es gibt auf dieser Welt Ankündigungsweltmeister, ich nenne keine Namen. Es gibt Unternehmen, die verkaufen mit Mühe 80.000 Autos pro Jahr. Volkswagen 11 Millionen in dem Jahr. Dann gibt’s Unternehmen wie Volkswagen, die erwirtschaften im Jahr einen Gewinn von 13 oder 14 Milliarden Euro“, so Müller auf einem Podium der Verlagsgruppe Passau. Und weiter: „Wenn ich richtig informiert bin, vernichtet Tesla pro Quartal einen dreistelligen Millionen-Betrag, schmeißt die Mitarbeiter raus, wie sie lustig sind. Also Sozialkompetenz – weiß ich nicht, wo die ist“.

Consumer Reports

Für die breite Masse noch gar nicht erhältlich, trotzdem nur „durchschnittlich verlässlich“. Diesen Vorwurf muss sich nun Tesla mit dem Model 3 gefallen lassen. Denn das US-Verbrauchermagazin Consumer Reports will bereits wissen, dass die Technik des Elektroautos nur „durchschnittlich verlässlich“ ist. Consumer Reports verteidigt seinen Bericht mit einer Pressemeldung. Auto Chef Tester Jake Fischer betonte, dass das Magazin keinem vom Kauf des Model 3 abraten würde, man jedoch prognostiziere, dass das Model 3 „durchschnittlich verlässlich“ sei. Eine „super tolle Note“ werde man im ersten Jahr von den Experten nicht erhalten. Die Einschätzung eines auf den Markt kommenden Modells sei oft „durchschnittlich verlässlich“.  Und weiter zu Tesla: „Sie scheinen misszuverstehen, was wir machen“, &  „unser jährlicher Zuverlässigkeits-Report und die Prognosen sind etwas anderes als die Autotests.“

Die Aussage soll in der Zukunft auch belegt werden. Consumer Reports kündigte an, sich bald möglichst ein Model 3 zuzulegen und ausführlich zu testen. „Wenn es bei unseren Tests OK abschneidet, dann könnte es sich um ein Fahrzeug handeln, das wir empfehlen“, so Fisher.  „Wir bei Consumer Reports vertrauen unseren Daten, Methoden und Berichten.“ Und diese Daten, Methoden und Berichte ergeben die Prognose über die Zuverlässigkeit, die auf 2 Säulen aufgebaut ist. Man habe 2000 Kunden der Modelle Model S und Model X nach der Zuverlässigkeit befragt (Säule 1) und geschlussfolgert, dass das Model 3 einfacher konstruiert sei und deshalb weniger Pannen haben sollte (Säule 2). Aus diesen zwei Säulen ergibt sich die Beurteilung.

Fazit

Es gibt durchaus positive Meldungen zum Innovator aus Kalifornien. Tesla wird von den dt. Autobauern ernst genommen, das steht fest, denn egal ob die Meldung positiv oder negativ ist, man beschäftigt sich mit dem eAuto Hersteller und nimmt diesen als Konkurrent wahr. Auch die Verbraucher sind begeistert von den Modellen der Kalifornier. Einige sind von der eMobilität im Gesamten noch nicht überzeugt und sehen daher auch Tesla als nicht konkurrenzfähigen Hersteller zu einem Verbrenner-Automobil.

Die Börse ruft unterschiedliche Meinungen vor, auch in unserem eMobilitäts – Blog Team. Hype oder nicht? Das Tesla keine Blase ist wurde bewiesen. Jetzt muss mit dem Model 3 nachgelegt werden und da sieht es momentan nicht optimal aus. Aber die Produktionshölle wurde von Elon Musk noch vor dem Produktionsstart als großer Gegner genannt. Tesla muss jetzt performen und den Weg aus der Hölle finden. Das Potenzial ist da. Die bissigen Reaktionen der Vergangenheit auf zB den Bericht von Consumer Reports, zeigen den Druck, den der innovative Autobauer sich mit der Massenmarktfähigkeit dieses Models 3 auferlegt hat.

Die harsche Kritik der Indsutrie  an Tesla ist punktuell gerechtfertigt, aber als Startup hat man manchmal keine andere Möglichkeit Innovationsführer zu werden und zu bleiben. Porsche und VW haben in diesem Punkt andere finanzielle Möglichkeiten. Dort kann mit der gegebenen Liquidität die Konzepte und Automobile anders aufziehen und die Investitionen ohne Probleme tätigen. Man muss nur gucken, dass die Aktionäre den Wandel mitmachen wollen, bei Tesla wollen Sie das und finanzieren gerne das Risiko dieses eMobilitäts-Innovator.

Das amerikanische Pendant zur Stiftung Warentest greift Tesla wahrscheinlich unbewusst mit der Beurteilung des Model 3 an. Die Kalifornier, die oft von der Presse für ihre Fahrzeuge gelobt werden, reagierten äußerst gereizt. Fraglich ist bei der Meldung definitiv, ob sich von den vorherigen Modellen Rückschlüsse auf das Model 3 ziehen lassen, besonders da das neue Modell auf einer neuen Plattform aufgebaut und technisch deutlich einfacher gehalten wurde.

Im Endeffekt heißt es abwarten. Abwarten ob Musk die Produktionshölle überlebt. Abwarten wie sich die Verkäufe und damit der Umsatz in den nächsten Jahren verhält. Tesla hat das Potenzial Geld zu verdienen, aber nur mit einem Massenmarktfähigen Automobil. Die dt. Hersteller müssen erst einmal nachziehen und konkurrenzfähige Modelle auf den Markt bringen. Das wird wohl laut der Industrie noch bis mindestens 2022 dauern, einige spannende Jahre, in denen viel passieren kann.

Kommentar verfassen