Die Anforderungen von Taxi-Fahrern an deren Fahrzeuge sind hoch. Viele Taxifahrer haben Schichten, die über die 8 Stunden Arbeitszeit weit hinaus gehen, etliche Kilometer werden am Tag zurück gelegt. Sind solche Strecken elektrisch möglich? Denn ein Taxifahrer kann mit einem Elektroauto ja nicht eben mal tanken gehen.

Nissans elektrischer NV200 in Barcelona

In einem Modellprojekt will Nissan in Kooperation mit Barcelona eine geeignete Ladeinfrastruktur aufbauen und den e-NV200 als Taxi in der Metropole integrieren. Dabei gibt es klare Anforderungsprofile an die Wagen. Mehrere hundert Kilometer sollten ohne Probleme schaffbar sein.

Situation in Deutschland

Weltweit sieht man den Toyota Prius oder auch Teslas Modelle als Taxis Gäste befördern. Jedoch haben die Elektroautos momentan ein typisch deutsches Problem. Wegen einer Eichverordnung dürfen viele der Autos nicht als Taxi zugelassen werden. Und dies betrifft fast alle Modelle jeglicher Hersteller, bis auf Leaf und den e-NV200 von Nissan.

Zulassungsverbot

Das Problem bezieht sich auf die Umrüstung. Am 1. November 2016 endete die Übergangsfrist einer neuen Eichverordnung für Taxameter. Laut dieser Verordnung können nur Fahrzeuge zugelassen werden, die vom Hersteller selbst als Taxis angeboten werden. Und diesen Schritt hat bis jetzt lediglich Nissan unternommen und lässt seine Fahrzeuge von dem Kooperationspartner Intax umrüsten. Alle anderen Elektroautos sind laut dem aktuellen Gesetz damit nicht als Taxi umrüstbar.

„Hier muss dringend auf politischer Ebene nachgebessert werden“, betont BEM-Präsident Kurt Sigl gegenüber Public Manager. Sigl weiter.

„Vor allem in den verkehrsbelasteten Metropolen unseres Landes kann das Elektrotaxi wesentlich zur Feinstaub- und Lärmreduktion sowie zur langfristigen Mobilitätserhaltung beitragen.“

Weiteres Problem – Reichweite

Bei dem Projekt GuEST wurden zwischen September 2014 und Februar 2015 über 24.600 Kilometer bei über 5.000 Kundenfahrten zurückgelegt. Die Unternehmer stellten dabei fest, das ein echter Mehrschichtbetrieb momentan noch nicht umsetzbar ist. Die Batterie- und Ladetechnologie muss noch weiter voranschreiten um den Diesel Fahrzeugen den Rang abzulaufen.

Fahrgäste geben positive Rückmeldung

Die Rückmeldungen der Kunden sind, laut dem Projekt GuEST, überwiegend positiv. Die meisten Fahrgäste begrüßen Elektrotaxis. Auch wurde der Impuls bei einem Fünftel der Fahrgäste (22,4%) ausgelöst, den Kauf eines Elektrofahrzeugs zu bedenken.

Fazit zum elektrischen Taxi

Als ich letztes Jahr in Amsterdam Silvester verbrachte, bemerkte ich viele Tesla und Nissan auf den Straßen der Metropole. Wer dort an den Flughafen per Taxi fahren möchte, der muss ein Elektrotaxi nehmen, alle anderen Taxi-Fahrzeuge sind verboten. Amsterdam fördert den Griff zum eTaxi mit der größten Dichte an Ladestationen und der stetigen Verbesserung der Infrastruktur. Jeden Monat kommen neue Ladepunkte hinzu. 2015 betrieben drei Taxiunternehmen 170 Nissan Leaf und e-NV200. Heute ist die Situation noch besser und noch mehr eTaxis sind auf den Straßen unterwegs.

Ich verstehe es nicht, dass Deutschland sich erneut Steine in den Weg zur eMobilität legt. Wenn ich Sonntagabends auf dem Weg zum Studium an den Toren Stuttgarts anklopfe, ist jedes Mal Feinstaubalarm. In Amsterdam sparen Besitzer bares Geld mit der Investition in ein eTaxi. Die Wartungskosten sind gering und eine nationale Förderung von 10.000 Euro pro Elektroauto kommt noch oben drauf. Taxi Unternehmen geben an ca. 200.000 Liter Diesel zu sparen und damit die CO2-Emissionen um 417 Tonnen zu senken.

Und was machen wir in Deutschland: hier hält man sich an dem Taxometer auf, gibt dadurch nur Nissan die Chance seine Elektroautos in diesem Segment abzusetzen. Das kann doch wirklich nicht sein. Ich hoffe, dass ganz schnell politisch entgegen gesteuert wird und die Förderung der Infrastruktur, der Unternehmen und Autos endlich Gewicht bekommt.

 

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