Siemens testet den eHighway

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eHighway
Bildquelle: Siemens Global Website

Vor kurzem hat Mercedes-Benz mit dem Verkauf eines ersten schweren E-LKW – dem E-FUSO Vision One – begonnen. Ebenfalls hat das Unternehmen angekündigt, die gesamte Marke FUSO elektrifizieren zu wollen. Und auch Tesla hat zumindest ein entsprechendes Produkt angekündigt. Heute soll es so weit sein: Elon Musk stellt den neuen Sattelschlepper vor. Die Motivation, die hinter den Bemühungen der Automobilhersteller steht, ist eindeutig: Schwere Lastwagen sind ein ausschlaggebender Faktor für schlechte Luftqualität. In Kalifornien beispielsweise sollen die Riesen die Hauptursache dafür sein. Da dies eine gesundheitliche Belastung für die Bevölkerung bedeutet, bietet die Produktion von E-Lkw eine Möglichkeit, die Abgase zu verringern. Doch bisher gibt es nicht nur wenig Angebote in dem Bereich, sondern auch zwei weitere Probleme: Die geringe Reichweite und die lange Ladedauer. Siemens testet daher in Kalifornien gemeinsam mit dem „South Coast Air Quality Management District“ (SCAQMD) einen sehr innovativen Ansatz: einen eHighway mit elektrischer Oberleitung.

eHighways mit elektrischer Oberleitung

Von Straßenbahnen kennen wir das Prinzip schon, doch bei Lastwagen ist es bisher schwer vorstellbar. Dennoch ergeben sich einige Vorteile. Ein E-Lkw mit einer Gesamtreichweite von circa 350 Kilometern kann zeitweise einen solchen eHighway befahren und auf diesen Abschnitten seine Batterien aufladen. Damit verlängert sich die Gesamtreiche um ein Vielfaches. Eine Fahrt auf einem entsprechend ausgerüsteten Highway ist damit vollständig emissionsfrei. „Tag für Tag sind Amerikaner auf funktionierenden Schwerlastverkehr angewiesen. Es wird erwartet, dass sich der vom Straßengüterverkehr verursachte globale Kohlendioxidausstoß bis zum Jahr 2050 verdoppelt“, sagt Roland Edel, Technologiechef der Mobilitätssparte von Siemens. Eine Lösung für das Problem bieten die eHighways von Siemens.

Von Schweden in die USA: Erster Highway seit 2016

In Schweden gibt es eine solche Fernstraße bereits seit dem Jahr 2016. Der Autobahnabschnitt ist zwei Kilometer lang und befindet sich auf der E16 nördlich von Stockholm. Auf dieser Strecke fahren bisher zwei Biogas-Hybrid-Fahrzeuge.

Nun folgt der erste Test auf einem US-Highway zwischen den beiden größten US-Häfen Los Angeles und Long Beach. Die elektrische Oberleitung ist 1,6 Kilometer lang. Wayne Nastri vom SCAQMD erklärt: „Dieses Projekt wird uns helfen, die Möglichkeit eines emissionsfreien Lastverkehrs mit elektrischen Oberleitungen zu evaluieren“. Da in den USA der Güterverkehr über Schienen nur eine Nebenrolle spielt, transportieren Lastwagen die ankommenden Güter an die Häfen. Aus diesem Grund werden vielbefahrene Highways in der Nähe von Häfen mit der neuen Technologie ausgestattet. Drei umgerüstete Lkw nutzen den von Siemens ausgestatteten Streckenabschnitt bisher zu Testzwecken.

Auch in Deutschland sollen im Jahr 2019 drei Pilotprojekte mit der eHighway-Technik auf ausgewählten Strecken starten.

eHighway mit doppelter Effizienz

Siemens zufolge sei der eHighway im Vergleich zu Verbrennungsmotoren doppelt so effizient. Eine Versorgung der Lkw über eine Oberleitung mit Strom bedeute nicht nur eine Halbierung des Energieverbrauchs, sondern auch eine Verringerung der lokalen Luftverschmutzung. Dank des Hybridsystems der Fahrzeuge fahren diese auch ohne Oberleitung und erhalten somit die Flexibilität herkömmlicher Lastwagen. Um die Effizienz zu testen, sind aktuell ein batteriebetriebener, ein Diesel-Hybrid und ein Flüssiggas-Hybrid-Lkw auf der Teststrecke unterwegs. Ein Sensorsystem ermöglicht es, den Kontakt zur Oberleitung herzustellen und zwischenzeitlich zu unterbrechen. Das bietet den Fahrzeugen die Chance, die Fahrspuren zu wechseln und zu überholen. Sie sind damit nicht auf den ständigen Kontakt mit der Leitung angewiesen.

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